Prof. Dr. Frank Glorius ist ein deutscher Chemiker, der sich auf die Entwicklung neuer katalytischer Methoden in der organischen Chemie spezialisiert hat. Er entwirft Moleküle mit besonderen Eigenschaften, die unter anderem in den Materialwissenschaften eingesetzt werden. Sein Ziel ist es, die Herstellung organischer Moleküle zu vereinfachen oder überhaupt erst zu ermöglichen. Diese Moleküle finden in vielen Bereichen Anwendung, zum Beispiel in der chemischen Industrie, Energieversorgung, Werkstoffkunde, Landwirtschaft (Pflanzenschutz) sowie in der Herstellung von Medikamenten, Duft- und Aromastoffen. Ein besonderes Augenmerk legt Glorius darauf, diese Prozesse möglichst effizient zu gestalten. Dabei spielt die Katalyse eine zentrale Rolle. Er und sein Team konzentrieren sich insbesondere auf die C-H-Aktivierung, Photokatalyse, Aromatenhydrierung und Organokatalyse. Zudem entwerfen sie Moleküle, die in der Biologie und den Materialwissenschaften gesuchte Funktionen haben, der Veränderung von Oberflächen und Materialien dienen oder in Membranen und Batterien eingesetzt werden können.
Frank Glorius studierte Chemie an der Leibniz Universität Hannover und an der Stanford University/USA. Er promovierte an der Universität Basel/Schweiz. Nach einem Aufenthalt als Postdoc an der Harvard Universität in Cambridge/USA wurde er 2001 unabhängiger Gruppenleiter am Max‐Planck‐Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. 2004 folgte er einem Ruf als Professor für Organische Chemie an die Philipps‐Universität Marburg. Seit 2007 ist er Professor für Organische Chemie an der Universität Münster. Darüber hinaus besetzt Glorius eine Reihe weiterer Funktionen und Ämter. Er ist Sprecher und Initiator der Internationalen Graduiertenschule BACCARA – International Graduate School of Battery Chemistry, Characterization, Analysis, Recycling and Application der Universität Münster, sowie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Fonds der Chemischen Industrie (FCI) in Frankfurt am Main. Für seine Forschung hat Glorius bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter der Otto-Bayer-Preis für Chemie und Biochemie der Bayer Foundation, der Arthur C. Cope Scholar Award der American Chemical Society (ACS) sowie der Gottfried Wilhelm Leibniz‐Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). 2021 wurde er in die Leopoldina gewählt.
Die Carus-Medaille wurde anlässlich des 50. Professorenjubiläums des XIII. Präsidenten der Leopoldina, Carl Gustav Carus (1789–1869), gestiftet und erstmals im Jahr 1896 vergeben. Sie würdigt bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen oder Forschungsleistungen jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf einem in der Leopoldina vertretenen Gebiet. Zu den bisherigen Preisträgern und -trägerinnen gehören Prof. Dr. Jacques Monod (1965), der im gleichen Jahr mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geehrt wurde, Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard (1989), die 1995 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt, und Prof. Dr. Stefan Hell (2013), der im Folgejahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Seit 1961 ist sie mit dem von der Stadt Schweinfurt – Gründungsort der Leopoldina – gestifteten Carus-Preis verbunden. Bislang wurde die Carus-Medaille im Rahmen eines Symposiums in Halle (Saale) verliehen. Ab 2025 wird die Carus-Medaille gemeinsam mit dem Carus-Preis in der Stadt Schweinfurt an die Preisträgerinnen und Preisträger überreicht.