Armido Studer forscht auf dem Gebiet der Radikalchemie. Als Radikale werden Moleküle mit mindestens einem ungepaarten Elektron bezeichnet, die deshalb als reaktionsfreudig gelten. So tragen sie unter anderem zum Altern des menschlichen Körpers bei, können aber auch zur Herstellung von Kunststoffen verwendet werden. Studers Forschung zielt darauf ab, sowohl ihre positiven als auch negativen Aspekte besser zu verstehen, um Radikale besser nutzen bzw. abwehren zu können. Er gilt als Pionier für grüne Radikalchemie: So etablierte er zum Beispiel zinnfreie Reaktionen und setzt das persistente TEMPO-Radikal ein, um neue komplexe Moleküle zu erhalten.
Nach Chemiestudium und Promotion an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich in der Schweiz ging Studer als Postdoktorand an die University of Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Er habilitierte sich 2000 an der ETH Zürich und folgte gleich darauf dem Ruf auf eine C3-Professur an die Philipps-Universität Marburg. Im Jahr 2004 wechselte er an die Universität Münster. Hier lehrt Studer seitdem als Professor für Organische Chemie. Neben der Leopoldina gehört er der European Academy of Sciences, der Academia Europaea und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste an. Für seine Forschung wurde Studer bereits vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Arthur C. Cope Late Career Scholars Award der American Chemical Society 2024, dem Paracelsus-Preis der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft 2024 sowie der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker 2025. 2016 und 2024 erhielt er jeweils einen ERC Advanced Grant vom European Research Council.
Mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis erhält Armido Studer nun den wichtigsten Forschungsförderungspreis in Deutschland. Der von der DFG vergebene Preis würdigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Wissenschaftsgebiete. Das Preisgeld in Höhe von je 2,5 Millionen Euro können sie bis zu sieben Jahre lang für ihre künftige Forschung verwenden. Unter den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern finden sich zahlreiche Leopoldina-Mitglieder. 2026 erhalten neben Armido Studer die Akademie-Mitglieder Klaus Blaum, Johannes Krause und Klaus-Robert Müller einen Leibniz-Preis.