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Press Release | Monday, 14. January 2002

Presseinformation 3/2002

Öffentliche naturwissenschaftliche Vorträge: "Endstadien der Sternenentwicklung: Pulsare, Schwarze Löcher, Weiße Zwerge", "Schädliche Sauerstoffverbindungen: Auslöser von Erkrankungen und Alterung"

  • Termin: Dienstag, 22. Januar 2002, 16.30 Uhr
  • Ort: Vortragsgebäude der Akademie Leopoldina
            Emil-Abderhalden-Straße 36, 06108 Halle (Saale)
  • Zu den Vorträgen:

Prof. Dr. Gernot Neugebauer, Jena, Mitglied der Akademie: "Pulsare, Schwarze Löcher und Weiße Zwerge – Einsteins kosmische Labors"

Die Schwerkraft (Gravitation) ist dafür verantwortlich, dass ein Apfel zur Erde fällt, aber sie hält auch das Weltall zusammen, bestimmt die Gestalt von Sternensystemen und Galaxien, und sie beeinflusst in ganz entscheidender Weise die Lebensgeschichte von Sternen. Astrophysiker mit ihren immer moderneren Beobachtungsmöglichkeiten vermögen auch Laien faszinierende Einblicke in die Entwicklungsgeschichte von Sternen zu vermitteln. Zu ihrem theoretischen Rüstzeug gehört heutzutage auch Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie, die sich übrigens nicht nur in der Astrophysik und der Kosmologie bewährt hat, sondern sogar über das Navigationssystem GPS ("Global Positioning System"), das auch dem Autofahrer den Weg weist, Eingang in die Alltagstechnologie gefunden hat. Gernot Neugebauer wird in seinem Vortrag auf drei exotisch anmutende "Endstadien" der Sternenentwicklung eingehen, die nur im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie zu erklären sind: auf Pulsare (Sterne extrem großer Materiedichte, die sehr schnell rotieren und pulsartige Strahlung aussenden), Weiße Zwerge (Sterne, die infolge ihrer hohen Temperatur Strahlung mit größerem "Blauanteil" als z. B. unsere Sonne ausstrahlen, wodurch sie "weißer" erscheinen) und Schwarze Löcher (Gebiete im Kosmos, aus denen nicht einmal Lichtteilchen herausgelangen können).

Prof. Dr. Helmut Sies, Düsseldorf, Mitglied der Akademie: "Biochemie des Oxidativen Stress: Oxidantien und Antioxidantien"

Ohne Sauerstoff können wir Menschen nicht überleben. Sauerstoff spielt daher in unserem Stoffwechsel eine ganz entscheidende Rolle. Allerdings führen ganz normale Stoffwechselvorgänge auch dazu, dass Sauerstoff in schädliche (reaktive) Sauerstoffverbindungen (z. B. freie Radikale) überführt wird, die ihrerseits zu verschiedenen Krankheiten beitragen können, vor allem zu Arteriosklerose und Krebs, aber auch zu Alterungsprozessen. So können reaktive Sauerstoffverbindungen das Erbgut schädigen oder die Funktion lebensnotwendiger Einweißmoleküle beeinträchtigen. Nimmt die Bildung schädigender Sauerstoffverbindungen überhand, spricht man von Oxidativem Stress. Helmut Sies ist mit seiner Arbeitsgruppe seit vielen Jahren maßgeblich an der Frage interessiert, wie es im Körper durch sogenannte "Oxidantien" zur Entstehung reaktiver Sauerstoffverbindungen kommt und welche Gegenspieler – "Antioxidantien" genannt – dieser Entstehung entgegenwirken können. Er wird in seinem Vortrag auf einzelne biochemische Schutzmechanismen genauer eingehen, aber auch erläutern, dass wir durch ausgewogene vitaminreiche Ernährung bzw. Einschränkung von Zigaretten, Alkoholkonsum oder UV-Strahlung einen Teil des Schutzes selbst erbringen können.

  • Zu den Referenten:

Gernot Neugebauer hat an der Universität in Jena seine universitäre Laufbahn als Physiker begonnen und sich dort habilitiert. Bereits während seiner Promotion beschäftigte er sich mit Anwendungen der Einstein’schen Gravitationstheorie (Allgemeine Relativitätstheorie) und mit Fragen der Strukturbildung im Rahmen der Thermodynamik und der Solitonenphysik. In die Zeit seiner Tätigkeit als Wissenschaftlicher Oberassistent an der Sektion Physik der Jenaer Universität fiel die Auszeichnung durch die Gravity Research Foundation (USA, zusammen mit Dr. D. Kramer) im Jahr 1980 und die Verleihung des Gustav-Hertz-Preises der Physikalischen Gesellschaft der DDR (1984). Von 1992 – 1996 leitete er die Max-Planck-Arbeitsgruppe "Gravitationstheorie" an der Universität Jena, 1992 erfolgte die Ernennung zum C4-Professor für Theoretische Physik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Er war viele Jahre in der DFG-Gutachterkommission für die Graduiertenkollegs tätig und war Mitglied des Gründungskomitees der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1998 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Physik und Astrophysik/Astronomie).

Helmut Sies studierte an den Universitäten Tübingen, Paris und München Medizin und hat seit 1979 an der Medizinischen Fakultät der Heinrich- Heine-Universität Düsseldorf den Lehrstuhl für Physiologische Chemie I inne. In dieser Zeit war er mehrmals als Visiting Professor an ausländischen Universitäten tätig, an der University of California in Berkeley (1984/85 und 1992), der University of Texas at Austin (1990), der Universitata degli Studi di Siena (1992) und am Heart Research Institute in Sydney (1993). Er erhielt zahlreiche Ehrungen und Preise: FEBS Anniversary Prize der Federation of European Biochemical Societies (1978), Silber Medaille des Karolinska Instituts, Stockholm (1985), Ernst-Jung-Preis für Medizin (1988), Claudius-Galenus-Preis (1990), Ehrendoktorwürde der Universidad de Buenos Aires (1996), Werner-Heisenberg-Medaille der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (1999), NFCR Fellow der National Foundation of Cancer Research, Bethesda, USA (2000). Er ist Mitglied zahlreicher Akademien, seit Beginn des Jahres 2002 ist er Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften. Der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gehört er seit 2000 als Mitglied an (Sektion Biochemie und Biophysik).

  • Zur Akademie Leopoldina:

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle/Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie in Deutschland. Sie trägt durch die Jahresversammlungen, fachspezifische Meetings und Symposien, monatliche Vortragssitzungen und die vielfältigen persönlichen Kontakte der Mitglieder "zum Wohle des Menschen und der Natur" bei. Ihr gehören 1 000 Mitglieder in aller Welt an. Drei Viertel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Viertel aus weiteren ca. 30 Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben.

Die Leopoldina wird von einem ehrenamtlichen Präsidium geleitet. Präsident der Leopoldina ist seit 1990 der Biologe Prof. Dr. Benno Parthier (Halle/Saale). Vizepräsidenten sind derzeit der Psychologe Prof. Dr. Paul B. Baltes (Berlin), der Chemiker Prof. Dr. Gunter S. Fischer (Halle/Saale), der Virologe Prof. Dr. Volker ter Meulen (Würzburg) und der Chemiker Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (München). Letzterer ist zugleich Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn. Die laufenden Geschäfte der Leopoldina führt eine Generalsekretärin, die Neurobiologin Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug. Die Leopoldina erhält ihre finanziellen Zuwendungen für die satzungsgemäßen Aufgaben zu 80 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu 20 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt.

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