Die Deutsche Hindukusch-Expedition von 1935

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Das von der Alexander von Humboldt-Stiftung geförderte Projekt „Genetische Ressourcen, ‚Rassische Ursprünge‘ und Feldforschung in den indo-afghanischen Grenzgebieten: Die Deutsche Hindukusch-Expedition (1935)“ untersucht die größte europäische Forschungsreise nach Afghanistan zwischen den Weltkriegen. Die Expedition erforschte – zumeist in Regionen des heutigen Pakistan – „ursprüngliche“ Kulturpflanzen zur Verbesserung deutscher Züchtungen. Sie verband agrarische mit anthropologisch-rassistischen Studien und diente damit politischen wie wirtschaftlichen Zielen. Das Projekt, das von Januar bis Dezember 2026 durchgeführt wird und an der Abteilung Forschungsbibliothek und Wissenschaftsreflexion der Leopoldina angesiedelt ist, will am Beispiel der Hindukusch-Expedition die Verflechtungen von Wissenschaft, Politik und Ökonomie im Nationalsozialismus analysieren.

Zuletzt bearbeitet: 18. März 2026

Die Deutsche Hindukusch-Expedition von 1935 wurde initiiert vom Agronomen Theodor Roemer und dem Botaniker Wilhelm Troll und von der DFG, der Universität Halle, diplomatischen Kreisen und Industrieunternehmen unterstützt. Sie sollte in den abgelegenen Regionen Nuristan und Chitral (heute Afghanistan und Pakistan) „ursprüngliche“ Formen von Kulturpflanzen aufspüren, um deren genetisches Potenzial für die deutsche Pflanzenzucht nutzbar zu machen. Die Expedition stand im Kontext des internationalen Wettbewerbs um genetische Ressourcen, der von Nikolai Vavilovs Theorie der „Ursprungszentren“ (1927) inspiriert war. Ziel war die Sammlung und Kreuzung lokaler Pflanzen mit deutschen Sorten zur Steigerung von Ertrag und Resistenz. Gleichzeitig verband sich die Forschung mit anthropologischen und „rassenkundlichen“ Untersuchungen, bei denen lokale Bevölkerungen nach vermeintlich „arischen Merkmalen“ klassifiziert wurden – ein Ausdruck der ideologischen Durchdringung von Agronomie und Anthropologie im Dritten Reich.

Das Projekt untersucht die Expedition als multidisziplinäres und politisch aufgeladenes Unternehmen, das neben naturwissenschaftlicher Forschung auch geopolitische, diplomatische und wirtschaftliche Interessen verfolgte. In der deutsch-afghanischen Kooperation verbanden sich wissenschaftliche mit politischen Zielen: Während Deutschland in Afghanistan Infrastruktur und technologisches Know-how anbot, nutzte das Regime die Expedition zur Kulturpropaganda und zur Ausweitung seines Einflusses in Zentralasien. Gleichzeitig bleibt die ideologische Bedeutung der Expedition ambivalent: Je nach Adressat wurden unterschiedliche Aspekte betont, etwa wirtschaftliche und wissenschaftliche für die DFG und „rassische“ für populärwissenschaftliche Publikationen.

Theoretisch knüpft das Projekt an das von Mitchell G. Ash entwickelte Konzept der Wechselwirkung von „Wissenschaft und Politik als Ressourcen füreinander“ an. Es fragt weniger nach individuellen politischen Überzeugungen der Teilnehmer als nach den Netzwerken, Allianzen und Konflikten zwischen wissenschaftlichen, politischen und ökonomischen Akteuren. Quellenbasis sind die umfangreichen Archivbestände der Leopoldina, der Bibliotheca Afghanica (Basel), des Moesgaard Museums (Aarhus), des Bundesarchivs, des Auswärtigen Amts und weiteren Institutionen. Neben Korrespondenz, Berichten und Publikationen werden auch Fotografien der Expedition ausgewertet. 

Förderung

  • Alexander von Humboldt-Stiftung

Förderzeitraum

Januar 2026 bis Dezember 2026

Humboldt-Forschungsstipendiat

Dr. Johannes Mattes

Gastgeber

Dr. Danny Weber

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