Neurobiologische und psychologische Faktoren der Sozialisation
Das volle Potenzial der intellektuellen und sozialen Leistungsfähigkeit eines Menschen kann nur durch die Verfügbarkeit optimaler Lernumwelten während der gesamten Entwicklung, die sich von der Geburt bis zum Tod erstreckt, ausgeschöpft werden. Zur gezielten funktionsorientierten Frühförderung von Kindern (insbesondere von solchen mit Migrationshintergrund oder aus sozioökonomisch schwachen Gesellschaftsbereichen) hat die Arbeitsgruppe evidenz-basierte Maßnahmen erarbeitet, die eine bessere Integration und das optimale Ausschöpfen der in der Gesellschaft vorhandenen Potenziale ermöglichen sollen.
Zuletzt bearbeitet: 08. Dezember 2025
Publikationen der Arbeitsgruppe
In der öffentlichen Diskussion werden die Ursachen von Unterschieden in der intellektuellen und sozialen Entwicklung von Menschen meistens in einander ausschließenden Bedingungen gesehen: Persönlichkeit, Fähigkeiten und soziale Eigenschaften seien entweder durch Veranlagung (die genetische Ausstattung eines Menschen) oder durch Umweltfaktoren bedingt. Die Forschung der letzten fünfzig Jahre hat überzeugend gezeigt, dass diese Antithese falsch ist. Das Ergebnis der Entwicklung von Menschen ist immer die Folge einer kontinuierlichen Interaktion zwischen genetischen und umweltbedingten Faktoren.
Auffassungen über die Art und Weise, wie sich kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten entwickeln, haben eine unmittelbare Bedeutung für das Handeln der Politik. Aus den wissenschaftlichen Befunden ist abzuleiten, dass insbesondere die frühkindliche Förderung im Kindergarten und in den ersten Schuljahren die beste Grundlage für eine erfolgreiche Integration liefert (insbesondere für die Entwicklung der Sprache und der Fähigkeiten zur Selbststeuerung). Aber damit ist es nicht getan. Gezielte Fördermaßnahmen sind besonders wirksam, wenn sie zum optimalen Entwicklungszeitpunkt angeboten werden. Später korrigierende Maßnahmen sind nicht unwirksam, aber um ein Vielfaches aufwändiger und für die Gesellschaft teurer.
Beteiligte Institutionen
- Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
- Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
- Deutsche Akademie der Technikwissenschaften acatech
Sprecherinnen und Sprecher der Arbeitsgruppe
Mitglieder der Arbeitsgruppe
- Prof. Dr. Jürgen Baumert ML, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin
- Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld ML, European University Institute Florenz (Italien)
- Prof. Dr. Thomas Cremer ML, Ludwig-Maximilians-Universität München
- Prof. Dr. Angela D. Friederici ML, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Leipzig
- Prof. Dr. Markus Hasselhorn, Deutsches Institut für internationale pädagogische Forschung (DIPF), Frankfurt am Main
- Prof. Dr. Gerd Kempermann ML, Technische Universität Dresden und Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Dresden
- Prof. Dr. Ulman Lindenberger ML, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin
- Prof. Dr. Jürgen Meisel, Universität Hamburg und University of Calgary (Kanada)
- Prof. Dr. Markus M. Nöthen ML, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
- Prof. Dr. Brigitte Röder ML, Universität Hamburg
- Prof. Dr. Frank Rösler ML, Universität Hamburg
- Prof. Dr. C. Katharina Spieß, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin
- Prof. Dr. Frank Spinath, Universität des Saarlandes, Saarbrücken
- Prof. Dr. Elsbeth Stern, Eidgenössische Technische Hochschule ETH Zürich (Schweiz)
- Prof. Dr. Gisela Trommsdorff, Universität Konstanz
ML = Mitglied der Leopoldina
Kontakt Dr. Henning Steinicke