Elly Tanaka hat mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, den Axolotl in den Fokus der Grundlagenforschung zu stellen. Axolotl verfügen über erstaunliche Regenerationsfähigkeiten. Innerhalb weniger Wochen können Teile ihres Körpers nachwachsen. Tanaka ist es gelungen, die hierbei zugrundeliegenden Mechanismen zu identifizieren. Sie und ihr Team konnten zum Beispiel nachweisen, dass zu Beginn der Regeneration bestimmte Zellen dedifferenzieren, das heißt, sich in einen primitiveren Zustand zurückentwickeln, um stammzellähnliche Eigenschaften zu erwerben. Weiterhin identifizierte sie Moleküle, welche die Regeneration auslösen und steuern, sowie einen molekularen Signalweg, der Auskunft über die Position des zu regenerierenden Gewebes gibt. Tanakas Forschung beschränkt sich jedoch nicht nur auf Schwanzlurche. Ihre Arbeiten dienen als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Strategien zur Regeneration oder zum Ersatz von Säugetiergewebe. Auch für die Humanmedizin ergeben sich daraus vielversprechende Möglichkeiten: Tanaka und ihr Team konnten zum Beispiel menschliche embryonale Stammzellen dazu bringen, Netzhautgewebe einschließlich des retinalen Pigmentepithels (RPE) zu bilden. Das RPE ist die Pigmentschicht der Netzhaut (Retina). Tanaka und ihr Team verwenden diese Zellen, um nach potenziellen Medikamenten zu suchen, die Defekte in den RPE-Zellen, die zu fortschreitender Erblindung führen, beheben könnten.
Elly Tanaka studierte Biochemie an der University of California in San Francisco/USA und an der Harvard University in Boston/USA. Nach einem Forschungsaufenthalt am Ludwig Cancer Research Institute in London/UK wechselte sie ans Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden. Seit 2008 hat sie eine Professur für Tiermodelle der Regeneration an der Technischen Universität Dresden inne. Seit 2024 ist sie Wissenschaftliche Direktorin am Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Für ihre Forschung wurde Elly Tanaka bereits mit verschiedenen Preisen gehrt. Hierzu gehören der Erwin Schrödinger-Preis der ÖAW (2018), der FEBS | EMBO Women in Science Award der European Molecular Biology Organization (EMBO) (2020) und die Schleiden-Medaille der Leopoldina (2025). Tanaka ist zudem Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften und Wissenschaftsakademien wie EMBO (2017), der ÖAW (2022) und der US-amerikanischen National Academy of Sciences (NAS) (2023). In die Leopoldina wurde sie 2024 aufgenommen, wo sie der Sektion Genetik/Molekularbiologie und Zellbiologie angehört.
Der FWF-Wittgenstein-Preis des Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF richtet sich an exzellente Forscherinnen und Forscher aus allen Disziplinen. Die Entscheidung über die Vergabe des Preises folgt der Empfehlung einer internationalen und interdisziplinären Jury aus 16 Spitzenforscherinnen und -forschern. Verliehen wird der Preis durch den österreichischen Wissenschaftsminister. Mit 1,9 Millionen Euro handelt es sich um Österreichs höchstdotierten Wissenschaftspreis.