Andrea A. Kühn

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  • Fachbereich Neurowissenschaften
  • Ort Berlin, Deutschland
  • Wahljahr 2025

Forschung

Forschungsschwerpunkte: neurologischeBewegungsstörungen, tiefe Hirnstimulation, neuronale Netzwerke, Oszillationen, Basalganglien

Andrea Kühn ist eine deutsche Neurologin, deren Forschung das pathophysiologische Verständnis von Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson und Dystonie wesentlich vertieft hat. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Funktionsstörungen der Basalganglien zu Symptomen wie Tremor, Rigor oder unwillkürlichen Muskelkontraktionen führen.Ihre Erkenntnisse setzt sie für die Optimierung der tiefen Hirnstimulation bei der Behandlung von Parkinsonpatientinnen und -patienten und anderen Bewegungsstörungen ein. Schwerpunkt ist die Entwicklung der adaptiven Neuromodulation, wobei neuronale Muster als Biomarker zur bedarfsgerechten Anpassung der Stimulation genutzt werden.

Zu den neurologischen Bewegungsstörungen zählen Parkinsonsyndrome, Tremor, Dystonien, Ticstörungen, Chorea Huntington sowie verschiedene seltene genetische Erkrankungen. Die medikamentöse Behandlung schwerer Bewegungsstörungen ist oft begrenzt. Eine hervorragende Therapieoption ist die Tiefe Hirnstimulation, bei der durch dauerhafte Applikation von hochfrequenten elektrischen Reizen über in die Basalganglien implantierten Elektroden eine Verbesserung der Krankheitssymptome erreicht wird. Die THS gilt heute als zentrale Therapie schwerer Bewegungsstörungen, obwohl das genaue Wirkprinzip der tiefen Hirnstimulation noch nicht vollständig verstanden ist. Hier setzt Kühn mit ihrem Team an und nutzt den direkten Zugang zu tiefen Hirnstrukturen über die implantierten Elektroden, um krankhafte neuronale Aktivität aufzuzeichnen und zu erforschen. Andrea Kühns Arbeiten haben maßgeblich gezeigt, dass rhythmische Aktivität in den Basalganglien, insbesondere Betarhythmen (13–30 Hz), eine zentrale Rolle für die motorische Kontrolle spielt. Im gesunden Gehirn stabilisieren sie Bewegungsabläufe; bei Parkinsonpatienten treten sie jedoch übermäßig auf und erschweren die Initiierung von Bewegungen. Durch invasive Hirnableitungen belegte die Neurologin die enge Kopplung zwischen der Ausprägung pathologischer Betaaktivität und dem Schweregrad motorischer Defizite bei Parkinsonpatientinnen und -patienten. 

Auf dieser Basis untersucht sie die Prinzipien der Neuromodulation, der gezielten Beeinflussung neuronaler Netzwerke durch elektrische Stimulation. Andrea Kühns Team untersucht detailliert, wie Hochfrequenzstimulation krankheitsrelevante Rhythmik verändert und welche Auswirkungen dies auf motorische wie auch kognitive Funktionen hat. Studien zur Emotionsverarbeitung und Kognition zeigen darüber hinaus, dass THS nicht nur Bewegungsabläufe, sondern auch emotionale Reizverarbeitung und exekutive Kontrollmechanismen beeinflussen kann, jene kognitiven Prozesse, mit denen das Gehirn Handlungen plant, steuert und flexibel anpasst.

Besonders innovativ sind Andrea Kühns Arbeiten zur adaptiven Stimulation. Dabei wird die Intensität der THS in Echtzeit an Biomarkern wie Betarhythmen gekoppelt. Dieses rückgekoppelte Verfahren gilt als wichtiger Schritt hin zu individuell präziseren und schonenderen Therapieformen. Es bildet auch das zentrale Konzept des von ihr geleiteten Sonderforschungsbereichs TRR 295 ReTune, der netzwerkselektive und zugleich minimalinvasive Neuromodulationsverfahren entwickelt.

Methodisch nutzt die Neurologin ein breites Spektrum moderner Techniken. Die Kombination invasiver Tiefenableitungen mit Magnetoenzephalographie (MEG) oder Elektroenzephalographie (EEG) ermöglicht eine zeitlich hochauflösende Analyse der Kommunikation zwischen Kortex und Basalganglien. Mithilfe modernster Bildgebungsmethoden untersucht das Team, welche Netzwerke bei spezifischen Bewegungsauffälligkeiten gestört sind und welche Zielregionen sich für die THS besonders eignen. Diese datenbasierten Verfahren rekonstruieren die genaue Lage der einzelnen Kontakte implantierter Elektroden und ordnet ihnen die mittels Stimulation erreichten Netzwerkeffekte zu. Durch Anwendung innovativer Analyseverfahren soll die Vorhersage von Therapieeffekten optimiert werden, um eine automatisierte Therapieanpassung im klinischen Alltag zu erreichen. Ergänzend liefert sensorbasierte Bewegungsanalyse präzise, hochauflösende Daten zu motorischer Leistungsfähigkeit, mit denen selbst subtile Therapieeffekte und Nebenwirkungen erfasst werden können.

Andrea Kühns Arbeiten genießen breite internationale Beachtung, spiegeln sich in zahlreichen hochrangigen Publikationen und prägen klinische wie wissenschaftliche Leitlinien. Durch die konsequente Kopplung von Neurophysiologie, Netzwerkneurowissenschaft und klinischer Neurologie eröffnet sie neue Wege für eine präzisere, individuell angepasste Neuromodulation und setzt damit Maßstäbe für zukünftige Therapieformen komplexer Bewegungsstörungen.

  • seit 2016 Professorin und Direktorin, Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • 2012-2016 Professorin, Klinik für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Leiterin der Arbeitsgruppe „Bewegungsstörungen“, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • seit 2015 Mitglied, Direktorium, Cluster of Excellence NeuroCure
  • seit 2010 Oberärztin, Klinik für Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • 2007-2012 Juniorprofessorin für Bewegungsstörungen, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • 2006 Fachärztin für Neurologie
  • 2002-2007 Postdoktorandin, Sobell Department of Motor Neuroscience and Movement Disorders, University College London (UCL), London, UK
  • 1998-2002 Assistenzärztin, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • 1998 Promotion zum Dr. med., Charité – Universitätsmedizin Berlin

  • seit 2026 Sprecherin, Exzellenzcluster (EXC) 2049 „NeuroCure – Neue Wege in der Erforschung und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • seit 2025 Mitglied, Advisory Board, Brain Network Dynamics Unit (MRC BNDU), Oxford, UK
  • seit 2022 Mitglied, Editorial Board, Deep Brain Stimulation
  • 2022 Gastherausgeberin, Special Issue „Neuromodulation“, Experimental Neurology
  • seit 2020 Sprecherin, Transregio (TRR) „Behandlung motorischer Netzwerkstörungen mittels Neuromodulation“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2019-2023 Mitglied, Programmkomitee, International Congress of Parkinson’s Disease and Movement Disorders, International Parkinson and Movement Disorder Society (MDS)
  • seit 2018 Mitglied (wiederholt), Programmkomitee, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie (DGKN) sowie Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG)
  • 2016-2017 Section Editor, Clinical Neurophysiology
  • 2015-2016 Associate Editor, Movement Disorders
  • 2010-2017 Leiterin, Klinische Forschungsgruppe (KFO) 247 „Tiefe Hirnstimulation“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

  • 2026 Mitorganisatorin, 3rd Expert Summit on the Future of Deep Brain Stimulation (DBS)
  • 2022 Mitorganisatorin, 2nd Expert Summit on the Future of Deep Brain Stimulation (DBS)
  • seit 2021 Ko-Sprecherin, Konsortium „ADAPT-PD“ (ADAptive and Precise Brain-Circuit Targeting in Parkinson’s Disease), Lundbeck Foundation, Hamburg
  • 2021-2024 Principal Investigator, Grant „EurDyscover“, Horizon 2020, Europäische Kommission (EC)
  • seit 2017 Principal Investigator, Bernstein Center for Computational Neuroscience (BCCN), Berlin
  • 2016 Mitorganisatorin, 1st Expert Summit on the Future of Deep Brain Stimulation (DBS)
  • 2016-2019 Principal Investigator, Projekt „Dystract“, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
  • seit 2014 Principal Investigator, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Berlin
  • seit 2011 Faculty Member, Berlin School of Mind and Brain, Berlin
  • 2010-2017 Leiterin, Klinische Forschungsgruppe (KFO) 247 „Tiefe Hirnstimulation: Wirkmechanismus, Kortex-Basalganglien-Physiologie und Therapieoptimierung“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2008 Organisatorin, International Mini Basal Ganglia Symposium, Charité – Universitätsmedizin Berlin

  • 2025 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2017 Dingebauer-Preis, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
  • 2015 Richard-Jung-Preis, Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie (DGKN)
  • 2004-2006 Rahel-Hirsch-Habilitationsstipendium, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • 2002-2004 Postdoktorandenstipendium, Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
  • 1993-1998 Stipendium, Studienstiftung des deutschen Volkes, Bonn

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