Die Leopoldina beforscht seit zwei Jahrzehnten ihre Geschichte im 20. Jahrhundert und hat hierzu mehrere Publikationen herausgegeben oder deren Veröffentlichung unterstützt. Bisher standen dabei die Leopoldina als Institution, der Vergleich mit anderen Akademien im In- und Ausland sowie das Handeln und die Verantwortung von Repräsentanten der Leopoldina im Vordergrund. Das Handeln von Leopoldina-Mitgliedern außerhalb der Akademie ist bisher nicht umfassend untersucht worden und stellt gerade für die Zeit des Nationalsozialismus ein wichtiges Forschungsvorhaben dar.
Im Rahmen der ersten Förderphase (2021–2024) konnten Kurzbiographien zu zufällig ausgewählten Mitgliedern aus den verschiedenen historischen Sektionen der Leopoldina verfasst werden, die mit Ende des Projekts über die digitale Bibliothek der Leopoldina für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein weiteres Ziel ist der Aufbau einer Datenbank zu den im Nationalsozialismus wissenschaftlich aktiven Mitgliedern, die Informationen zur Mitgliedschaft und zu den beruflichen Stationen, Forschungsfeldern sowie zur Nähe zum politischen Regime (Parteimitgliedschaften, Verbindungen zu NS-Forschungsvorhaben) enthält. Die Ergebnisse dieser Forschungen werden in die vertiefte Auseinandersetzung der heutigen Nationalen Akademie der Wissenschaften mit dem Handeln ihrer Mitglieder sowie mit ihrer eigenen Verantwortung einfließen.
Das Projekt „Biographische Studien zu Leopoldina-Mitgliedern im Nationalsozialismus wird von der VolkswagenStiftung seit 2021 in einer Gesamthöhe von rund 862.000 Euro gefördert. Es findet unter der wissenschaftlichen Leitung der Leopoldina-Mitglieder Dieter Hoffmann (Berlin), Karl-Heinz Leven (Erlangen), Carsten Reinhardt (Bielefeld), Volker Roelcke (Gießen), Paul J. Weindling (Oxford/UK) sowie der Professorin für Neuere Geschichte Ute Planert (Köln) statt.