Für seine Forschungsleistungen im Überschneidungsbereich von reiner Mathematik und theoretischer Physik hat Gerhard Huisken internationale Anerkennung gewonnen. Zu seinen Forschungschwerpunkten zählen Flächenveränderungen über einen bestimmten Zeitverlauf. Zahlreiche Phänomene der mathematischen Physik hängen mit veränderlichen Flächen, Räumen oder Kurven zusammen – etwa die Oberfläche eines Tropfens, der sich am Wasserhahn bildet und von der Oberflächenspannung in zwei Teile gerissen wird. Huisken untersucht die Deformation solcher Flächen, wobei die Regeln dabei von der jeweiligen Geometrie der Fläche bestimmt werden. In den 1980er-Jahren hat er durch seine Arbeiten über den sogenannten mittleren Krümmungsfluss (mean curvature flow) die Theorie der Evolution der Flächen mitbegründet.
Ein weiterer Schwerpunkt Huiskens ist die Mathematik der Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins. Hier besteht die Herausforderung darin, aus der Anfangskonfiguration eines isolierten Systems, z.B. eines Sterns oder eines Schwarzen Loches, ausgesandte Gravitationswellen – das heißt Krümmungen der Raumzeit – präzise vorherzusagen. Gravitationswellen entstehen, wenn eine Masse beschleunigt wird, und wurden 2016 erstmals experimentell nachgewiesen. Huisken bewies gemeinsam mit Tom Ilmanen von der ETH Zürich (Schweiz) die Penrose-Vermutung. Laut dieser Vermutung von Roger Penrose und Stephen Hawking gibt es keine Lösungen der Einsteinschen Feldgleichungen, ohne von der Existenz des Urknalls oder schwarzer Löcher auszugehen.
Mit dem Bundesverdienstkreuz wird Gerhard Huisken nun die höchste Anerkennung zuteil, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Der Verdienstorden wird in acht verschiedenen Stufen verliehen; das Verdienstkreuz 1. Klasse stellt die dritte Ordensstufe dar. Die Auszeichnung wird vom Bundespräsidenten verliehen – überreicht wurde Huisken das Bundesverdienstkreuz von Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Bündnis 90/Die Grünen) am 2. Februar in Tübingen.