Mitglied im Fokus Reinhard Genzel ist neuer Vizekanzler des Ordens Pour le mérite

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Der Astrophysiker und Nobelpreisträger Reinhard Genzel, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching und Mitglied der Leopoldina, wurde zum Vizekanzler des Ordens Pour le mérite für Wissenschaften und Künste gewählt. Genzel übernimmt damit innerhalb des Ordens die Klasse der Naturwissenschaften. Er folgt auf den in diesem Jahr verstorbenen Juristen und Rechtshistoriker Michael Stolleis, ebenfalls Mitglied der Leopoldina.

Reinhard Genzel gilt als einer der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet der Infrarot- und Submillimeter-Astronomie. Sein Interesse gilt dem Entstehen, der Entwicklung und den Kernen von Galaxien wie der Milchstraße. Um die Struktur und Dynamik solcher Objekte zu untersuchen, haben Genzel und sein Team eine Reihe neuer Beobachtungstechniken und Instrumente im Bereich der Infrarot-, Submillimeter- und Millimeter-Astronomie entwickelt. So konnte Genzel durch 20 Jahre lange Beobachtung nachweisen, dass im Zentrum der Milchstraße ein Schwarzes Loch von 4,3 Millionen Sonnenmassen existiert. Damit gelang ihm der bislang beste empirische Nachweis für die Existenz von Schwarzen Löchern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Albert Einstein im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie postuliert worden waren.

Reinhard Genzel studierte Physik am Institut für Physik und Astronomie der Universität Bonn. 1978 wurde er am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn promoviert und habilitierte sich 1985 an der University of California/USA. Seit 1986 ist Genzel Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching. Der Astrophysiker wurde 2020 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet für die Entdeckung eines supermassereichen kompakten Objekts im Zentrum der Milchstraße. Er erhielt die Ehrung gemeinsam mit der US-amerikanischen Astronomin Andrea Ghez und dem britischen Mathematiker und Physiker Roger Penrose. 2014 erhielt Genzel außerdem die Herschel-Medaille der Royal Astronomical Society und 1990 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Im Jahr 2014 wurde Genzel mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Der Astrophysiker ist seit 2002 Mitglied der Leopoldina in der Sektion Physik.

Dem Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste gehören derzeit 37 inländische und 38 ausländische Mitglieder an, darunter 13 Trägerinnen und Träger des Nobelpreises. Die Wahl in den Orden zählt zu den höchsten Ehrungen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland zuteilwerden können. Reinhard Genzel ist seit 2013 Mitglied des Ordens. Parallel zu seiner Wahl als Vizekanzler wurde Prähistoriker und Leopoldina-Mitglied Hermann Parzinger zum Kanzler des Ordens Pour le mérite sowie Regisseurin Andrea Breth zur Vizekanzlerin gewählt. Die Künstler- und Gelehrtenvereinigung wurde 1842 von Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, ins Leben gerufen und 1952 von Bundespräsident Theodor Heuss neu begründet. Sie steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Erster Kanzler des Ordens war der Naturforscher und Leopoldina-Mitglied Alexander von Humboldt.

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