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Press Release | Tuesday, 15. April 2003

Öffentliche Vorträge der Leopoldina

Zu den Themen "Zwischen klar, trüb und sauer – zur ökologischen Situation der Seen in Deutschland" (B. Nixdorf, Bad Saarow) und "Herpesviren – vom Genom zur Erkrankung" (T.C. Mettenleiter, Insel Riems)

Termin: Dienstag, 22. April 2003, 16.30 Uhr
Ort: Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina, Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)

  • Zu den Vorträgen:

Prof. Dr. Brigitte Nixdorf, Bad Saarow, Mitglied der Akademie
Zwischen klar, trüb und sauer – zur ökologischen Situation der Seen in Deutschland

In Deutschland existieren mehr als 12 000 natürliche Seen, Talsperren und Tagebauseen. Für die Seen größer als 50 ha gilt seit 2001 mit der Einführung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) die Notwendigkeit, die natürlichen Seen erstmalig ökologisch zu bewerten bzw. ein ökologisches Potential für die künstlichen Gewässer zu bestimmen. Die meisten Seen sind glazialen Ursprungs, liegen in der norddeutschen Tiefebene und zeigen trotz der vielfältigen Gewässerschutzmaßnahmen erhebliche Eutrophierungssymptome. Erste Bewertungen in Anlehnung an die WRRL ergeben, dass ein trüber See in Brandenburg besser abschneiden kann als ein klarer See in Bayern. Als gleichermaßen problematisch wird die Bewertung der Versauerung der zahlreichen sehr großen Tagebauseen in den Braunkohlegebieten Ostdeutschlands betrachtet. Im Vortrag werden die Ursachen für die Gewässerbelastungen aufgezeigt und Bewertungsansätze vorgestellt, die der ökologischen Komplexität von Gewässern innerhalb einer Flussgebietsbetrachtung Rechnung tragen.


Prof. Dr. Thomas C. Mettenleiter, Insel Riems, Mitglied der Akademie
Herpesviren – vom Genom zur Erkrankung

Erfahrung mit Herpesviren hat (fast) jeder: Vom simplen Lippenherpes über Windpocken und Pfeiffersches Drüsenfieber reichen die von den humanen Herpesviren hervorgerufenen Erkrankungen. Und jeder trägt zumindest das genetische Material eines Herpesvirus lebenslang im Körper, ohne dass ihn Krankheitssymptome plagen. Dieser Zustand der Latenz, der allerdings jederzeit aufgehoben werden kann, so dass neue Virusnachkommen entstehen, ist eines der wichtigsten biologischen Merkmale der Herpesviren. Insofern geht die Forschung über Herpesviren uns alle an. Aber nicht nur Menschen, auch Tiere werden von Herpesviren befallen. Die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere befasst sich deshalb besonders mit Herpesviren des Rindes, des Schweins und des Geflügels, die z.T. mit dramatischen Verlusten einhergehende Krankheiten verursachen können. Herpesviren gehören mit zu den komplexesten viralen Krankheitserregern. Ihr doppelsträngiges DNS-Genom kodiert für 70-220 Genprodukte, deren Funktion für die Virusvermehrung und die Krankheitsentstehung im Detail in vielen Fällen noch weitgehend unbekannt ist. Am Beispiel des Erregers der Aujeszkyschen Krankheit des Schweins untersucht die Forschungsgruppe von Th. Mettenleiter die Bedeutung einzelner viraler Genprodukte für die Initiation der Infektion der Zielzelle sowie die Virusreifung und -freisetzung aus der infizierten Zelle auf der molekularen Ebene. Die Rolle viraler Oberflächenproteine bei der Infektion von Nervenzellen steht dabei im Vordergrund. Diese grundlegenden Arbeiten sollen neue Wege zur Bekämpfung und/oder Behandlung von Herpesvirusinfektionen aufzeigen. Ein Ergebnis aus diesen Studien ist die Entwicklung neuartiger Impfstoffe und Impfkonzepte, die zu einer vollständigen Eradikation dieser bedeutenden Tierseuche in Deutschland geführt haben.

  • Zu den Referenten:

Brigitte Nixdorf studierte Biologe an der Humboldt-Universität zu Berlin und Hydrobiologie an der Technischen Universität Dresden. 1983 erfolgte die Promotion über Planktische Primärproduktion im Müggelsee. 1986 wurde sie Leiterin des Hydrobiologischen Labors der Abteilung Aquatische Ökosysteme des Instituts für Geographie und Geoökologie der Akademie der Wissenschaften der DDR. Nach 1989 erfolgten wissenschaftliche Arbeitsaufenthalte in Schweden, den Niederlanden, den USA und Kanada. Seit 1993 ist sie ordentliche Professorin an der Technischen Universität Cottbus mit Sitz des Lehrstuhls für Gewässerschutz in Bad Saarow am Scharmützelsee. 1994 erfolgte die Habilitation über "Trophische Interaktionen im planktischen Gefüge eines eutrophen Flachsees (Großer Müggelsee, Berlin)". Ihre Lehr- und Forschungsgebiete umfassen u.a. die Klassifizierung und Bewertung von Stand- und Fließgewässern sowie die Limnologie extrem saurer Tagebauseen und ihr ökologisches Entwicklungspotential. Nixdorf ist u.a. Vorsitzende (bis 2000) bzw. Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Umweltforschungszentrums (UFZ) Halle/Leipzig, Mitglied des Senatsausschusses der Leibnizgesellschaft, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Limnologie (seit 2002) und Fachgutachterin der DFG. 1998 erhielt sie den Lehrpreis des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburgs. Im Jahr 2001 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Brigitte Nixdorf zum Mitglied (Sektion Ökowissenschaften). 

Thomas C. Mettenleiter hat Biologie an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen studiert und im Hauptfach Genetik promoviert (1985). Nach einem Forschungsaufenthalt am Department of Microbiology der Medical School der Vanderbilt University in Nashville, USA, forschte er bis 1993 am Institut für Impfstoffe der Bundesanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen (unterbrochen durch einen Aufenthalt am Department of Microbiology-Immunology der Medical School der Northwestern University in Chicago, USA) und habilitierte sich 1990. 1994 übernahm er die Leitung des Instituts für molekulare und zelluläre Virologie der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, Insel Riems, seit 1996 ist er Präsident dieser Bundesforschungsanstalt. 1997 erfolgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor an der Ernst-Moritz- Arndt Universität Greifswald. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die molekulare Virologie. Schwerpunkte sind die Untersuchung molekularer Grundlagen der Herpesvirusinfektion, die Bekämpfung herpesvirusbedingter Tierseuchen und die Entwicklung gentechnisch hergestellter Impfstoffe gegen virusbedingte Krankheiten landwirtschaftlicher Nutztiere. Mettenleiter ist Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Beiräten. Die ungarische Akademie der Wissenschaften, Budapest, würdigte seine Arbeiten durch die Verleihung der Aladár Aujeszky-Gedächtnismedaille (1993). Im Jahr 2000 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Thomas C. Mettenleiter zum Mitglied (Sektion Veterinärmedizin).

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