Prof. Dr. Anna Köttgen
- Fachbereich Physiologie und Pharmakologie/Toxikologie
- Ort Freiburg (Br.), Deutschland
- Wahljahr 2021
Forschung
Forschungsschwerpunkte: Genetische Epidemiologie, komplexe Merkmale und Erkrankungen, genetische Nierenerkrankungen, Genetik metabolischer Erkrankungen, Populationsstudien und prospektive Studien
Anna Köttgen ist Medizinerin und Epidemiologin. Sie arbeitet an der Erforschung komplex genetischer Merkmale und Erkrankungen, mit einem Fokus auf Erkrankungen der Niere und des Stoffwechsels. Durch die Verknüpfung genetischer, molekularer und klinischer Daten von Teilnehmenden großer Patienten- und Bevölkerungsstudien hat Anna Köttgen sowohl wichtige wissenschaftliche Beiträge zum Verständnis der physiologischen Nierenfunktion geleistet als auch eine Vielzahl bisher unbekannter Risikogene für Nierenerkrankungen und metabolische Erkrankungen wie Gicht identifiziert.
Durch die Integration von Genom- und anderen Daten aus Bevölkerungsstudien stellt Anna Köttgen Hypothesen zu den zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen auf, die dann gezielt weiterverfolgt werden. So gelang ihr beispielsweise die Entdeckung eines bis dahin unbekannten Transportproteins für Harnsäure, dessen genetische Varianten für einen wesentlichen Anteil von Gichterkrankungen bei Personen mitteleuropäischer Herkunft verantwortlich sind und welches nun ein Zielmolekül für neue Therapien zur Senkung von Harnsäurespiegeln darstellt.
Weitere Beispiele ihrer Arbeit sind die Identifikation von Genvarianten, die einem Teil der Bevölkerung die Verstoffwechselung bestimmter Medikamente erschweren, die Entdeckung bisher wenig untersuchter Stoffwechselwege für die Entgiftung und renale Ausscheidung von Stoffwechselprodukten sowie die Generierung wesentlicher neuer Einsichten in die genetische Architektur von chronischer Nierenerkrankung und Gicht.
Um das Verständnis der physiologischen Funktion der Niere und ihrer Rolle im menschlichen Stoffwechsel voranzutreiben, entwickelt Anna Köttgen neuartige Ansätze zur Integration molekularer Daten des Genoms, Epigenoms, Transkriptoms und Metaboloms.
Anna Köttgen leitet mehrere große Forschungsverbände, darunter das CKD Genetics (CKDGen) Consortium, an dem über hundert internationale Gruppen beteiligt sind sowie den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereich „NephroGenetics“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten stellen eine Grundlage für vielfältige weiterführende experimentelle Studien dar.
Werdegang
- seit 2017 Direktorin, Institut für Epidemiologie und Prävention (bis 2025: Institut für Genetische Epidemiologie), Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- 2016-2020 Heisenberg-Professorin für Genetische Epidemiologie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- 2011 Habilitation für Experimentelle Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- 2010-2015 Gruppenleiterin im Emmy Noether Programm der DFG, Klinik für Innere Medizin IV (Nephrologie), Universitätsklinik Freiburg, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
seit 2009 Adjunct Professor, Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, Baltimore, USA - 2008-2009 Assistant Scientist, Department of Epidemiology, Johns Hopkins University (JHU), Baltimore, USA
- 2007-2008 Postdoktoranden-Stipendium der DFG, Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, Baltimore, USA
- 2005-2006 Master of Public Health, JHU, Baltimore, USA
- 2001, 2003 United States Medical Licensing Examinations, USA
- 2002 Promotion, Physiologisches Institut, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- 2001 Approbation als Ärztin
- 1994-2001 Studium der Humanmedizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Funktionen
- seit 2024 Internes Mitglied, Universitätsrat, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- seit 2024 Principal Investigator, Standort Freiburg, NAKO (Nationale Kohortenstudie) Gesundheitsstudie
- seit 2021 Sprecherin, Sonderforschungsbereich (SFB) 1453 „Nephrogenetik (NephGen)“, DFG
- 2021 Vorsitz, Controversies Conference „Genetics in CKD“, KDIGO Kidney Disease: Improving Global Outcomes, Belgien
- seit 2020 Mitglied, Arbeitsgemeinschaft Wissenschaft, Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
- 2019-2024 Sprecherin, Medical Science Programme, Medizinische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- seit 2019 Sprecherin, Expertengruppe „Nierenerkrankungen und -physiologie“, NAKO Gesundheitsstudie
- 2018-2022 Mitglied, Ethikkommission, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- 2016-2018 Mitglied, Steering Committee, Chronic Kidney Disease Prognosis Consortium (CKD-PC), U.S. National Kidney Foundation, USA
- seit 2015 Co-Direktorin, CKDGen Consortium
- seit 2015 Sprecherin, Renal Working Group, Cohorts for Heart and Aging Research in Genomic Epidemiology Consortium (CHARGE), CHARGE Consortium
- seit 2010 Co-Leiterin, GCKD-Regionalzentrum Freiburg, German Chronic Kidney Disease Studie (GCKD) – Nationale Kohortenstudie (NAKO) zu chronischer Nierenerkrankung
- Mitglied, Wissenschaftlicher Beirat, Studie „Berlin Longterm Observation of Vascular Events“ (BeLOVE-Studie), Berlin Institute of Health
- Mitglied, Scientific Committee, Study „CKD-REIN“, Frankreich
- Mitglied, Editorial Board: American Journal of Kidney Diseases, Kidney International, Nature Reviews Nephrology
Projekte
- seit 2023 Co-Leiterin, Teilprojekt „Wechselseitiger Wissenstransfer von populationsbasierten genetischen Screens zu Ganzkörper- und organaufgelöste Modelle des menschlichen Stoffwechsels“, Sonderforschungsbereich 1597, DFG
- seit 2021 Leiterin, Teilprojekt „Entdeckung und Charakterisierung von Genen mit zelltyp- und kompartmentspezifischen Funktionen in der Niere und ihre Rolle bei Krankheiten“, SFB 1453, DFG
- seit 2021 Co-Leiterin, Teilprojekt „Planung, Analyse, Integration und Modellierung von hochdimensionalen Daten“, SFB 1453, DFG
- seit 2021 Co-Leiterin, Teilprojekt „S1: Datenanalyse, -integration und -modellierung“, SFB 1479, DFG
- 2019-2022 Leiterin, Marie Curie ITN TrainCKDis „Genetic Underpinnings and Causality of Novel Biomarkers of CKD in Humans“, Marie Curie Innovative Training Network, Europäische Union (EU)
- seit 2019 Co-Leiterin, Teilprojekt „Epidemiologische, genetische and translationale Analysen radiomicsbasierter Nierenmerkmale in zwei großen populationsbasierten Studien“, Schwerpunktprogramm (SPP) 2177, DFG
- seit 2017 Beteiligte Wissenschaftlerin, Graduiertenkolleg (GRK) 2344 „MeInBio – BioInMe: Untersuchung räumlicher und zeitlicher Dynamik der Genregulation mit hochauflösenden Hochdurchsatzverfahren“, DFG
- 2016-2024 Leiterin, Teilprojekt „Epigenomweite Assoziationsstudien zur Nierenfunktion und chronischen Nierenerkrankung“, SFB 992, DFG
- 2015-2019 Leiterin, Teilprojekt „Genetische Risikovarianten für chronische Nierenerkrankungen in einer prospektiven Studie von 5.217 Patienten“, SFB 1140, DFG
- 2014-2022 Forschungsstipendium „Renal Metabolite Handling: from Gene to Function to Disease“, DFG
Auszeichungen und Mitgliedschaften
- seit 2021 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
- 2021 Plenarvortrag, Jahrestagung, European Renal Association – European Dialysis and Transplant Association (ERA-EDTA)
- 2020 Landesforschungspreis Baden-Württemberg für Grundlagenforschung
- 2017 Golden Tiger Award, CHARGE Consortium
- 2017 Franz-Volhard-Preis, Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
- 2011 Nils-Alwall-Preis, Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
- 2010 Cozzarelli Prize, National Academy of Sciences, USA
- 2009 Jeremiah and Rose Stampler Research Award for New Investigators, American Heart Association, USA
- 1998-2001 Stipendiatin, Studienstiftung des deutschen Volkes