Philipp Jakob Sachs von Lewenhaimb (✝︎)
- Wahljahr 1658
Forschung
Philipp Jakob Sachs von Lewenhaimb (auch Sachs von Löwenheim) war ein deutscher Arzt. Er wirkte als Stadtphysikus von Breslau und war Mitbegründer der „Miscellanea Curiosa Medico-physica Academiae Naturae Curiosorum“, die als erste naturwissenschaftlich-medizinischen Zeitschrift der Welt gilt.
Zur Person
Philipp Jakob Sachs von Lewenhaimb wurde am 26. August 1627 als Sohn von Tobias Sachs von Lewenhaimb und seiner Frau Ursula in Breslau geboren. In seiner Familie gab es sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits berühmte Ärzte, darunter Daniel Rindfleisch (Bucretius), Leibarzt von Erzherzog Karl von Österreich.
Philipp Jakob Sachs von Lewenhaimb besuchte das Elisabeth-Gymnasium in Breslau. Nach seiner Ausbildung baute er in der Stadt eine Arztpraxis auf. Im Anschluss heiratete er im November 1653 Anna Magdalena Beckens aus Namslau in Schlesien. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Johannes Tobias, der bereits 1655 starb, Ernst Philipp wurde am 21. Mai 1661 und Ursula Magdalena 1665 geboren.
Philipp Jakob Sachs von Lewenhaimb starb am 7. Januar 1672 in Breslau.
Werdegang
Philipp Jakob Sachs von Lewenhaimb studierte von 1646 bis 1649 in Leipzig Medizin. Im Anschluss besuchte er bis 1651 mehrere Universitätsstädte sowie berühmte Mediziner in den Niederlanden, in Frankreich und in Italien. Dort wurde er am 27. März 1651 an der Universität Padua promoviert. Danach ließ er sich in Breslau zunächst als Arzt nieder. 20 Jahre später, am 11. Mai 1671, ernannte ihn der Magistrat von Breslau außerdem zum Stadtphysikus.
Von Lewenhaimb verfügte über eine hohe Gabe zur Kommunikation und zur wissenschaftlichen Korrespondenz mit Fachkollegen. Diese Eigenschaft konnte er gewinnbringend bei der 1652 in Schweinfurt von vier Medizinern gegründeten Academia Naturae Curiosorum – der Leopoldina –einsetzen. Dort wurde Sachs von Lewenhaimb 1658 zunächst Mitglied und 1666 Adjunkt des II. Leopoldina-Präsidenten Johann Michael Fehr.
Den Gründern der Gelehrtengesellschaft schwebte eine Institution vor, die sich der Beförderung der Heilkunde widmen sollte. Wissen sollte durch die kritische Erschließung von Literatur reflektiert und durch die Publikation eigener Beobachtungen zugänglich gemacht werden. In einer Enzyklopädie der Heilkunde sollte jedes Akademiemitglied nach vorgegebenen Kriterien eine Pflanze, ein Tier oder ein Mineral beschreiben und insbesondere deren medizinischen Nutzen darstellen. Als erster Band dieser Enzyklopädie erschien 1671 eine umfangreiche Abhandlung über Wein, die aus der Feder von Philipp Sachs von Lewenhaimb stammte.
Im Vorfeld zeigte sich, dass für die Erarbeitung der Enzyklopädie zunächst die Sammlung von bereits vorliegenden Erkenntnissen einschließlich ihrer Diskussion notwendig war. Aus diesem Grund wurde auf Initiative von Sachs von Lewenhaimb an der Leopoldina die Zeitschrift „Miscellanea Curiosa Medico-physica Academiae Naturae Curiosorum“ ins Leben gerufen, die ab 1670 erschien. Sie wechselte zwar mehrfach ihren Titel, erscheint aber bis heute und gilt damit als älteste naturwissenschaftlich-medizinische Zeitschrift der Welt. Diese Publikation begründete die spätere internationale Ausstrahlung der Leopoldina mit und trägt heute den Titel „Nova Acta Leopoldina“.
Sachs von Lewenhaimb selbst konnte aufgrund seiner bald einsetzenden körperlichen Schwäche lediglich die ersten zwei Jahrgänge betreuen. Der erste Jahresband unter seiner Chefredaktion enthielt 160 Beobachtungen von 36 Autoren. Sachs von Lewenhaimb selbst lieferte 14 Beobachtungen. Außerdem war der Band mit einer Widmung für den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Leopold I., und einer Einladung an die Mediziner Europas versehen, sich im Weiteren zu beteiligen.
Im zweiten Jahresband, der 1671 erschien, zeigte sich bereits der Erfolg der angestoßenen Entwicklung: Die Resonanz aus der Wissenschaft war positiv, wie abgedruckte Leserbriefe zeigen. Hinzu kamen eine wahrscheinlich von Sachs von Lewenhaimb selbst verfasste Geschichte der Akademie, eine neue Satzung mit fest formulierten Zielen sowie eine Mitgliederliste. Auch der Umfang der Publikation war gewachsen: Im Hauptteil wurden 260 Beobachtungen von 52 Autoren vorgestellt, von denen sieben Beiträge auf das Konto Sachs von Lewenhaimbs gingen.
Die beiden von ihm verantworteten Ausgaben stießen auch am Kaiserhof auf Wohlwollen. Sein plötzlicher und früher Tod sowie Differenzen zwischen Schweinfurt und Breslau verzögerten zunächst die Anerkennung der Leopoldina als Reichsakademie. Sachs von Lewenhaimb hatte sie sieben Jahre lang angestrebt und durch seine Arbeit der Entscheidung den Boden bereitet: Durch eine am
3. August 1677 ausgestellte kaiserliche Urkunde wurde die Anerkennung als Reichsakademie endlich erreicht.
Für die Weiterführung der Publikation waren in der Folge die beiden Breslauer Stadtärzte Heinrich Vollgnad und Johannes Jänisius zuständig, mit denen Sachs von Lewenhaimb schon zusammengearbeitet hatte.
Auszeichungen und Mitgliedschaften
Am 30. Dezember 1658 wurde von Philipp Jakob Sachs von Lewenhaimb in die Leopoldina gewählt. Er erhielt den Beinamen Phosphorus I.