Wissenschaftsfreiheit ist ein verfassungsrechtlich geschütztes Grundrecht – und zugleich eine zentrale Voraussetzung für Erkenntnisgewinn, Innovation und gesellschaftlichen Fortschritt. Doch freie Forschung braucht mehr als rechtliche Garantien: Sie muss ihre Grenzen reflektieren, gegen politische, institutionelle und gesellschaftliche Einflussnahmen geschützt werden und auf Rahmenbedingungen treffen, die unabhängiges Arbeiten ermöglichen. Diese Themenwebseite beleuchtet die Grundlagen der Wissenschaftsfreiheit, ihre ethischen und rechtlichen Grenzen, aktuelle Bedrohungen sowie die Voraussetzungen für eine starke und freie Wissenschaft.
Grundlagen zur Wissenschaftsfreiheit ▸
„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“ So steht es im Deutschen Grundgesetz in Artikel 5, Absatz 3, Satz 1. Auch in der Grundrechtscharta der Europäischen Union, die seit 2009 rechtskräftig ist, heißt es in Artikel 13: „Kunst und Forschung sind frei. Die akademische Freiheit wird geachtet.“
Die freie Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Fragestellungen ist die Grundlage für einen dynamischen Erkenntnisgewinn und Fortschritt. Um die Grenzen des bisherigen Wissens zu überschreiten, benötigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewisse Freiheiten, in deren Rahmen sie eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können. Daher ist die Freiheit von Forschung und Lehre im Grundgesetz geschützt. Doch auch die Wissenschaftsfreiheit hat Grenzen. Sie ergeben sich aus der Notwendigkeit, weitere Güter mit Verfassungsrang – wie die Menschenwürde, Umwelt oder demokratische Grundordnung – zu schützen. Daher sind diese Grenzen immer wieder Teil von Aushandlungsprozessen zwischen dem Interesse wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns und Schutzinteressen.
Wissenschaftsfreiheit steht weltweit unter Druck. Gefährdet wird sie nicht nur durch offene staatliche Eingriffe, sondern auch durch institutionelle Abhängigkeiten, sonstige politische Einflussversuche, öffentliche Anfeindungen und strukturelle Zwänge im Wissenschaftssystem. Diese Faktoren können Forschung und Lehre unmittelbar oder mittelbar beeinflussen und damit die Bedingungen unabhängiger wissenschaftlicher Arbeit schwächen.
Verlässliche Rahmenbedingungen für die Wissenschaft ▸
Damit die Wissenschaftsfreiheit im Alltag von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wirksam werden kann, braucht sie verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehört eine auskömmliche Grundfinanzierung ebenso wie der freie Austausch von Forschungsergebnissen und internationale Zusammenarbeit, leistungsfähige Forschungs- und Dateninfrastrukturen, wissenschaftsadäquate Verwaltungsstrukturen sowie gute Perspektiven für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen.
Reaktionen der Leopoldina auf Entwicklungen der Wissenschaftsfreiheit ▸
Die Wissenschaftsfreiheit gerät weltweit unter Druck. Dies betrifft auch demokratisch verfasste Staaten, die bisher einen hohen Grad an Wissenschaftsfreiheit verwirklicht haben. Nicht zuletzt stellt sich auch mit Blick auf Deutschland die Frage, ob die Wissenschaftsfreiheit bedroht ist. Die Leopoldina engagiert sich für den Erhalt von Wissenschaftsfreiheit und adressiert dieses Thema in öffentlichen Ansprachen der Präsidentin oder in ihrer Tätigkeit in der Allianz der Wissenschaftsorganisationen.