Prof. Dr. Ole Holger Petersen

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  • Fachbereich Physiologie und Pharmakologie/Toxikologie
  • Ort Cardiff, Vereinigtes Königreich
  • Wahljahr 2010

Forschung

Forschungsschwerpunkte:Pathophysiologie der alkoholbedingten Pankreatitis, intrazelluläre Kalziumtunnel, IP₃-Rezeptoren, CRAC-Kanal-Blockierung als möglicher Therapieansatz

Ole Petersen ist ein dänisch-britischer Arzt und Physiologe, der die molekularen Grundlagen der Funktion und Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse erforscht. Mit elektrophysiologischen Methoden, Live-Zell-Bildgebung und hochauflösender Elektronenmikroskopie untersucht er, wie Energieproduktion, Enzymsekretion und Zellschutz ineinandergreifen und weshalb dieses fein austarierte System bei Störungen wie einer alkoholassoziierten Pankreatitis kollabiert.

Früh konnte Petersen mit Patch-Clamp-Messungen zeigen, dass bestimmte Ionenkanäle unmittelbar durch lokale Kalziumsignale reguliert werden und die Grundlage einer koordinierten Enzymsekretion bilden. Die Kalziumionen formen so einen Kanal oder Tunnel, durch den sie innerhalb der Zelle fließen und bestimmte Zielbereiche erreichen, ohne sofort im ganzen Cytosol verteilt zu werden. Im physiologischen Zustand entstehen kurze, exakt lokalisierte Kalziumspitzen, die die Exozytose der Granula auslösen. Mitochondrien puffern dort einen Teil des Kalziums ab und steigern zugleich ihre ATP-Produktion, ein Energieschub, der die sekretorische Leistung stabilisiert.

Unter pathologischen Bedingungen jedoch, beispielsweise unter dem Einfluss von Alkoholmetaboliten, wird diese Architektur zerstört. Ein zentraler Mechanismus ist die übermäßige Aktivierung von so genannten IP₃-Rezeptoren, an die das Signalmolekül Inositol-1,4,5-trisphosphat (IP₃) bindet. So kommt es zu einem anhaltenden Ausstrom von Kalziumionen aus dem endoplasmatischen Retikulum. Dadurch verlieren die Kalziumtunnel ihre räumliche Präzision, die Signale breiten sich unkontrolliert über das gesamte Zytosol aus, und intrazelluläre Vakuolen füllen sich mit Kalzium. Dort wird Trypsinogen vorzeitig zu Trypsin aktiviert, das eine autodigestive Gewebeschädigung initiiert, wie sie für eine alkoholische Pankreatitis charakteristisch ist.

In neueren Übersichtsarbeiten beschreibt Ole Petersen detailliert, wie eine dauerhafte Kalziumüberlastung die mitochondriale Homöostase destabilisiert: Eine übermäßige Aufnahme von Kalziumionen führt dazu, dass sich die Übergangspore in der inneren Mitochondrienmembran öffnet, das Membran zusammenbricht und die ATP-Synthese jäh endet.  Der resultierende Energiemangel verstärkt die Dysregulation weiter und mündet in einen nekrotischen Zelltod. Es kommt zu einem sich selbst verstärkenden Kreislauf, der die Schwere einer akuten Pankreatitis wesentlich bestimmt.

Eine besondere Rolle spielen dabei CRAC-Kanäle (Calcium Release-Activated Channels). Sie öffnen sich, wenn die intrazellulären Kalziumspeicher erschöpft sind, und tragen in der Pathologie erheblich zur anhaltenden Kalziumüberladung bei. Ole Petersen konnte in Tiermodellen zeigen, dass die pharmakologische Blockade dieser Kanäle die pathologische Kalziumdynamik eindämmt und Zellen vor Nekrose schützt. Dies macht die CRAC-Kanal-Inhibition zu einem vielversprechenden therapeutischen Ansatz für die Behandlung der akuten Pankreatitis. Ergänzend untersucht Petersen die Rolle von Calmodulin, dessen Stabilisierung weitere empfindliche Kontrollstellen schützt.

Der Grundlagenforscher betont, wie präzise räumliche und zeitliche Signalmuster die Funktion der Bauchspeicheldrüse prägen. Durch die Verbindung von hochauflösender Bildgebung mit biophysikalischer Messtechnik zeigt seine Arbeit, dass Gesundheit und Krankheit des Organs auf derselben Signalarchitektur beruhen, nur dass im Krankheitsfall Synchronität, Lokalität und Energetik aus dem Gleichgewicht geraten. 

Ole Petersens Forschung verbindet biophysikalische Präzision mit hoher pathophysiologischer Relevanz. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, die zentralen Mechanismen pankreatischer Erkrankungen zu verstehen und neue therapeutische Strategien zu begründen. 

  • seit 2017 Professor für Physiologie, Cardiff School of Biosciences, Cardiff University, Cardiff, UK
  • 2010-2017 Medical Research Council Professor, Cardiff School of Biosciences, Cardiff University, Cardiff, UK
  • 2010-2015 Direktor, Cardiff School of Biosciences, Cardiff University, Cardiff, UK
  • 1998-2009 Medical Research Council Professor, University of Liverpool, Liverpool, UK
  • 1981-2009 George Holt Professor of Physiology, University of Liverpool, Liverpool, UK
  • 1981-1998 Vorsitzender, Department of Physiology, University of Liverpool, Liverpool, UK
  • 1975-1981 Symers Professor of Physiology, University of Dundee, Dundee, UK
  • 1972 Habilitation, University of Copenhagen, Kopenhagen, Dänemark
  • 1969 Promotion, University of Copenhagen, Kopenhagen, Dänemark
  • 1961-1969 Studium der Humanmedizin, University of Copenhagen, Kopenhagen, Dänemark

  • 2024-2026 Vorsitzender, Physiology-Neuroscience Panel, Hungarian Research Council, Ungarn
  • 2019-2024 Editor-in-Chief, FUNCTION (American Physiological Society)
  • seit 2019 Mitglied, Translational Medicine Working Group, Academia Europaea
  • 2016-2023 Mitglied, Board, Science Advice for Policy by European Academies (SAPEA), Scientific Advice Mechanism (SAM), Europäische Kommission (EC)
  • 2016-2019 Mitglied, Committee for Anatomy, Physiology and Neuroscience, Royal Society, UK
  • 2015-2023 Vizepräsident, Academia Europaea
  • 2013-2018 Vertreter der Royal Society, European Academies Science Advisory Council (EASAC)
  • 2010-2015 Vorsitzender, Biological Sciences Sub-Panel, Research Excellence Framework (REF) 2014, Higher Education Funding Council, UK
  • seit 2010 Mitglied, Main Panel A, Research Excellence Framework (REF), Higher Education Funding Council, UK
  • 2010-2019 Mitglied, Science Advisory Council for Wales, Welsh Government, UK
  • 2008-2011 Vorsitzender, Starting Grant Panel for Physiology, Pathophysiology and Endocrinology, European Research Council (ERC)
  • 2006-2008 Präsident, Physiological Society, UK
  • 2005-2006 Vizepräsident, Royal Society, UK
  • 2004-2006 Mitglied, Council, Royal Society, UK
  • 1995-2014 Vorsitzender, Nominations Sub-Committee, Academia Europaea

  • 2025 Elected Distinguished Honorary Professor, Al-Ahliyya Amman University, Amman, Jordanien
  • 2023 Plenary Keynote Lecture, First Kolkata Pancreas Congress, Kalkutta, Indien
  • 2022 George E. Palade Prize and Medal, International Association of Pancreatology
  • 2020 Academia Europaea Gold Medal, Academia Europaea
  • 2018 Walter B. Cannon Award Lectureship, American Physiological Society, USA
  • seit 2017 Ehrenmitglied, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
  • seit 2015 Ehrenmitglied, Physiological Society, UK
  • 2013 Horace W. Davenport Distinguished Lectureship, Federation of American Societies for Experimental Biology (FASEB), Boston, USA
  • 2013 Ehrenpräsident und Keynote Lecturer, 37. International Congress of Physiological Sciences, International Union of Physiological Sciences (IUPS)
  • seit 2010 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2010 Lifetime Achievement Award, European Pancreatic Club (EPC)
  • 2008 Commander of the Order of the British Empire (CBE), UK
  • seit 2004 Ehrenmitglied, Hungarian Academy of Sciences, Ungarn
  • 2003 Jan Evangelista Purkyne Honorary Medal for Merit in the Biological Sciences, Academy of Sciences of the Czech Republic, Tschechien
  • seit 2001 Honorary Fellow, Royal College of Physicians London (FRCP), London, UK
  • seit 2000 Fellow, Royal Society, UK
  • seit 1998 Fellow, Academy of Medical Sciences, London, UK
  • 1994 Novo Nordisk Foundation’s H.C. Jacobaeus Prize and Lectureship, Novo Nordisk Foundation, Hellerup, Dänemark sowie Royal Danish Academy of Sciences and Letters, Dänemark
  • 1993 ISI Citation Classic „Calcium-activated potassium channels and their role in secretion“, Nature 307, 693–696 (1984), Institute for Science Information (ISI), Philadelphia, USA
  • 1991 Physiological Society’s Annual Review Prize and Lectureship, University of Cambridge, Cambridge, UK
  • seit 1988 Auswärtiges Mitglied, Royal Danish Academy of Sciences & Letters, Dänemark
  • seit 1988 Mitglied, Academia Europaea

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