Ernst Haeckel (1834-1919): Briefedition
Der Zoologe, Darwinist, Wissenschaftspopularisator, Kirchenkritiker, Monist und Philosoph Ernst Haeckel (1834–1919) war einer der bekanntesten und umstrittensten Naturforscher seiner Zeit. Die außerordentlich umfangreiche und thematisch breit gefächerte Korrespondenz Haeckels ist einer der zentralen Quellenkomplexe für die Geschichte der Biowissenschaften von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis ins beginnende 20. Jahrhundert hinein. Das von der Akademienunion geförderte Langzeitprojekt „Ernst Haeckel (1834–1919): Briefedition“, wird von der Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina betreut und ist am Ernst-Haeckel-Haus der Friedrich-Schiller-Universität Jena angesiedelt.
Zuletzt bearbeitet: 18. März 2026
Publikationen, Ressourcen und Veranstaltungen
Ernst Haeckel hat, wie kaum ein anderer außerhalb Englands, die Evolutionstheorie Charles Darwins propagiert und verbreitet. Ferner hat er seit den 1870er Jahren die Form der modernen Wissenschaftspopularisierung wesentlich mitbestimmt. Um 1900 engagierte sich Haeckel in den Debatten um den Sozialdarwinismus sowie die Eugenik in Deutschland und bildet so einen Vorläufer der NS-Rassentheorie. Seine Naturästhetik wiederum wirkte direkt, unmittelbar und umfassend auf die Formensprache des Jugendstils und beeinflusste gleichermaßen das neu entstehende Naturbild der Jahrhundertwende im Bereich der Literatur.
Das Archiv des Haeckel-Hauses beherbergt nahezu den kompletten persönlichen und wissenschaftlichen Nachlass Ernst Haeckels mit Briefwechseln, Manuskripten, Vorlesungsmitschriften und Zeichnungen. Diese Bestände dokumentieren in einzigartiger Weise die wissenschaftliche, kulturelle und weltanschauliche Wirkung Haeckels. Die Korrespondenz umfasst Stellungnahmen zu Haeckels Publikationen, Reflexionen seiner Forschungsarbeiten und Material zu seinen Reisen und dem Netz seiner wissenschaftlichen, kulturellen, publizistischen und politischen Kontakte.
Die Hybridedition verfolgt zwei Ziele. Die insgesamt 25 historisch-kritischen Printbände versammeln und kommentieren ausgesuchte Briefwechsel Haeckels mit Familie und Freunden, seinen Verlegern und wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen sowie seine Korrespondenzen zu künstlerischen und philosophischen Themen. Die digitale Edition zielt auf eine vollständige und nachhaltige Bereitstellung der gesamten Korrespondenz ab. Mit der Edition des Briefwechsels soll neben der biographischen und wissenschaftlichen Einbindung Haeckels vor allem auch seine Bedeutung für die fachliche, soziale und kulturelle Konsolidierung der Naturwissenschaften im europäischen Raum und darüber hinaus greifbar werden.
Das Editionsprojekt wurde von Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach ML † und Dr. Thomas Bach bei der Akademienunion beantragt und wird am Ernst-Haeckel-Haus, Institut für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaften und Technik der Universität Jena durchgeführt.
Förderung
Förderzeitraum
2013-2037
Projektleitung
- Dr. Thomas Bach
Projektteam
- Dr. Jörn Bohr
- Peter Bornschlegell
- Undine Fölsche
- Roman Göbel
- Daniela Prutscher
- Dr. Dirk Sangmeister
- Dr. Claudia Taszus
Wissenschaftlicher Beirat
- Prof. Dr. Bernhard Kleeberg, Erfurt
- Prof. Dr. Nick Hopwood, Cambridge
- Prof. Dr. Kärin Nickelsen ML, München
- Prof. Dr. Christina Wessely, Lüneburg
- Ex officio: Prof. Dr. Christina Brandt ML, Franziska Hornig, Prof. Dr. Karl-Heinz Leven ML, Dr. Danny Weber