Otto Schlüter (✝︎)
XXI. Präsident der Leopoldina (1952-1953)
- Ort Halle (Saale), Deutschland
- Wahljahr 1923
Forschung
Otto Schlüter war ein deutscher Geograf. Er lieferte zahlreiche Beiträge zur theoretisch-methodischen Fundierung der Anthropogeographie, vor allem der Siedlungskunde. Als Forscher und XXI. Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina erwarb er sich bleibende Verdienste um die Förderung der Wissenschaften in Deutschland.
Seine Beiträge zur Aufklärung der Genese der Kulturlandschaft Mitteleuropas lieferten die Grundlage für zahlreiche Regionalstudien. Außerdem förderte Schlüter maßgeblich die Forschungen zur Landeskunde im mitteldeutschen Raum. So gab er den „Atlas des Saale- und mittleren Elbegebietes“ heraus. An der Universität Halle prägte er zwischen 1911 bis 1951 die geographische Lehre.
Darüber hinaus wirkte er zwischen 1945 und 1952 als verantwortlicher Vizepräsident und von 1952 bis 1953 als XXI. Präsident der Leopoldina. Während seiner Amtszeit gelang es ihm, die Unabhängigkeit der Gelehrtengesellschaft gegenüber den staatlichen Organen der DDR zu wahren.
Zur Person
Otto Schlüter wurde am 12. November 1872 als Sohn des Rechtsanwalts und Notars Reinhard Schlüter und seiner Frau Berta, geborene Keller, in Witten an der Ruhr geboren. Er wurde zunächst durch Privatlehrer unterrichtet und besuchte ab Herbst 1881 das Humanistische Gymnasium in Essen, das er 1891 mit der Reifeprüfung abschloss. Dort wurde er nach eigener Aussage durch seinen Geografielehrer stark geprägt.
1907 heiratete er Margret, geborene Heyer. Das Paar bekam drei Söhne (1910, 1911 und 1913), die beiden Jüngeren fielen 1941 im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Der Älteste war später Stadtbaumeister von Hannover. Schlüters Frau starb 1947. Das Wohnhaus der Familie befand sich in der Ulestraße 3 im halleschen Paulusviertel.
Otto Schlüter starb am 12. Oktober 1959 in Halle (Saale). Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der St.-Laurentius-Kirche.
Auf dem Weinberg-Campus in Halle wurde eine Straße nach Otto Schlüter benannt.
Werdegang
Otto Schlüter begann 1891 an der Universität Freiburg ein Studium der Geographie, Geologie, Mineralogie und Philosophie. Ein Jahr später wechselte er an die Universität Halle. Dort wurde er am 10. Januar 1906 mit der Dissertation „Siedlungskunde des Tales der Unstrut von der Sachsenburger Pforte bis zur Mündung“ promoviert.
Von 1898 bis 1900 war er Assistent bei der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin und zugleich nebenamtlich als Dozent an der Handelshochschule Berlin tätig. Am 17. März 1906 habilitierte er sich an der Universität Berlin mit einer Arbeit über Siedlungsgeografie. 1907/1908 nahm er eine Vertretungs-Dozentur an der Handelshochschule in Köln wahr und wechselte 1909 als Privatdozent an die Universität Bonn. 1911 folgte er einem Ruf auf eine Professur für Geographie an die Universität Halle. 1938 wurde er emeritiert.
Durch den Tod seiner Amtsnachfolger wurde Schlüter zwischen 1948 und 1951 vertretungsweise erneut mit einer Professur für Geographie der Kulturlandschaft und Methodik der Geographie betraut. 1951 wurde er erneut emeritiert.
Auszeichungen und Mitgliedschaften
Für seine wissenschaftliche Arbeit wurde Otto Schlüter zahlreich geehrt, darunter mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft (1942), der Karl-Ritter-Medaille der Berliner Gesellschaft für Erdkunde (1953) sowie der Franz-von-Hauer-Medaille der Geographischen Gesellschaft Wien (1956).
Die Universität Leipzig verlieh ihm die Ehrendoktorwürde (1952); zudem war er Mitglied in der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1923), deren Ehrenmitglied er 1954 wurde. 1956 wurde er zum Ehrensenator der Universität Halle ernannt.
Der in Halle lehrende Bildhauer und Medailleur Gustav Weidanz schuf anlässlich des 80. Geburtstags von Otto Schlüter im Jahr 1952 eine Ehrenmedaille für den Jubilar.
Schlüter war außerdem Mitglied in mehreren geografischen Gesellschaften und Vereinen für Erdkunde, darunter im Halleschen Verband für die Erforschung der mitteldeutschen Bodenschätze und ihrer Verwertung sowie im Sächsisch-Thüringischen Verein für Erdkunde zu Halle a. S.
Präsidentschaft an der Leopoldina
Otto Schlüter wurde am 23. Juni 1942 zunächst Vizepräsident der Leopoldina. Im Mai 1952 wurde er als Nachfolger von Emil Abderhalden ihr XXI. Präsident.
Als Otto Schlüter 1945 die Verantwortung für die Leopoldina übernahm, kannte er die Akademie bereits genau, denn er war seit 1923 Mitglied, seit 1924 Vorstandsmitglied und seit 1942 Vizepräsident. Nach der Evakuierung des Präsidenten Emil Abderhalden aus Halle und der offiziellen Schließung der Leopoldina führte Otto Schlüter als Amtierender Vizepräsident unzählige Verhandlungen mit den verschiedensten Stellen, um die Wiederzulassung der Akademie zu erreichen. Dies gelang ihm 1952 im Zusammenhang mit der 300-Jahr-Feier der Leopoldina.
Es ist in hohem Maße sein Verdienst, dass die Leopoldina als eigenständige unabhängige Akademie in Halle weiter bestehen konnte. Im geteilten Deutschland achtete Schlüter von Beginn an darauf, dass die Einrichtung gesamtdeutsch ausgerichtet blieb. Bereits zwischen 1945 und 1952 bemühte er sich, die wichtigsten Aktivitäten der Akademie aufrechtzuerhalten, den Kontakt zu Mitgliedern in aller Welt zu pflegen und jenen zu den zuvor ausgeschlossenen jüdischen Mitgliedern erneut zu knüpfen. Bei der Zuwahl achtete das Leopoldina-Präsidium besonders darauf, dass auch Persönlichkeiten gewählt wurden, deren Aufnahme in die Akademie während der Zeit des Nationalsozialismus nicht möglich war.
1952 wurde Otto Schlüter zum XXI. Präsidenten der Leopoldina gewählt. Als er Ende 1953 sein Amt aus Altersgründen niederlegte, hatte er die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Akademie in den nachfolgenden Jahrzehnten ihrer Rolle als Brücke zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in Ost und West gerecht werden konnte.
Nachfolger von Otto Schlüter wurde am 1. Januar 1954 der Pharmazeut und Pflanzenforscher Kurt Mothes.