Prof. Dr. Enrico Fermi (✝︎)

Nobelpreis für Physik 1938

Seite teilen

  • Fachbereich Physik
  • Ort Chicago, Vereinigte Staaten
  • Wahljahr 1935

Forschung

Enrico Fermi war ein italienisch-amerikanischer Kernphysiker. Nach ihm ist unter anderem das Element mit der Ordnungszahl 100 Fermium, das Elektronengas Fermigas, die Fermionen, eine Gruppe von Elementarteilchen, sowie das Ferminiveau, ein Energieniveau in Festkörpern, benannt. Für die Bestimmung neuer radioaktiver Elemente und für die Entdeckung der durch Neutronen ausgelösten Kernreaktionen wurde er 1938 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Enrico Fermi wurde am 29. September 1901 in Rom geboren. Er war das dritte Kind des Abteilungsleiters im Ministerium für Schienenverkehr Albert Fermi und der Grundschullehrerin Ida de Gattis. Seine Schwester Maria war zwei Jahre älter als er, sein ein Jahr älterer Bruder Giulio starb bereits 1915 an den Folgen einer Narkose. Gemeinsam mit seinem Bruder verbrachte Enrico die ersten zweieinhalb Jahre seines Lebens in einer Landgemeinde, wo er von einer Amme aufgezogen wurde. Erst danach kehrte er zu seiner Familie nach Rom zurück. 1928 heiratete Enrico Fermi seine frühere Kommilitonin Laura Capon. Das Paar bekam zwei Kinder. Aufgrund der faschistischen Diktatur in Italien und ebenso, weil Laura Jüdin war, emigrierten die Fermis im Jahr 1938 in die Vereinigten Staaten. 1944 nahmen sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Fermis Name ist auch heute noch im öffentlichen Leben allgegenwärtig. So hat die Atomenergiebehörde der Vereinigten Staaten den Enrico-Fermi-Preis nach ihm benannt. Darüber hinaus trägt das Fermi National Accelerator Laboratory, kurz Fermilab, in Batavia, in der Nähe von Chicago seinen Namen. Auch das Weltraumteleskop Fermi Gamma-ray Space Telescope ist nach ihm benannt.

Enrico Fermi starb am 28. November 1954 in Chicago.

Enrico Fermi begann 1918 im Alter von 17 Jahren ein Physikstudium an der Universität Pisa, Italien. 1922 wurde er mit einer Arbeit über die Beugung von Röntgenstrahlen an gewölbten Kristalloberflächen promoviert. Im gleichen Jahr hielt er sich zu einem Studienaufenthalt beim späteren Physik-Nobelpreisträger Max Born in Göttingen auf, dem damals führenden Zentrum für theoretische Physik. Zwischen 1923 und 1929 leitete er die Chemie-Ausbildung an der Universität Rom, Italien. 1924 absolvierte er einen weiteren Studienaufenthalt im Ausland, diesmal im niederländischen Leiden. Hier war er bei Paul Ehrenfest, einem Mitbegründer der Quantenmechanik, tätig. Zwischen 1924 und 1926 hatte er zudem einen Lehrauftrag für mathematische Physik und Mechanik an der Universität Florenz, Italien. Während dieser Zeit entstand mit der Fermi-Statistik bzw. mit der Fermi-Dirac-Statistik eine grundlegende Idee der Quantenstatistik für die Theorie der Atomkerne und Elektronenhüllen sowie für die Theorie der Metalle.

1927 erhielt Fermi eine Professur für theoretische Physik an der Universität Rom, Italien. Diese hatte er bis zu seiner Emigration in die Vereinigten Staaten im Jahr 1938 inne. In den USA wurde er Professor für Physik an der Columbia University in New York. Dort begann er im Jahr 1942 auch seine Forschungsarbeiten über die Kernspaltung, die er später an der University of Chicago fortsetzte. Diese Studien führten zur Inbetriebnahme des ersten Atomreaktors.
1944 gehörte Fermi zu den Wissenschaftlern, die am militärischen Manhattan Project beteiligt waren. Im Sommer zog er mit seiner Familie nach Los Alamos (New Mexico), wo er in den dortigen geheimen Atom-Forschungslabors als Berater von Robert Oppenheimer an der Konstruktion der ersten Atombombe beteiligt war.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 erhielt Fermi eine Professur am Institute of Nuclear Physics in Chicago, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1954 tätig war.

Neben dem Nobelpreis erhielt Enrico Fermi zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Matteucci Medal (1926), die Hughes Medal (1942), die Medal for Merit (1946), Franklin Medal (1947), Barnard Medal for Meriorious Service to Science (1950), Rumford Prize (1953) sowie die Max-Planck-Medaille (1954).

Er war Mitglied wissenschaftlicher Vereinigungen und Akademien, darunter der Royal Academy of Italy (1929), der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1935), Academia Nazionale di Lincei zu Rom, American Philosophical Society zu Philadelphia (1939), korrespondierendes Mitglied der Accademia della Scienze zu Turin, der Akademie der Wissenschaften der UdSSR zu Moskau und der Indian National Academy of Sciences sowie Foreign Member der Royal Society London (1950).

Noch während seiner Zeit in Rom führte Fermi Experimente zum Nachweis von künstlicher Radioaktivität durch. Dazu wurden die Substanzen mit Neutronen beschossen. Auf diese Weise gelang die Umwandlung einer Vielzahl chemischer Elemente des Periodensystems. Dabei wurde die Mehrzahl der getesteten Substanzen radioaktiv, wenn sie mit Neutronen beschossen wurden. Fermi erklärte das Zustandekommen der Radioaktivität mit drei Arten von Reaktionen, die auf das Einfangen des eingestrahlten Neutrons durch den jeweiligen Atomkern folgten. Ohne es zu wissen, hatte Fermi bei diesen Experimenten als erster die Kernspaltung an schweren Kernen vollzogen. Dabei gelang es, mehr als 400 neue radioaktive Substanzen herzustellen.

Im Jahr 1938 wurde Fermi der Nobelpreis für Physik zugesprochen – und damit in dem Jahr, in dem er seine Heimat aufgrund der politischen Verhältnisse verlassen musste. Fermi reiste zur Nobelpreis-Verleihung nach Stockholm und von dort aus weiter nach New York. Dort nahm er seine Forschungsarbeiten über Neutronen wieder auf.

Bereits zuvor war den deutschen Chemikern Otto Hahn und Fritz Strassmann die erste Kernspaltung gelungen. Wie andere Wissenschaftler auch, kam Fermi zu der Erkenntnis, dass bei der Spaltung von Urankernen offenbar eine große Menge Energie frei wird. Er vermutete eine Emission von Neutronen als Nebenprodukt dieser Kernspaltung, die wiederum weitere Urankerne spalten und dadurch eine Kettenreaktion auslösen könnte.

Durch die politischen Verhältnisse in Europa während des Zweiten Weltkriegs hatte die US-amerikanische Regierung in der Zwischenzeit die Erforschung einer möglichen Nutzung von Kernenergie vorangetrieben. Unter Fermis Leitung entstand so in einem geheimen Forschungsprojekt in Chicago in einer Squashhalle der erste Atomreaktor. Dort gelang am 2. Dezember 1942 schließlich die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion.

Die Leopoldina verwendet Cookies

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig (funktionale Cookies), während andere nicht notwendig sind, uns aber helfen unser Onlineangebot zu verbessern und wirtschaftlich zu betreiben. 

Sie können in den Einsatz der nicht notwendigen Cookies mit dem Klick auf die Schaltfläche "Alle Akzeptieren" einwilligen oder per Klick individuelle Einstellungen vornehmen und diesen per “Auswahl übernehmen” zustimmen. 

Sie können diese Einstellungen jederzeit aufrufen und Cookies auch nachträglich abwählen.

Funktional

Diese Cookies sind technisch erforderlich, um folgende Kernfunktionalitäten der Website bereitstellen zu können:

  • Darstellung der Website
  • Anonymisierung von IP-Adressen innerhalb von Logfiles
  • Status-Cookie-Zustimmung
Komfort

Neben notwendigen Cookies setzen wir zudem Cookies ein, um Ihnen die Nutzung der Website angenehmer zu gestalten. Akzeptieren Sie diese Cookies, werden externe Medien ohne weitere Zustimmung von Ihnen geladen.

Tracking

Mithilfe von Statistik-Cookies können wir die Inhalte und Services unserer Website besser an Ihre Interessen und Bedürfnisse anpassen. Für Statistiken und Auswertungen setzen wir das Produkt etracker ein.

Warnung vor externen Links

Die Nutzung dieses Teildienstes erfordert ihre Einwilligung in die Verarbeitung zusätzlicher personenbezogener Daten durch einen selbständigen Verantwortlichen: Matterport Inc., 352 E. Java Drive, Sunnyvale, CA 94089, USA. Es gelten folgende Datenschutzhinweise: https://matterport.com/de/node/44. Mit der Einwilligung durch Klick auf „Ok“ kann auch eine Übermittlung von personenbezogenen Daten in ein Land außerhalb der Europäischen Union erfolgen. Die Einwilligung ist freiwillig. Eine Ablehnung führt zu keinen Nachteilen. Eine erteilte Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Ich bin damit einverstanden, dass bei Nutzung dieses Teildienstes zusätzliche personenbezogene Daten verarbeitet werden. Dabei verarbeitete Datenkategorien: technische Verbindungsdaten des Serverzugriffs (IP-Adresse, Datum, Uhrzeit, abgefragte Seite, Browser-Informationen), Daten zur Erstellung von Nutzungsstatistiken und Daten über die Nutzung der Website sowie die Protokollierung von Klicks auf einzelne Elemente. Zweck der Verarbeitung: Auslieferung von Inhalten, die von Dritten bereitgestellt werden. Rechtsgrundlage für die Verarbeitung: Ihre Einwilligung nach Art. 6 (1) a DSGVO, Art. 49 DSGVO. Verantwortlicher für die Datenverarbeitung Matterport Inc., 352 E. Java Drive, Sunnyvale, CA 94089, USA. Es gilt die Datenschutzerklärung von Matterport Inc.: https://matterport.com/de/node/44.

Seite besuchen ▸