Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert

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  • Fachbereich Wissenschaftsphilosophie
  • Ort Münster, Deutschland
  • Wahljahr 2009

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Ethische Probleme in der modernen Medizin, Theorie- und Begründungsfragen in der Ethik, Anthropologie, Neurobiologie und Ethik

Bettina Schöne-Seifert ist eine deutsche Medizinerin und Philosophin, die in ihrer Forschung beide Fachgebiete miteinander verbindet: Sie beschäftigt sich mit einer breiten Palette von medizinethischen Themen – von der Sterbehilfe bis zur Reproduktionsmedizin und von der Stammzellforschung bis hin zur Frage, wie ein gerechteres Gesundheitssystem aussehen kann. Oft äußert sie sich zu komplexen und kontrovers diskutierten Sachverhalten und bereichert damit zahlreiche gesellschaftliche und politische Debatten.

Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit hat Bettina Schöne-Seifert auf die ethischen Probleme der modernen Medizin gelegt. Angesichts der rasanten Fortschritte in diesem Bereich stellt sich immer wieder die Frage, ob das Machbare auch vertretbar ist. Es gilt zu entscheiden, welche Beschränkungen oder Verbote notwendig und sinnvoll sind – und welche drohen, den wissenschaftlichen Fortschritt auszubremsen und Patientinnen und Patienten damit um neue Chancen zu bringen. Solche Abwägungen hat die Forscherin in verschiedenen Bereichen vorgenommen.

Viele Diskussionen gibt es zum Beispiel über den Umgang mit Embryonen. So war oder ist es in etlichen Ländern verboten, als Leihmutter ein Kind auszutragen. Das Gleiche gilt auch für die Eizellspende, bei der ein Paar die Eizellen einer fremden Frau mit dem Sperma des Mannes befruchten lässt. Für solche Verbote gibt es nach Auffassung der Medizinethikerin keine Argumente – sofern die Betroffenen über mögliche Risiken aufgeklärt werden und gewährleistet ist, dass sich Frauen nicht aus Geldmangel oder unter anderen Zwängen als Leihmutter zur Verfügung stellen.

Auch Forschung an Embryonen ist ein Thema, das regelmäßig für Kontroversen sorgt. Für Bettina Schöne-Seifert ist dabei entscheidend, ob der Embryo schon so weit entwickelt ist, dass er etwas empfinden kann. Experimente, die vorher stattfinden, bewertet sie anders als solche zu einem späteren Zeitpunkt. Zudem können inzwischen Embryonen-Modelle ohne Befruchtung einer Eizelle aus anderen Zellen gewonnen werden. Diese ähneln in mancher Hinsicht echten Embryonen, können sich aber nicht weiterentwickeln. Damit entfällt aus Sicht der von Bettina Schöne-Seifert das Argument, in jedem Embryo stecke potentiell ein Mensch, und diesem dürfe nicht die Möglichkeit verwehrt werden, realiter einer zu werden. Ein pauschales Verbot der Embryonen-Forschung ist aus ihrer Sicht mit hohen moralischen Kosten verbunden, da dadurch Chancen auf Diagnose und Therapie bei erkrankten Menschen begrenzt werden.

Sowohl der Start ins Leben als auch dessen Ende sind mit ethischen Fragestellungen verbunden, wie emotional geführte Diskussionen um die Sterbehilfe zeigen: Schwerstkranke Patientinnen und Patienten haben mitunter den Wunsch, zu Hause und unter ärztlicher Betreuung ein tödliches Medikament zu bekommen. Bettina Schöne-Seifert ist im Prinzip dafür, ihnen das zu gestatten. Allerdings brauche es hierfür ausgewogene Regelungen und Absicherungen, damit betroffene Menschen einen solchen Schritt informiert und wohlüberlegt sowie ohne sozialen Druck gehen.

Wichtig ist für Bettina Schöne-Seifert, all diese Diskussionen mit analytischen Argumenten und auf der Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zu führen. Deshalb hat sie sich auch kritisch mit dem Bereich der Alternativmedizin und des Heilpraktikerwesens auseinandergesetzt. So hat sie 2016 den „Münsteraner Kreis“ mitbegründet, der für eine wissenschaftsbasierte Medizin plädiert und etliche alternative Ansätze in die Esoterik verweist. 

  • seit 2023 Seniorprofessorin für Medizinethik, Universität Münster
  • 2003-2023 Professorin für Medizinethik, Medizinische Fakultät, Universität Münster
  • 2003 Kooptation, Philosophisches Seminar, Universität Münster
  • 2001-2003 Gastprofessorin, Zentrale Einrichtung für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsethik, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
  • 2000 Habilitation, Philosophische Fakultät, Georg-August-Universität Göttingen
  • 1997-2000 Mitarbeiterin, Forschungsstelle Ethik, Universität Zürich, Zürich, Schweiz
  • 1990-1996 Wissenschaftliche Assistentin, Philosophisches Seminar, Georg-August-Universität Göttingen
  • 1987-1990 Studium der Philosophie und Medizinethik, Georg-August-Universität Göttingen
  • 1984-1986 Assistenzärztin, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität Göttingen
  • 1982 Medizinische Approbation und Promotion, Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin (MPI EM) (heute: Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften, MPI-NAT), Göttingen
  • 1975-1984 Studium der Humanmedizin und der Philosophie/Bioethik, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Georg-August-Universität Göttingen, Universität Wien, Wien, Österreich, University of California (UC), Los Angeles, USA sowie Georgetown University, Washington D.C., USA

  • seit 2024 Mitglied, Wissenschaftliche Kommission „Gesundheitssystem im Wandel“, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • seit 2024 Mitglied, Arbeitsgruppe „RNA-basierte Therapien: Ansätze und Potenziale in der Medizin“, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • seit 2022 Mitglied, International Bioethics Committee (IBC), UNESCO
  • seit 2022 Mitglied, Zukunftsrat des Bundeskanzlers, Bundesrepublik Deutschland
  • 2020-2024 Mitglied, Wissenschaftliche Kommission „Wissenschaft im Gesundheitssystem“, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2016-2023 Initiatorin sowie Mitglied, Münsteraner Kreis, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin (IEGTM), Universität Münster
  • 2015-2016 Mitglied, Präsidentenkommission zu Tierversuchen in der Grundlagenforschung, Max-Planck-Gesellschaft (MPG), München
  • seit 2013 Außerordentliches Mitglied, Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Bundesärztekammer, Berlin
  • 2010-2011 Mitglied, Arbeitsgruppe „Präimplantationsdiagnostik“, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2009-2019 Stellvertretende Sprecherin, Forschungsgruppe (FOR) 1209 „Theoretische Grundfragen der Normenbegründung in Medizinethik und Biopolitik“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2008-2016 Mitglied, Stiftungsrat, Hanse-Wissenschaftskolleg – Institute for Advanced Study (HWK), Delmenhorst
  • seit 2006 Schriftleitung, Ethik in der Medizin
  • seit 2006 Mitglied, Zentrum für Wissenschaftstheorie (ZfW), Universität Münster
  • seit 2003 Mitglied, Vorstand, Centrum für Bioethik, Universität Münster
  • seit 2003 Mitglied, Wissenschaftlicher Beirat, Ethik in der Medizin
  • 2001-2010 Mitglied, Nationaler Ethikrat (seit 2008: Deutscher Ethikrat)
  • 2001-2006 Mitglied, Ständige Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 1997-1998 Mitglied, Arbeitsgruppe „Medizin und Ethik“, Eidgenössische Kommission zur Studienreform, Universität Zürich, Zürich, Schweiz
  • 1995-2003 Mitglied, Ständige Kommission „Organtransplantation“, Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN)
  • 1995-1998 Mitglied, Ethikbeirat, Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
  • 1986 Gründungsmitglied, Akademie für Ethik in der Medizin (AEM), Göttingen
  • Mitglied, Wissenschaftliche Kommission „Wissenschaftsethik“, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • Mitglied, Ständiges Komitee „Genome Editing“, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • Mitglied, Beirat, Zeitschrift für Ethik und Moralphilosophie
  • bis 2018 Beirat bzw. Mitglied, Vorstand, Klinisches Ethik-Komitee (KEK), Universitätsklinikum Münster (UKM), Universität Münster

  • seit 2021 Mitverantwortliche Wissenschaftlerin, Projekt „Ethische und medizintheoretische Herausforderungen für die individuelle Patientendienlichkeit der digitalen Medizin“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2016-2020 Antragstellerin, Projekt „Medizinische Notwendigkeit in den Kontexten von Patientenversorgung, Gesundheitspolitik und medizinischer Leistungsbegrenzung. Eine medizintheoretische, medizinethische und sozialrechtliche Analyse“, DFG
  • 2009-2019 Beteiligte Wissenschaftlerin, Teilprojekt „Theoretische Grundfragen der Normenbegründung in Medizinethik und Biopolitik“, Forschungsgruppe (FOR) 1209, DFG
  • 2009-2013 Leiterin, Arbeitsgruppe „Angriffe auf das Menschenbild? Reduktionismusvorwürfe gegenüber den Biowissenschaften“, Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Biomedizin, Münster
  • 2008 Co-Leiterin, Projekt „Literarische Texte für die Medizinethik – Ein Beitrag für den neuen Querschnittsbereich ‚Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin‘ (GTE)“, Andrea von Braun Stiftung, München
  • 2007-2015 Antragstellerin, Teilprojekt „Effizienz als normativ kritisiertes Priorisierungskriterium: eine systematisch-konstruktive Analyse der aktuellen Kontroversen“, Forschungsgruppe (FOR) 655, DFG
  • 2007-2008 Leiterin, Projekt „Neuro-Enhancement und Ethik“, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
  • 2006-2010 Beteiligte Wissenschaftlerin, Projekt „Implikationen aktueller Ergebnisse der Neurowissenschaften für das (rechts)ethische Verständnis individueller Verantwortlichkeit“, DFG
  • 2006-2008 Leiterin, Projekt „Nutzen und Schaden aus klinischer Forschung am Menschen“, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

  • 2024 Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur, Stiftung „Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur“, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • seit 2021 Mitglied, Academia Europaea
  • 2020 Bielefelder Wissenschaftspreis, Stiftung der Sparkasse Bielefeld
  • 2011 Arthur-Burkhardt-Preis, Arthur Burkhardt-Stiftung für Wissenschaftsförderung, Bayreuth
  • 2010 Fellow, Hastings Center for Bioethics, Garrison, USA
  • seit 2009 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2008-2013 Max-Planck-Fellow, Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (MPG), München
  • seit 2008 Ordentliches Mitglied, Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
  • seit 2006 Mitglied, Deutsche Akademie für Transplantationsmedizin
  • 1987-1990 Weiterbildungsstipendium „Medizinethik“, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
  • 1984-1985 Fellow, Wissenschaftskolleg zu Berlin
  • 1983-1984 Stipendium, Dr. Mildred Scheel Stiftung für Krebsforschung, Bonn

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