Bevor die neuen Leopoldina-Mitglieder der Klasse III ihre Urkunden erhielten, sprach Dirk Haller in seinem Vortrag über das Darmmikrobiom und dessen zentrale Bedeutung für die menschliche Gesundheit. Der Professor für Ernährung und Immunologie an der TU München gab darin Einblicke in dieses „Organ“ der besonderen Art und erläuterte die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mikrobiom, Ernährung, Immunsystem und Erkrankungen.
Folgende Mitglieder sind im Jahr 2024 in die Klasse III der Leopoldina gewählt worden:
- Ibrahim Abubakar ist ein britisch-nigerianischer Arzt mit Ausrichtung auf öffentliche Gesundheit (Public Health), Infektionskrankheiten und Gesundheitswesen. Er arbeitet an Projekten zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit sowohl in Großbritannien als auch in Afrika und hier vor allem in Nigeria. Die Empfehlung der von ihm geleiteten „Lancet Nigeria Commission“ für eine Krankenversicherung für die 83 Millionen ärmsten Bürgerinnen und Bürger des Landes wurde in ein Gesetz umgesetzt und führt im bevölkerungsreichsten Land Afrikas zu einer Transformation des Gesundheitssystems.
- Clare Bambra ist eine britische Sozialwissenschaftlerin. Als Expertin für Public Health beschäftigt sie sich mit den sozialen, ökonomischen und politischen Ursachen von gesundheitlichen Ungleichheiten. Die Coronavirus-Pandemie rückte ihre Forschung ins öffentliche Interesse; sie zeigte auf, wie vergleichsweise stark marginalisierte Bevölkerungsgruppen, besonders in strukturschwachen Regionen sowie in Nordengland, von der Pandemie betroffen waren. Ihre Forschungsprojekte zielen darauf ab, wirksame Strategien zur Verbesserung der Gesundheit und zur Verringerung von Ungleichheiten zu entwickeln. Zudem engagiert sie sich für die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis und in die Politik.
- Claudia Bausewein ist eine deutsche Palliativmedizinerin und Internistin. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der Verbesserung von belastenden Symptomen wie Atemnot bei fortgeschrittenen Erkrankungen. Zur Verbesserung der Versorgungsqualität befasst sie sich mit Fragen der Komplexität in der Palliativversorgung und Messung von Ergebnisqualität (Outcome) bei schwerkranken und sterbenden Patienten und Patientinnen. Ein weiterer Fokus ist die Arzneimitteltherapie und -sicherheit sowie der Einsatz sedierender Medikamente am Lebensende.
- Hermann Einsele ist Hämatologe und Onkologe. Sein Schwerpunkt liegt auf der zellbasierten Immuntherapie, die als Durchbruch für die Behandlung vieler Erkrankungen gilt, insbesondere von Tumor-, Autoimmun-, Infektions- sowie degenerativen Erkrankungen. Maßgeblich war er an der Entwicklung der klinischen Standards in der Behandlung von Blut- und Knochenmarkkrebs beteiligt. Vor allem seine Pionierarbeit zur CAR-T-Zelltherapie bei Behandlung des Multiplen Myeloms haben ihn weltweit bekannt gemacht.
- Gereon Fink ist Neurologe und Neurowissenschaftler. Seine neurowissenschaftliche Grundlagenforschung und translationale neurologische Forschung zielt darauf, die Entstehung von neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson oder Demenz tiefer zu verstehen. sowie die Diagnostik und Therapie dieser Krankheiten zu verbessern.
- Michael Ghadimi gilt als international anerkannter Chirurg mit besonderer Expertise in der Operation von Bauchspeicheldrüse, Enddarm, Speiseröhre und Leber. Einer seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte ist die Tumorbiologie. Er ist an der Entwicklung individualisierter Therapien bei Enddarmkrebs beteiligt und leitet klinische Studien zu Tumoren des Magen-Darm-Traktes.
- Karin Haustermans ist eine belgische Medizinerin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der gastrointestinalen und der Uro-Onkologie. Insbesondere entwickelt sie Methoden der Krebsbehandlung, vor allem der Protonentherapie. Sie leitet klinische Studien, in denen der zielgerichtete Einsatz molekularer Wirkstoffe mit der Strahlentherapie kombiniert werden. Mit der verbesserten Präzision und Wirksamkeit bei gleichzeitiger Reduzierung der Nebenwirkungen hat Karin Haustermans maßgeblich zur Optimierung der Strahlenbehandlung beigetragen.
- Frederick Klauschen ist ein deutscher Mediziner und Physiker. Er beschäftigt sich mit der Erhebung, Analyse und systemmedizinischen Integration verschiedener Omics-Daten von malignen Tumoren. Schwerpunkte liegen auf der Auswertung von histologischen Bilddaten sowie von molekularen Informationen. Mit seiner Arbeitsgruppe wendet er bioinformatische Methoden sowie Künstliche Intelligenz an, um die Komplexität von Tumoren genauer zu verstehen und eine gezieltere Diagnostik und Therapie zu ermöglichen.
- Johannes Krause ist ein deutscher Biochemiker und Archäogenetiker. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Analyse von alter DNA aus historischen und prähistorischen Kontexten mit Hilfe der DNA-Sequenzierung. Zu seinem Forschungsgebiet zählen Krankheitserreger aus historischen Epidemien, die menschliche Evolution und (prä-)historische Migrationsbewegungen. Zusammen mit dem Paläogenetiker Svante Pääbo arbeitete er an der Entschlüsselung des Erbguts des Neandertalers. Johannes Krause gilt als Mitbegründer des Forschungsfeldes Archäogenetik und als Entdecker der Denisovaner, einer asiatischen Urmenschenform.
- Markus Lerch ist ein deutscher Mediziner, Wissenschaftler und Hochschullehrer. Schwerpunkt seiner Forschung sind die Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, insbesondere die Pankreatitis und das Pankreaskarzinom. Seine pathophysiologischen, genetischen und zellbiologischen Arbeiten zur Pankreatitis haben das Verständnis der Entstehung der Erkrankung grundlegend verändert und neue Ansätze für die Diagnostik und Behandlung eröffnet.
- Marcus Mall ist Pädiater und Spezialist für Kinderpneumologie. Seine Schwerpunkte sind die Erforschung und Behandlung der Mukoviszidose (Cystische Fibrose), einer der häufigsten, bislang unheilbaren Erbkrankheiten, sowie anderer chronischer Lungenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Ziel seiner Forschung ist es, die zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen auf molekularer Ebene aufzuklären und darauf aufbauend gezielte Therapien zu entwickeln.
- Carla Nau ist eine deutsche Anästhesiologin und Schmerzforscherin. Mit ihren Arbeiten hat sie zum besseren Verständnis von erblichen Schmerzerkrankungen, Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung beigetragen und die Mechanismen der Wirkung von Schmerzmitteln untersucht. Sie beschäftigt sich mit dem Einsatz von e-Technologien und Künstlicher Intelligenz zur besseren Versorgung in der Schmerztherapie und Intensivmedizin.
- Josef Priller ist ein deutscher Psychiater, dessen besonderes Interesse neurodegenerativen Erkrankungen gilt. Der wissenschaftlich tätige Arzt erforscht die komplexen immunologischen Mechanismen, die zum Untergang von Nervenzellen führen. Im Fokus stehen dabei fehlgeleitete Immunreaktionen, die durch genetische oder umweltbedingte Einflüsse ausgelöst werden und das Entstehen und Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen begünstigen können.
- Ulrike Ravens-Sieberer ist eine deutsche Psychologin. Ihre Forschung gilt der psychischen Gesundheit und dem Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. Durch nationale und internationale Studien stellen sie und ihr Team wichtige Daten bereit, die Aufschluss über die seelische Gesundheit und Lebensqualität der jungen Generation geben – sowohl in Deutschland als auch im europäischen Vergleich. Auf diesem Wege unterstützt sie die Entwicklung von Präventionsstrategien und trägt dazu bei, die Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche zu verbessern.
- Stefan Treue ist ein deutscher Neurowissenschaftler. Er beschäftigt sich bei Primaten vor allem mit der visuellen Wahrnehmung und der Untersuchung neuronaler Prozesse, die mit dem Sehen verknüpft sind. Zu seinen Methoden zählt insbesondere die Elektrophysiologie.