Johann Georg Volckamer (sen.) (✝︎)
III. Präsident der Leopoldina (1686-1693)
- Ort Nürnberg, Deutschland
- Wahljahr 1678
Forschung
Zur Person
Johann Georg Volckamer kam am 9. Juni 1616 als Sohn des aus dem thüringischen Lobenstein stammenden Kaufmanns Johann Volckamer und seiner Frau Helena Ayrer in Nürnberg zur Welt. Dort erhielt er eine gute Erziehung mit höherer Bildung.
Am 7. August 1643 heiratete Johann Georg Volckamer seine Frau Barbara, geborene Vierer. Das Paar bekam sechs Söhne und sechs Töchter. Zu seinen Kindern zählten unter anderem der Mediziner und Botaniker Johann Georg Volckamer jun. (1662 bis 1744) sowie der Kaufmann, Fabrikant und Botaniker Johann Christoph Volckamer, (1644 bis 1720), die beide ebenfalls Mitglieder der Leopoldina waren.
Johann Georg Volckamer starb am 17. Mai 1693 in Nürnberg.
Werdegang
Johann Georg Volckamer begann 1633 ein Studium der Philosophie und Mathematik an der Universität Jena. 1636 wechselte er an die Universität Altdorf und belegte dort das Fach Medizin. Von 1638 bis 1641 setzte er sein Studium an der Universität Padua fort und war währenddessen auch als Bibliothekar der Hochschule tätig.
Im Anschluss ging er auf Bildungsreise und verbrachte einige Zeit in Frankreich und Italien. In Neapel lebte er im Haus eines Chirurgen und erhielt von diesem zahlreiche Unterweisungen in theoretischer und praktischer Chirurgie. Am 30. April 1643 wurde er an der Universität Altdorf zum Dr. med. promoviert und trat als praktischer Arzt in das Nürnberger Collegium medicum ein, dem er bis 1693 angehörte.
Als Wissenschaftler war Volckamer breit interessiert: Er befasste sich mit physikalischen Problemen aus Mechanik und Optik, die er auch publizierte. Er verstand es, Gläser für Fernrohre zu schleifen. In seinem Garten hatte er eine Sonnenuhr konstruiert. Sie verhalf ihm zu der wichtigen Entdeckung, dass die magnetische Deklination eine veränderliche Größe ist.
In seiner Eigenschaft als Mitglied des Pegnesischen Blumenordens verfasste er eine Vielzahl lateinischer Gedichte. 1682 gab er in Nürnberg ein Buch heraus, in dem er sich der Numismatik widmete. Das Werk enthielt eine Beschreibung von Volckamer zuvor in Italien gesammelten Münzen.
Volckamer war als Mediziner und Naturforscher über die Grenzen seiner Wirkungsstätte hinaus bekannt. Aufgrund seines Renommees wurde sein Wohnhaus in Nürnberg zum Treffpunkt für viele Gelehrte.
1683 wurde er vom Präsidenten der Leopoldina Johann Michael Fehr zu deren ersten Director Ephemeridum der ernannt. In diesem Amt als Schriftleiter betreute er in Nürnberg die Herausgabe wissenschaftlichen Zeitschrift „Miscellanea curiosa sive Ephemeridum medico-physicarum“.
Auszeichungen und Mitgliedschaften
1646 wurde Johann Georg Volckamer in den Pegnesischen Blumenorden aufgenommen. Am 1. November 1678 nahm ihn die Leopoldina als Mitglied auf; am 20. November 1678 wurde er zum Adjunkten ernannt. Er gab sich den Gesellschaftsnamen Helianthus I.
Präsidentschaft an der Leopoldina
Am 7. Dezember 1686 gab die Leopoldina die Wahl Johann Georg Volckamers zu ihrem III. Präsidenten bekannt. Er folgte auf Michael Fehr, der sein Amt am 20. Juli 1686 niedergelegt hatte. Zeitgleich mit dieser Wahl wurde die bis dato als lose Gesellschaft agierende Vereinigung in den Rang einer kaiserlichen Akademie erhoben. Sie erhielt den ehrenvollen Titel „Sacri Romani Imerpii Academia Caesareo-Leopoldina Naturae Curiosorum“.
Damit gingen zahlreiche Verbesserungen einher: Kaiser Leopold I. stattete die Akademie mit besonderen Vorrechten und Privilegien aus. Dazu zählten die Unabhängigkeit, die völlige Freiheit von der Zensur der von Leopoldina herausgegebenen Schriften und das Recht, ein eigenes Wappen zu tragen.
Als Präsident der Akademie wurde Johann Georg Volckamer in den Adelsstand erhoben und erhielt das Privileg als kaiserlicher Leibarzt tätig zu sein. Diese Privilegien kamen auch seinen Amtsnachfolgern zugute und waren ein wichtiger Schritt im Streben der Akademie nach öffentlicher Anerkennung.
Mit Antritt des Präsidentenamtes durch Johann Georg von Volckamer (sen.) verließ die Leopoldina im selben Jahr die Wirkungsstätte ihrer Gründung in Schweinfurt und bezog ihren neuen Sitz in der Freien Reichsstadt Nürnberg. Unter Volckamers Präsidentschaft nahm die Leopoldina einen Aufschwung. Seine Amtszeit dauerte bis zu seinem Tod im Jahr 1693.