Prof. Dr. Christian Beste

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  • Fachbereich Psychologie und Kognitionswissenschaften
  • Ort Dresden, Deutschland
  • Wahljahr 2025

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Handlungskontrolle und Selbststeuerung, Gehirndynamik und funktionelle Netzwerke, Kognitive Kontrolle und Binding-Prozesse, Früherkennung psychischer und neurologischer Erkrankungen, Neurotechnologische und KI-basierte Anwendungen
 

Christian Beste ist ein deutscher Psychologe und Hochschullehrer für kognitive Neurophysiologie. Er untersucht, wie das Gehirn Wahrnehmungen, Ziele und Handlungen koordiniert und wie dieses Zusammenspiel bei neurologischen und psychischen Erkrankungen aus der Balance geraten kann. Diesen Fragen nähert sich der Wissenschaftler von unterschiedlichen Seiten und mit unterschiedlichen Methoden.

Ein zentrales Konzept von Christian Bestes Forschung sind sogenannte Binding-Prozesse. Dies sind neuronale Mechanismen, die unterschiedliche Informationsquellen, etwa Wahrnehmung, Handlung, Intention und Rückmeldung, miteinander verknüpfen. Erst durch diese Integration wird Verhalten als kohärent und situationsangemessen erlebt.

Eng damit verknüpft ist das Forschungsfeld der kognitiven Kontrolle, das ebenfalls im Zentrum von Christian Bestes Arbeiten steht. Kognitive Kontrolle bezeichnet die Fähigkeit, Denken und Handeln an internen Zielen auszurichten, anstatt automatisch auf äußere Reize zu reagieren. Sie ist grundlegend für Impulskontrolle, Entscheidungsfindung und die flexible Anpassung an neue Anforderungen und gewinnt insbesondere dann an Bedeutung, wenn gewohnte Routinen nicht mehr ausreichen.

Bereits früh nutzte Christian Beste neurophysiologische Methoden, um die funktionelle Architektur kognitiver Kontrolle zu untersuchen. Er konnte zeigen, dass der rechte inferiore frontale Cortex eine Schlüsselrolle bei der Organisation komplexer Handlungsstrategien einnimmt. Mithilfe transkranieller Stimulation konnte er nachweisen, dass diese Hirnregion nicht nur an der Hemmung von Impulsen beteiligt ist, sondern aktiv zur hierarchischen Strukturierung mehrschrittiger Handlungen beiträgt. Diese Befunde erweiterten das Verständnis der funktionellen Organisation des Frontallappens erheblich.

Neben Untersuchungen zur allgemeinen neuronalen Organisation kognitiver Kontrolle erforscht Christian Beste auch neurobiologische Besonderheiten, die mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und dem Tourette-Syndrom assoziiert sind. Seine Arbeiten zeigen, dass sich bei diesen neuropsychiatrischen Konstellationen die Balance zwischen erregenden und hemmenden Prozessen im Gehirn systematisch unterscheidet. Insbesondere Veränderungen der funktionellen Konnektivität zwischen präfrontalem Cortex und Basalganglien sind mit spezifischen Ausprägungen der kognitiven Kontrolle assoziiert. Unterschiede im Verhalten werden dabei nicht als Defizite im normativen Sinn verstanden, sondern als Ausdruck einer veränderten neurobiologischen Organisation.

Methodisch verbindet der Neurowissenschaftler experimentell-psychologische Theorien mit hochaufgelöster Neurophysiologie, insbesondere der Elektroenzephalografie. Diese erlaubt es, neuronale Aktivität mit hoher zeitlicher Präzision zu erfassen und kognitive Prozesse in ihrem dynamischen Verlauf zu analysieren. Ergänzt wird dieser Ansatz durch einen innovativen Ansatz, die Biosignalanalyse. Ziel ist es, mechanistische Modelle neuronaler Dynamik in klinische und neurotechnologische Anwendungen zu überführen. Auf dieser Grundlage entwickelt sein Team kognitiv-neurophysiologische Marker, die krankheitsrelevante Zustände, individuelle Vulnerabilitäten und Zustandsübergänge des Gehirns abbilden und die Basis für individualisierte Interventionen bilden.

Zunehmend richtet Christian Beste seine Forschung auf translationale und technologische Anwendungen aus. Dabei zeigt er auf, wie neuronale Repräsentationen von Intentionen als dynamische, zeitlich hochpräzise codierte Aktivitätsmuster mittels künstlicher Intelligenz eine Brücke zwischen kognitiver Neurowissenschaft und Brain-Computer-Interfaces schlagen können.

  • seit 2021 Direktor, University Neuropsychology Centre (UNC), Technische Universität (TU) Dresden
  • seit 2020 Gastwissenschaftler, Department of Psychology, Shandong Normal University, Jinan City, China
  • seit 2014 Außerplanmäßiger Professor, Institut für Psychologie, TU Dresden
  • seit 2013 Universitätsprofessor für Kognitive Neurophysiologie, TU Dresden
  • 2012-2013 Leiter, Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe „Neuronale Mechanismen der Handlungskontrolle“, Ruhr-Universität Bochum (RUB), Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2012 Habilitation in Cognitive Neuroscience, RUB
  • 2011-2012 Postdoktorand in Biopsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, RUB
  • 2010-2011 Postdoktorand, MRC Cognition and Brain Sciences Unit, Cambridge, UK
  • 2009-2010 Postdoktorand in Biopsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, RUB
  • 2008-2009 Postdoktorand, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, Dortmund
  • 2007-2008 Postdoktorand, Institut für Klinische Radiologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • 2006-2007 Doktorand, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung und Neurologische Universitätsklinik, RUB
  • 2001-2006 Studium der Psychologie, RUB

  • seit 2025 Mitglied, Forschungsstrategiekommission, Medizinische Fakultät, Technische Universität (TU) Dresden
  • seit 2024 Mitglied, Steering Committee, Initiative „PLOS Mental Health: The Bigger Picture“, Public Library of Science (PLOS) Mental Health
  • seit 2024 Koordinator, Standort Leipzig-Dresden, DZKJ-Young Akademie, Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ)
  • seit 2021 Gewähltes Mitglied, Fakultätsrat, Medizinische Fakultät, TU Dresden
  • seit 2020 Mitglied, Steering Committee, Standort Leipzig-Dresden, DZKJ-Akademie, DZKJ
  • seit 2019 Mitglied, Steering Committee, Transregio (TRR) 265 „Verlust und Wiedererlangung der Kontrolle über den Drogenkonsum: Von Trajektorien über Mechanismen bis hin zu Interventionen“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • seit 2013 Ständiges Mitglied, Promotionsausschuss (MD), Medizinische Fakultät, TU Dresden

  • seit 2024 Antragsteller, Projekt „Modulierung von Wahrnehmungs-/Aufmerksamkeitskonflikten durch die Kombination von tDCS und atVNS – eine psychophysiologische Studie“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • seit 2023 Antragsteller, Projekt „Die kausal-funktionelle Rolle von ‚Action Effect Bindings‘: eine Untersuchung mittels Elektrophysiologie und Hirnstimulation“, DFG
  • seit 2022 Co-Antragsteller, Projekt „Neuromodulation von Event-File-Verarbeitung bei GTS-Patienten mittels transkutaner Vagusnervstimulation (tVNS) – ein nicht-invasiver Hirnstimulationsansatz“, DFG
  • seit 2022 Co-Antragsteller, Projekt „Modulation der Kodierung von Ereignisdateien während der Reaktionsauswahl und -hemmung durch repetitive transkranielle Magnetstimulation bei Patienten mit GTS“, DFG
  • seit 2021 Co-Antragsteller, Projekt „Rekonstruktion der naiven Theorie des Selbst“, DFG
  • seit 2020 Leiter mehrerer Projekte, Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ)
  • seit 2019 Leiter, Teilprojekt „Modulation suchtbedingter Veränderungen zur Verbesserung der kognitiven Kontrolle bei Alkoholgebrauchsstörung (AUD) durch nicht-invasive Hirnstimulation“, Transregio (TRR) 265, DFG
  • seit 2018 Co-Sprecher, Forschungsgruppe (FOR) 2698 „Cognitive Theory for Tourette Syndrome“, DFG
  • 2016-2024 Leiter, Teilprojekt „Funktionell-neuroanatomische und neurobiologische Modulatoren der Interaktion von volitional kontrolliertem und automatischem Verhalten“, Sonderforschungsbereich (SFB) 940, DFG

  • seit 2025 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2025 Fellow, Institute for Advanced Study, Wissenschaftskolleg zu Berlin
  • seit 2024 Talent Scout, Alexander von Humboldt-Stiftung, Bonn
  • 2024 Auszeichnung „Shandong Distinguished Foreign Expert“, Provinz Shandong, China
  • 2023 Mitglied, Internationale Expertengruppe „Organisation frontaler Hirnnetzwerke und -funktionen – Lokalisation und Interaktion“, Ernst Strüngmann Forum, Frankfurt am Main
  • 2023 Credibility in Neuroscience Team Award, #EEGManyLabs-Initiative, British Neuroscience Association, UK
  • 2022 Verleihung der außerplanmäßigen Assistenzprofessur „Computational Neuroscience“, Medizinische Fakultät, Technische Universität (TU) Dresden
  • 2012 Stipendiat, Emmy-Noether-Programm, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

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