Selbstregulationskompetenzen sind elementare Fähigkeiten für jeden Menschen. Sie ermöglichen es, Ziele zu setzen und zu erreichen und das Verhalten wechselnden Bedingungen anzupassen. Sie umfassen kognitive Fertigkeiten wie das Steuern von Handlungen und die Ausrichtung der Aufmerksamkeit ebenso wie emotionale Fertigkeiten, die es ermöglichen, Emotionen zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Zu den Selbstregulationskompetenzen gehören auch soziale Kompetenzen wie der Umgang mit Konflikten und die Fähigkeit zur sozialen Teilhabe.
Das Training der Selbstregulationskompetenzen ist besonders im Kindes- und Jugendalter wichtig. Die Hirnregionen, die Handlungskontrolle ermöglichen, reifen nämlich erst relativ spät aus. Kinder und Jugendliche sind deshalb risikofreudiger und haben mehr Schwierigkeiten als Erwachsene Handlungen auszuwählen, die ihre Entfaltungsmöglichkeiten maximieren.
Dies umfasst Bereiche wie die schulische Leistung, aber auch Resilienz gegenüber psychischen und körperlichen Problemen, die Verarbeitung von Krisen wie Klimawandel und Kriege, das Erleben von Gewalt und Mobbing sowie den Umgang mit dem Internet und sozialen Medien.
Die psychologische und neurowissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass die Förderung von Selbstregulationskompetenzen hier protektiv wirken kann und auch langfristig positive Folgen für Kinder und Jugendliche, aber auch die Gesellschaft hat. Die Nationale Akademie der Wissenschaften empfiehlt daher in ihrer Stellungnahme „Förderung der Selbstregulationskompetenzen von Kindern und Jugendlichen in Kindertageseinrichtungen und Schulen“, Selbstregulationskompetenzen zu einer weiteren Leitperspektive im Bildungssystem zu machen.
Dies betrifft einerseits die Weiterentwicklung von Lern- und Entwicklungsumgebungen in Richtung effektive Klassenführung, kognitive Aktivierung und konstruktive Unterstützung und andererseits spezifische, in den Unterricht integrierbare Förderprogramme, die die Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen individuell unterstützen. Diese müssen dem Entwicklungsstand der jungen Menschen angepasst sein und neben strukturierten kognitiven Interventionen insbesondere auch emotionale und motivationale Aspekte ansprechen.
Wissenschaftliche Befunde zeigen, dass die Förderung von Kenntnissen über psychische Gesundheit, Methoden der Verhaltenstherapie und der kognitiven Verhaltenstherapie, Achtsamkeit und Mitgefühl sowie Körperübungen die Selbstregulationskompetenzen stärken und damit langfristig Lernleistungen, aber auch psychische Gesundheit und soziale Integration verbessern kann.