Georg Forster (✝︎)

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  • Wahljahr 1780

Forschung

Georg Forster war ein deutscher Naturforscher, Ethnologe und Schriftsteller. Gemeinsam mit seinem Vater Reinhold nahm er an der zweiten Weltumsegelung des britischen Seefahrers und Kartografen James Cook teil. Damit zählt er zu den ersten deutschen Entdeckungsreisenden. Er schrieb wissenschaftlich orientierte Reiseliteratur und trat als Übersetzer sowie Journalist und Autor hervor. Forster gilt als Begründer der vergleichenden Völker- und Länderkunde sowie der künstlerisch-philosophischen Reisebeschreibung in Deutschland. Sein Werk hat dazu beigetragen, die Ethnologie als eigenständigen Zweig der Wissenschaft zu etablieren. Darüber hinaus war Forster Abgeordneter in der Mainzer Republik.

Georg Forster wurde am 27. November 1754 als Sohn des Pastors und Naturforschers Georg Forster, der ab 1779 an der Universität Halle als Professor lehrte, und dessen Frau Justina Elisabeth (geborene Nicolai) in Mokry Dwór (Nassenhuben) bei Gdansk (Danzig) geboren. Sein Vater nahm ihn als Zehnjährigen auf eine Forschungsreise in die Wolga-Regio mitn. Am 3. September 1785 heiratete er Therese Heyne. Das Paar bekam vier Kinder. Nachdem französische Revolutionstruppen den Mainzer Wohnort von Forster besetzt hatten, verließ Therese im Dezember 1792 die Stadt mit den gemeinsamen Kindern. Sie blieb ihrem Mann bis zu dessen frühen Tod per Briefkontakt verbunden. Georg Forster starb am 10. Januar 1794 in Paris an einer Lungenentzündung.

Inzwischen erinnern zahlreiche Benennungen an Georg Forster. So benannte die DDR 1976 ihre Forschungsstation in der Arktis Georg-Forster-Station. Die Universitätsgesellschaft in Kassel stiftete einen nach Forster benannten Preis. Und die Alexander von Humboldt-Stiftung vergibt einen Georg-Forster-Forschungspreis. Der rheinland-pfälzische Landtag ehrt ehemalige Mitglieder mit der Georg-Forster-Medaille. Aufgabe der 1989 in Kassel gegründeten Georg-Forster-Gesellschaft ist es, das Wissen über den Ethnologen wach zu halten. In Halle (Saale) trägt das internationale Begegnungszentrum der Martin-Luther-Universität den Namen Georg Forsters.

Bereits als Kind begleitete Georg Forster seinen Vater Reinhold auf dessen groß angelegten Forschungsexpeditionen. So bereiste er 1765 und 1766 als Zehnjähriger mit seinem Vater die Wolga-Region, an deren Unterlauf deutsche Auswanderer siedelten. Während dieser Zeit ging er kurzzeitig in St. Petersburg zur Schule und lernte fließend Russisch. Im August 1766 siedelte er mit seinem Vater nach England über. Bereits auf der Überfahrt lernte er fließend Englisch, so dass er wenig später mit 13 Jahren sein erstes Buch herausgab: Eine Übersetzung der „Geschichte Russland“ des russischen Universalgelehrten Michail Lomonossow. Seine Sprachbegabung nutzte Forster auch als Broterwerb. Neben Fachtexten übertrug er Reiseberichte, darunter den von Kapitän William Bligh über die Meuterei auf der Bounty.

Darüber hinaus eignete er sich als Begleiter seines Vaters biologisches und ethnologisches Wissen an. Dieses brachte er gewinnbringend in die zweite Weltreise des britischen Seefahrers und Entdeckers James Cook ein, an der er mit seinem Vater zwischen 1772 und 1775 teilnahm. Wissenschaftliches Ergebnis dieser Reise war die Erkenntnis, dass es den Südkontinent Terra Australis nicht gab.

1777 veröffentlichte Forster in London das Buch „A voyage round the world“, in dem er unter Verwendung des wissenschaftlichen Tagebuchs seines Vaters die Weltreise publizierte. Wenig später erschien in Berlin die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Reise um die Welt“, die Forster auf einen Schlag berühmt machte. Es wurde enthusiastisch aufgenommen und übte Einfluss unter anderem auf Alexander von Humboldt aus. Heute gilt das Werk als eine der wichtigsten Quellen für die Erforschung der Gesellschaften der Südsee in der Zeit vor der europäischen Einflussnahme.

Von 1779 bis 1784 hatte Georg Forster eine Professur für Naturgeschichte am Carolinum in Kassel inne. Seither stand er im ständigen Austausch mit wichtigen Vertretern der deutschen Aufklärung, darunter die Dichter Gotthold Ephraim Lessing, Johann Gottfried Herder, Christoph Martin Wieland und Johann Wolfgang Goethe sowie der Physiker Georg Christoph Lichtenberg und der Philosoph Immanuel Kant. Zudem wurde er in Kassel Mitglied der Freimaurerloge und des örtlichen Zirkels des Gold- und Rosenkreuzer-Ordens.

Von 1784 bis 1787 lehrte er im litauischen Vilnius. Hier schrieb Forster seine Arbeit über essbare Pflanzen der Südseeinseln, mit der er 1785 an der Universität Halle zum Doktor der Medizin promoviert wurde. Nachdem eine russische Pazifik-Expedition, an der er teilnehmen sollte, nicht zustande kam, wechselte Forster 1788 als Oberbibliothekar an die Universität Mainz.

Von Mainz aus unternahm Forster gemeinsam mit Alexander von Humboldt im Frühjahr 1790 eine ausgedehnte Exkursion entlang des Rheins. Sein Fokus galt dabei dem sozialen Verhalten der Menschen. Ebenso weckten Volksaufstände in Flandern und Brabant sowie die Französische Revolution Forsters Interesse. Im Nachgang dieser Reise entstand das dreibändige Werk „Ansichten vom Niederrhein“.

In Mainz agierte er zunehmend auch politisch und setzte sich für Reformen des Spätabsolutismus ein. Anfang 1793 war Georg Forster aktiv an der Gründung der Mainzer Republik beteiligt und wurde Mitglied im ersten demokratisch gewählten Parlament Deutschlands, als dessen Abgeordneter er nach Paris entsandt wurde. Nach dem Scheitern der Mainzer Republik konnte er nicht nach Deutschland zurückkehren, da die Zusammenarbeit mit der französischen Revolutionsregierung unter Strafe gestellt worden war. Er lebte mittellos. Seine Familie hatte ihn bereits zuvor verlassen.

Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Forster zahlreich geehrt. Mehrere Akademien und wissenschaftliche Vereinigungen verliehen ihm ihre Mitgliedschaft, darunter die Londoner Royal Society und die Göttinger Akademie der Wissenschaften (beide 1777) sowie die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (1780).

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