Strategie 2030
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina stellt mit der Strategie 2030 die Weichen für ihre Arbeit in den kommenden Jahren. Diese Strategie beschreibt, wie die Leopoldina ihre satzungsgemäßen Aufgaben in den kommenden fünf Jahren weiterentwickelt und die Aktivitäten der Akademie gezielt an aktuellen und künftigen Herausforderungen orientiert. Damit stärkt sie ihre Rolle als unabhängige Stimme der Wissenschaft und richtet ihre Arbeit konsequent an den veränderten Rahmenbedingungen aus.
Zuletzt bearbeitet: 23. Juni 2026
Die Besonderheit der Nationalakademie liegt in der Verbindung von drei Aufgaben, die keine andere Institution in Deutschland auf diese Weise vereint:
- Unabhängige, wissenschaftsbasierte Politik- und Gesellschaftsberatung auf nationaler sowie internationaler Ebene durch wissenschaftlich fundierte Handlungsoptionen zu gesellschaftlich relevanten Fragestellungen
- Vertretung der deutschen Wissenschaft in internationalen Gremien
- Als älteste kontinuierlich existierende Gelehrtengesellschaft der Welt blickt die Leopoldina auf mehr als 370 Jahre zurück. Die Nationalakademie bewahrt und pflegt ihr kulturelles Erbe und bringt es in die Bearbeitung aktueller Fragen ein.
Mit dieser einzigartigen Verbindung von Unabhängigkeit, Interdisziplinarität, Internationalität und historischer Verwurzelung nimmt die Leopoldina eine unverzichtbare Rolle im deutschen und internationalen Wissenschaftssystem ein.
Erarbeitet wurde die Strategie 2030 in einem Prozess, in den Mitglieder, Mitarbeitende und externe Expertinnen und Experten ihre Perspektiven eingebracht haben. Sie ist Ausdruck eines gemeinsamen Verständnisses, auf dessen Grundlage die Leopoldina Verantwortung in einer sich wandelnden Welt übernimmt. Die Strategie beschreibt den Weg der Akademie, Wissenschaft zum Wohl von Mensch, Natur und Gesellschaft zu stärken. Die Strategie 2030 wurde im November 2025 vom Präsidium der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina verabschiedet.
Strategische Ziele
Für Wissenschaftsfreiheit eintreten
Wissenschaftsfreiheit ist ein hohes Gut für unsere Gesellschaft, weil unabhängige Wissenschaft grundlegende, praktische und gesellschaftliche Erkenntnisse sowie Innovationen hervorbringt. Wissenschaftsfreiheit umfasst insbesondere die Freiheit der Lehre und des Lernens, die Freiheit der Forschung sowie die Freiheit, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit zu kommunizieren. Diese Freiheiten sind die Voraussetzung für vertrauenswürdige wissenschaftliche Erkenntnis, kritischen Diskurs und verantwortliches Handeln.
Als Nationale Akademie der Wissenschaften sieht die Leopoldina in der Bewahrung der Wissenschaftsfreiheit eine zentrale Aufgabe. Im Bewusstsein ihrer Geschichte verfolgt sie das Ziel, die positiven Wirkungen von Wissenschaftsfreiheit für die Gesellschaft herauszustellen und zu stärken.
Zielbild: Bis 2030 wird die Leopoldina weiterhin aktiv und erkennbar dazu beigetragen, den Wert unabhängiger Wissenschaft in Politik und Gesellschaft zu stärken.
Den Dialog von Gesellschaft und Wissenschaft stärken
Die Komplexität moderner Gesellschaften bringt langfristige, national und international verflochtene Herausforderungen mit sich. Der Wissenschaft kommt eine Schlüsselrolle bei der Analyse der jeweiligen Zusammenhänge und krisenhafter Entwicklungen sowie bei der Ausarbeitung tragfähiger Lösungen zu.
Die damit verbundene, erhöhte Sichtbarkeit von Wissenschaft bringt jedoch andere Herausforderungen mit sich: Während das Vertrauen in die Unabhängigkeit und Integrität der Wissenschaft in Deutschland laut Wissenschaftsbarometer weiterhin hoch ist, mehren sich zugleich Anzeichen von Wissenschaftsferne, -skepsis und offener Wissenschaftsfeindlichkeit bis hin zu Angriffen auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Um diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen, wird die Leopoldina einen nachhaltig wirkenden Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern, der sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse und deren Entstehung vermittelt als auch den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft selbst in den Fokus setzt. Auf diese Weise soll langfristig Vertrauen in die Unabhängigkeit und Integrität der Wissenschaft gestärkt, Missverständnissen vorgebeugt und wissenschaftsfeindlichen Tendenzen entgegengetreten werden.
Zielbild: Bis 2030 erweitert die Leopoldina ihr Portfolio an wirksamen Informations- und Dialogformaten, die erprobt und evaluiert sind. Diese fördern den offenen und vertrauensvollen Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.
Politikberatung wirksam gestalten
Angesichts des medialen Aufmerksamkeitswettbewerbs und einer wachsenden Vielfalt politischer Beratungsangebote wird es zunehmend anspruchsvoller, wissenschaftliche Einschätzungen so zu vermitteln, dass politische Akteure sie in Entscheidungsfindungsprozesse einbeziehen.
Die Leopoldina verfolgt vor diesem Hintergrund das Ziel, ihre Politikberatung als einen integrierten Prozess zu gestalten, der auf der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz beruht und abwägend informiert. Von der Vorbereitung über die Durchführung bis zur Nachbereitung werden alle Phasen eines Vorhabens systematisch darauf
ausgerichtet, den Transfer wissenschaftlich fundierter Handlungsoptionen an relevante Akteure und Zielgruppen zu fördern. Besonderes Augenmerk soll hierbei auf die Weiterentwicklung der Nachbereitungsphase gelegt werden. Darüber hinaus werden die nationale und die internationale Ebene eines Vorhabens sowie die entsprechende Kommunikation darüber gemeinsam betrachtet, um mögliche Synergien zu nutzen und die Reichweite zu erhöhen.
Die Bedeutung der Berliner Politiklandschaft sowie die Präsenz zentraler Akteure des Wissenschaftssystems machen eine enge Anbindung an die Hauptstadt unabdingbar. Gleichzeitig bietet Berlin wichtige Anknüpfungspunkte für die europäische und internationale Vernetzung.
Zielbild: Bis 2030 wird die Leopoldina ihre Politikberatung noch mehr in Form eines integrierten Prozesses etablieren. Politik- und Policy-Entwicklungen werden in ihren Zusammenhängen kontinuierlich analysiert, Handlungsoptionen zugleich wissenschaftsbasiert und adressengerecht formuliert.
Antizipative Themenentwicklung intensivieren
Unvorhergesehene Ereignisse wie die Corona-Pandemie können globale Krisen auslösen, die schnelles und wissenschaftlich fundiertes Handeln erfordern. Andererseits haben neue wissenschaftlich-technologische Entwicklungen das Potenzial, tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken. Um Politik und Gesellschaft in solchen Situationen wirksam beraten zu können, gewinnt die Fähigkeit zur Antizipation zunehmend an Bedeutung.
Die Leopoldina strebt eine Systematisierung ihrer vorhandenen Verfahren zur frühzeitigen Identifikation und Bearbeitung solcher Themen an. Insbesondere die Ad-hoc-Beratung erfordert rasch verfügbare Expertise und wissenschaftliche Analysen. Das lässt sich nur durch eine vorausschauende und kontinuierliche Beobachtung und Bewertung relevanter Entwicklungen langfristig sichern.
Ziel ist es daher, den Antizipationsprozess so weiterzuentwickeln, dass dieser flexibel genug ist, um unterschiedliche Themen frühzeitig aufzugreifen.
Zielbild: Bis 2030 etabliert die Leopoldina ein institutionell verankertes Antizipationsmodell, durch das sie relevante aktuelle Themen und Zukunftsthemen frühzeitig identifizieren und in politische sowie gesellschaftliche Diskurse einführen kann. Damit trägt sie sichtbar und wirksam zur vorausschauenden Orientierung in komplexen Transformationsprozessen bei.
Engagement und Potenziale der Mitglieder strategisch entfalten
Die Stärke der Leopoldina beruht auf der Vielfalt und Exzellenz ihrer Mitglieder. Gemeinsam bilden sie eine Gelehrtengesellschaft, deren Wissen, Erfahrung und Perspektiven die wissenschaftliche Grundlage für alle Aktivitäten der Arbeitsakademie bildet. Um dieses Potenzial gezielt zu fördern, entwickelt die Leopoldina Strukturen und Formate, die die aktive Mitwirkung erleichtern. Dazu gehören zeitgemäße digitale Kommunikations- und Beteiligungsmöglichkeiten, die Informationen und Anfragen schnell und niedrigschwellig zugänglich machen, insbesondere für neue Mitglieder.
Die Leopoldina schafft nicht nur Gelegenheiten, sondern auch Strukturen, die es Mitgliedern erleichtern, sich zu engagieren, sei es in Projekten, Stellungnahmen, Veranstaltungen oder im Dialog mit der Gesellschaft.
Zielbild: Bis 2030 bindet die Leopoldina ihre Mitglieder durch transparente Informations- und Kommunikationsprozesse sowie niedrigschwellige Beteiligungsformate effektiver ein. Der interdisziplinäre Dialog zwischen den Mitgliedern wird stärker gefördert.
Kulturerbe der Leopoldina bewahren und nutzbar machen
Die Leopoldina ist die weltweit älteste durchgehend existierende Gelehrtengesellschaft. 1652 in Schweinfurt gegründet, ist die Leopoldina seit dem 19. Jahrhundert in Halle ansässig und besitzt hier neben dem Hauptgebäude am Jägerberg auch ihren Traditionsstandort. Dieser verfügt mit einem eigens für die Leopoldina errichteten Bibliotheksgebäude und einem der ältesten Akademiearchive der Welt über eine lange Geschichte, die eng mit der Geschichte der Stadt und der des Landes Sachsen- Anhalt verbunden ist. Seit ihrer Gründung dokumentiert und archiviert die Leopoldina wissenschaftliche Aktivitäten und Wissen. Ihre Bestände sind eine einzigartige Quelle für wissenschaftshistorische Forschung; sie bilden außerdem eine wichtige Ressource für die Bearbeitung aktueller Fragen.
Aus diesem Erbe erwächst eine besondere Verantwortung: Der Erhalt und die Nutzbarkeit von Archiv und Bibliothek sind von hoher strategischer Priorität. Ziel ist es, das Archiv und die Bibliothek in den nächsten Jahren an konservatorische, sicherheitstechnische und nutzungsbezogene Standards anzupassen.
Zielbild: Bis in die 2030er Jahre ist der Traditionsstandort als wissenschaftshistorischer und kultureller Kern der Leopoldina mit Archiv und Bibliothek gesichert und zumindest teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das Papier
Erarbeitet wurde die Strategie 2030 in einem Prozess, in den Mitglieder, Mitarbeitende und externe Expertinnen und Experten ihre Perspektiven eingebracht haben. Sie ist Ausdruck eines gemeinsamen Verständnisses, auf dessen Grundlage die Leopoldina Verantwortung in einer sich wandelnden Welt übernimmt. Die Strategie beschreibt den Weg der Akademie, Wissenschaft zum Wohl von Mensch, Natur und Gesellschaft zu stärken. Die Strategie 2030 wurde im November 2025 vom Präsidium der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina verabschiedet. In dem Dokument werden die strategischen Ziele sowie Maßnahmen zur Umsetzung erläutert.