Gunnar Berg entwickelte als experimenteller Physiker die Forschungsrichtung Glasphysik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) weiter. Unter seiner Leitung wurden insbesondere Durchbrüche beim Analysieren des Zusammenhangs zwischen atomarer Struktur und physikalischen Eigenschaften von Glas erzielt. Es gelang ihm, Grundlagenforschung mit Aspekten der praktischen Anwendung zu kombinieren, so dass auch ein bis heute erfolgreiches Unternehmen aus der Forschungsgruppe hervorging. Nicht zuletzt aufgrund seiner Tätigkeit als Physiker am Institut für Bergbausicherheit in Leipzig umfasst seine Publikationsliste ein breites Spektrum. Sie enthält sowohl Einträge zur Physik seilgeführter Fördergefäße als Grundlage einer in Sachsen-Anhalt betriebenen Schachtförderanlage als auch Untersuchungen zur Kinetik von Punktdefekten in Kristallen sowie der Erzeugung und den Eigenschaften von Silberkolloiden in Gläsern – in diesem Zusammenhang auch mit der Aufklärung von Goethes „Urphänomen“ in seiner Farbenlehre. Darüber hinaus beschäftigte sich Berg mit Fragen der Physikdidaktik sowie der Physikgeschichte.
Gunnar Berg studierte Physik an der MLU, wo er 1971 promoviert wurde und sich 1982 habilitierte. 1975 wurde er zudem an der Bergakademie Freiberg zum Doktor der Ingenieurwissenschaft promoviert. Obwohl ihm aus politischen Gründen zunächst eine Anstellung an der Universität und später eine Professur verwehrt worden waren, wurde er 1990 als Direktor der Sektion Physik an der MLU gewählt. Im Jahr 1992 erhielt er hier eine Professur für Experimentalphysik, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 innehatte. Neben seiner Forschungstätigkeit engagierte sich Gunnar Berg im Wissenschaftsmanagement und in der Wissenschaftsvermittlung. Von 1991 bis 1992 war er Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und schließlich von 1992 bis 1996 Rektor der MLU. In dieser Zeit hat er sich mit Fragen der Hochschul- und Wissenschaftspolitik auseinandergesetzt und die MLU durch den Erneuerungsprozess nach der Friedlichen Revolution geführt. In verschiedenen Expertengremien hat sich Gunnar Berg zudem für die Rolle der Naturwissenschaften an Schulen und in der Lehramtsausbildung starkgemacht und war in die Neustrukturierung von Lehre und Forschung in den ostdeutschen Bundesländern eingebunden. Nach seiner Aufnahme in die Leopoldina im Jahr 1999 übernahm Gunnar Berg wichtige Funktionen in der Akademie. In den Jahren 2000 bis 2010 unterstütze er als Sekretar für Mathematik und Naturwissenschaften die Leopoldina bei der Neuorganisation ihrer Struktur. In dieser Zeit wurden die Mitglieder in Klassen organisiert, um die interdisziplinäre Zusammenarbeit stärker zu fördern. In seiner Rolle als Vizepräsident von 2010 bis 2020 war er unter anderem für das Archiv und die Bibliothek, die Förderprogramme sowie für das Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung zuständig. Bis heute engagiert er sich im Rahmen des Schülerprogramms der Leopoldina, das jungen Menschen die Teilnahme an der Jahresversammlung ermöglicht. Für seine wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Verdiensten wurde Gunnar Berg bereits mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. Hierzu gehören der Gustav-Hertz-Preis der Physikalischen Gesellschaft der DDR (1982), die Werner-Pöls-Medaille des Deutschen Hochschulverbandes (2014), die Ehrennadel der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (2017), das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland (2019) und die Verdienst-Medaille der Leopoldina (2024).
Der Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt wird Personen verliehen, die sich in hervorragender Weise um das Bundesland verdient gemacht haben. Dabei kann es sich um außergewöhnliche Leistungen über eine längere Zeit oder eine ganz außergewöhnliche Einzelleistung handeln.