Prof. Dr. Kai Simons (geb. 1938) hat bahnbrechende Beiträge zur Biochemie und Zellbiologie geleistet, wobei er sich auf die Struktur und Funktion von Zellmembranen konzentrierte. Seine Arbeit hat das Verständnis von Virusmechanismen, Membranorganisation und Lipidstoffwechsel revolutioniert. Simons ist ein finnischer Arzt und Biochemiker. Er begann seine Karriere in Helsinki, wo er das Semliki-Forest-Virus (SFV) als Modell zur Untersuchung von Zellmembranen verwendete. Dieses Virus mit seiner einfachen Lipid-Doppelschicht und einem einzigen Spike-Protein ermöglichte es ihm, aufzuklären, wie Detergentien Membranen löslich machen – ein Durchbruch, der die Entwicklung effizienter Protein-Untereinheit-Impfstoffe unterstützte. Sein Team war das erste, das nachweisen konnte, wie das SFV in die Wirtszellen eindringt, ein Mechanismus, der für das Verständnis von umhüllten Viren wie Coronaviren nach wie vor relevant ist.
Am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg (1975–2000) verlagerte Simons seinen Schwerpunkt auf die Polarität der Zelloberfläche und die Lipidsortierung in Epithelzellen, was zur Entdeckung des Konzepts der Lipid-Rafts führte. Lipid-Rafts, dynamische Mikrodomänen, organisieren die Bioaktivität der Membran und spielen eine entscheidende Rolle bei der Signalübertragung und Krankheitsprozessen. Seit 1998 war er zudem Gründungsdirektor am Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden. 2006 wurde er emeritiert. Simons leistete auch Pionierarbeit auf dem Gebiet der Lipidomik, indem er fortschrittliche Massenspektrometrieverfahren zur Untersuchung der Lipidvielfalt und -funktion einsetzte. Seine Arbeit identifizierte Lipid-Biomarker für Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes und unterstützt so die Früherkennung und personalisierte Interventionen. Diese Anwendungen haben eine wichtige Lücke im Gesundheitswesen geschlossen, indem sie Instrumente für gezielte Therapien bereitstellen.
Simons ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften und Akademien wie EMBO, der National Academy of Sciences (USA) und der Academia Europaea. Die Leopoldina nahm ihn 1999 auf. Zudem wurde er mit zahlreichen Preisen und Medaillen geehrt, beispielsweise 2001 mit der Schleiden-Medaille der Leopoldina und 2016 mit der Robert Koch-Medaille in Gold der Robert Koch-Stiftung.
Die Cothenius-Medaille geht auf eine Stiftung des Leopoldina-Mitglieds und Leibarztes des Preußenkönigs Friedrich II., Christian Andreas von Cothenius (1708–1789), zurück. Sie wurde im Jahr 1792 zum ersten Mal verliehen. Anfänglich wurden die Preisträger für die Bearbeitung medizinischer Forschungsfragen ausgezeichnet. Seit 1954 vergibt die Leopoldina die Cothenius-Medaillen für das herausragende wissenschaftliche Lebenswerk der Geehrten. In der Regel werden die Auszeichnungen an Mitglieder der Akademie verliehen. Zu den Trägern gehören unter anderem der Mediziner und Zoologe Ernst Haeckel (1864) und Konrad Zuse (1985), der Entwickler des ersten Computers.