Nachricht Coronavirus-Pandemie: Leopoldina fordert konsequenteres Handeln

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Side view of young man and woman in medical masks standing near carriage in subway
Die gestern getroffenen Entscheidungen und aufgestellten Regelungen der Bund-/Länder-Runde zur Coronavirus-Pandemie sind aus Sicht der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina nicht ausreichend, um das Infektionsgeschehen zu kontrollieren und einzudämmen.

In den letzten Tagen steigen die Neuinfektionen in fast allen Regionen Deutschlands sprunghaft an. In den meisten europäischen Nachbarländern ist das Infektionsgeschehen bereits außer Kontrolle. Auch in Deutschland sind viele Infektionsketten in Hotspots schon jetzt nicht mehr nachzuverfolgen. "In den kommenden Tagen und Wochen kann die Eindämmung der Pandemie nur noch dann gelingen, wenn die Bundesländer verpflichtende und einheitliche Schutzmaßnahmen vereinbaren und durchsetzen. Sie müssen bereits ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen verpflichtend gelten und nicht nur als Empfehlung formuliert sein", sagt der Präsident der Leopoldina, Gerald Haug.

Das föderale System in Deutschland hat sich in der Pandemie bisher als belastbar und in mancher Hinsicht als vorteilhaft erwiesen. In der jetzt flächendeckend eskalierenden Situation gilt es jedoch, nachvollziehbar und koordiniert zu handeln, um Gefahren für die Allgemeinheit abzuwenden und einen neuen Lockdown zu verhindern. Auch wenn das Infektionsgeschehen in manchen Bundesländern bisher geringer als in bestimmten Risikogebieten ist, ist es notwendig, einheitliche Regeln einzuführen, die auf bundesweit gültigen Grenzwerten basieren. Nur so wird das Vertrauen in die politischen Entscheidungen und die Einsicht in die Notwendigkeit der Maßnahmen gestärkt.

Wirkungsvolles Handeln muss klar zwischen der lokalen Reaktion auf ein Infektionsgeschehen und der Prävention von Übertragungen unterscheiden. Jetzt ist es wichtig, bundesweit sinnvolle und begründete Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Die Bereitschaft der Bevölkerung, die Maßnahmen mitzutragen, ist laut aktueller Umfragen nach wie vor hoch. Alle Regeln müssen einheitlich und überall bekannt sein sowie verständlich und transparent kommuniziert werden.

Wenn die Politik angesichts absehbar exponentiell steigender Infektionszahlen nicht vorausschauend handelt, werden das öffentliche Leben und die Wirtschaft stärker eingeschränkt werden, als es notwendig gewesen wäre. Zudem werden die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen sinken, wird das Gesundheitssystem überlastet und werden individuelle Freiheitsrechte noch stärker eingeschränkt.

Welche Situationen eine Übertragung begünstigen und worauf Infektionen zurückzuführen sind, ist bekannt: viele und enge Kontakte in geschlossenen Räumen, wenig Frischluftzufuhr, dichtes Gedränge drinnen oder draußen und Sprechen in lebhafter oder lauter Umgebung. Notwendig sind vor allem korrekt über Mund und Nase getragene Masken, da oft ein Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann und wird, regelmäßiges Lüften, Vermeiden von Menschenansammlungen und lautem Sprechen. Diese Schutzmaßnahmen müssen im gesamten öffentlichen Raum einschließlich Arbeitsstätten und Bildungseinrichtungen gelten. Weitere Maßnahmen hat die Leopoldina in ihrer sechsten Ad-hoc-Stellungnahme zur Coronavirus-Pandemie "Wirksame Regeln für Herbst und Winter aufstellen" empfohlen.

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