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Press Release | Tuesday, 18. January 2005

Öffentliche Vorträge der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

Zu den Themen "Einfache Entscheidungsregeln in einer komplexen Welt (G. Gigerenzer, Berlin) und "Neue Aspekte der Bedeutung von Melatonin für die Insulinsekretion" (E. Peschke, Halle/Saale)

Termin: Dienstag, 25. Januar 2005, 16.30 Uhr
Ort: Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina, Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale) 

  • Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Berlin, Mitglied der Akademie: "Einfache Entscheidungsregeln in einer komplexen Welt"

    Rationales Verhalten wird seit der Aufklärung durch die Gesetze der Logik und die Maximierung des erwarteten Nutzens definiert. Der ideal rationale Mensch ist so gut wie allwissend und verfügt über unendliche Zeit. Aber wie trifft man Entscheidungen, wenn man, wie die meisten unter uns, wenig Zeit und Wissen hat? In diesem Vortrag wird Herr Gigerenzer über die Forschung zu heuristischen (statt optimalen) Entscheidungen berichten. Kognitive Heuristiken sind schnell, verarbeiten nur wenig Information und können dennoch zu genau so guten oder besseren Problemlösungen führen wie "rationale" Methoden. Der Grund dafür liegt darin, dass Heuristiken (1) sich die evolvierten Fähigkeiten des menschlichen Gehirns zunutze machen und (2) sich an Strukturen der Umwelt anpassen. Weniger kann also mehr sein.

    Literatur:
    Gigerenzer, G. & Selten, R. (Eds.) (2001). Bounded rationality: The adaptive toolbox. Cambridge, MA: MIT Press.
    Gigerenzer, G., Todd, P. M. & the ABC Research Group (1999). Simple heuristics that make us smart. New York: Oxford University Press.

    Gerd Gigerenzer
    : Promotion und Habilitation in Psychologie an der Universität München, Professor für Psychologie an der Universität Konstanz (1984-1990), an der Universität Salzburg (19909-1992), an der University of Chicago (1992-1995), Direktor am Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung in München (1995-1997), Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin (seit 1997). Namhafte internationale Preise z.B. Association of American Publishers Prize for the best book in Social and Behavioral Sciences (1987), AAAS Prize for Behavioral Science Research (1991), Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2000), Mitglied der Leopoldina, Sektion Empirische Psychologie und Kognitionswissenschaften (seit 2001).

    Forschungsschwerpunkt: Untersuchung von Urteilen und Entscheiden unter Unsicherheiten
  • Prof. Dr. Elmar Peschke, Halle (Saale), Mitglied der Akademie: "Neue Aspekte der Bedeutung von Melatonin für die Insulinsekretion"

    Spätestens bei Reisen über Zeitzonen hinweg wird uns bewusst, dass unser Tagesrhythmus durch eine "Innere Uhr" gesteuert wird. Bei Säugetieren gehört neben dem zentralen hypothalamischen Rhythmusgenerator, dem Nucleus suprachiasmaticus, vor allem die Epiphysis cerebri mit ihrem "Hormon der Dunkelzeit", dem Melatonin, zum morphologischen Substrat der zentralen "Inneren Uhr". Melatonin informiert den Organismus über den Licht-Dunkel-Wechsel und synchronisiert circadiane Rhythmen. Neuere Befunde zeigen, dass Melatonin auch die Insulinsekretion beeinflusst. Elmar Peschke wird in seinem Vortrag über Melatoninrezeptoren auf der Insulin-produzierenden b -Zelle berichten und die intrazellulären Signaltransduktionswege und Expressionsmuster von "Uhrengenen" beschreiben. Dabei zeigt sich, dass Melatonin die Insulinsekretion über den cAMP-Weg senkt, sie jedoch über den IP3-Weg steigert. Wie diese "Janusgesichtigkeit" verstanden werden kann, ist Gegenstand derzeitiger Analysen, ergänzt durch Untersuchungen zur Bedeutung von Melatonin als Radikalfänger und sich daraus ergebenden klinischen Implikationen für die Diabetogenese.

    Elmar Peschke
    : Staatsexamen und Approbation in Humanmedizin an der Martin-Luther-Universität (MLU) Halle-Wittenberg, Facharzt für Anatomie, Auslandszusatzstudium am Department of Anatomy der University Medical School Pécs (1984/85), Hochschuldozent, später stellv. Institutsdirektor am Anatomischen Institut der Medizinischen Akademie Magdeburg (1985-1989), Dozent an der MLU (1989-1991), Professor für Anatomie an der MLU Halle-Wittenberg (seit 1992), Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (1996), Mitglied der Leopoldina, Sektion Anatomie und Anthropologie (seit 2000).

    Forschungsschwerpunkte: Neurobiologie, Endokrinologie und Chronobiologie

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