Prof. Dr. Georg Marckmann
- Fachbereich Wissenschaftsphilosophie
- Ort München, Deutschland
- Wahljahr 2024
Forschung
Forschungsschwerpunkte: Translationale Medizinethik, Klinische Ethik, Gesundheitsgerechtigkeit, digitale Gesundheitsethik, Public Health Ethik
Georg Marckmann ist ein deutscher Mediziner und Philosoph. In seiner Forschung befasst er sich vor allem damit, wie das ethisch Gebotene in der Praxis umgesetzt werden kann. Dieser Frage geht er in Bereichen nach, die mit Krankheit und Gesundheit zu tun haben: Von der Patientenversorgung und biomedizinischen Forschung über die Gestaltung des Gesundheitswesens bis hin zu Impfungen und anderen bevölkerungsbezogenen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention.
Im Bereich der Patientenversorgung beschäftigt sich der Medizinethiker unter anderem mit der Frage, was eine gute medizinische Entscheidung ausmacht und wie sich diese am besten treffen lässt. Nach dem Konzept des „shared decision-making“ sollen Patientinnen und Patienten gemeinsam mit Ärztin oder Arzt über ihre Behandlung entscheiden können. Aktuell wird aber häufig die Idee diskutiert, Computer-Algorithmen in diesen Prozess einzubeziehen. Georg Marckmann und sein Team untersuchen, wie eine solche technisch unterstützte Entscheidungsfindung aussehen sollte, um ethischen Anforderungen und den Wünschen der Behandelten zu genügen. Dafür entwickelt die Gruppe praxisbezogene Leitlinien und Empfehlungen.
Auch in anderer Hinsicht hat die Digitalisierung weitreichende Folgen für den Umgang mit Gesundheit und Krankheit. Künstliche Intelligenz lässt sich zum Beispiel zur Diagnose von Krankheiten einsetzen. Smartphone-Apps sollen die Prävention von Krankheiten verbessern, spezielle Schnittstellen eine Kommunikation zwischen Gehirn und Computer ermöglichen. All diese Anwendungen werfen ethische, philosophische und soziale Fragen auf, die Georg Marckmann und sein Team erforschen.
Zudem gibt es zahlreiche moderne Behandlungsansätze, die einerseits neue Chancen eröffnen und andererseits ethische Herausforderungen mit sich bringen. Zu den Innovationen, bei denen Georg Marckmann dieses Spannungsfeld untersucht, gehört zum Beispiel die Xenotransplantation. Dabei werden Zellen, Gewebe oder Organe von Tieren auf Menschen übertragen. So wurde am 2022 erstmals einem Menschen das Herz eines genetisch modifizierten Schweins eingepflanzt. In der Fachwelt galt das als Erfolg. Georg Marckmann gibt zu bedenken, dass das aus Sicht des Betroffenen anders aussehen könnte. Denn der Patient überlebte nur zwei Monate und konnte das Krankenbett nicht mehr verlassen. Man brauche also auch Kriterien, die den Nutzen der Behandlung für Patientinnen und Patienten erfassen können – etwa anhand der gewonnenen Lebenszeit und Lebensqualität – und nicht allein für die Effektivität und Sicherheit von Xenotransplantationen
Ebenso geht es bei neuartigen Behandlungsmethoden um Fragen der Gerechtigkeit auf, die ebenfalls zu Marckmanns Arbeitsschwerpunkten gehören. Wer soll zum Beispiel Zugang zu neuen Medikamenten bekommen, wenn diese noch vergleichsweise teuer oder nicht in ausreichendem Maße verfügbar sind? So sollte das Ziel öffentlicher Gesundheitsversorgung sein, einen allgemeinen und gleichen Zugang zu Gesundheitsleistungen zu schaffen – und so auch denen eine Chance zu geben, die bei der gesundheitlichen und sozialen „Lotterie“ schlechte Lose gezogen haben.
Es gibt allerdings auch das umgekehrte Problem: Längst nicht alle Patientinnen und Patienten wollen sich jeder medizinisch möglichen Behandlung unterziehen. Was aber, wenn sie ihre diesbezüglichen Wünsche nicht mehr äußern können? Dabei geht es Georg Marckmann um Möglichkeiten, den Patientenwillen vorausschauend zu ermitteln, zu dokumentieren und schließlich umzusetzen. Als Gründungsmitglied der Organisation „Advance Care Planning Deutschland (ACP-D)“ setzt er sich dafür ein, dass Menschen so behandelt werden, wie sie es möchten – auch dann, wenn sie selbst nicht mehr über ihre Behandlung entscheiden können.
Georg Marckmann ist ein deutscher Mediziner und Philosoph. In seiner Forschung befasst er sich vor allem damit, wie das ethisch Gebotene in der Praxis umgesetzt werden kann. Dieser Frage geht er in Bereichen nach, die mit Krankheit und Gesundheit zu tun haben: Von der Patientenversorgung und biomedizinischen Forschung über die Gestaltung des Gesundheitswesens bis hin zu Impfungen und anderen bevölkerungsbezogenen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention.
Im Bereich der Patientenversorgung beschäftigt sich der Medizinethiker unter anderem mit der Frage, was eine gute medizinische Entscheidung ausmacht und wie sich diese am besten treffen lässt. Nach dem Konzept des „shared decision-making“ sollen Patientinnen und Patienten gemeinsam mit Ärztin oder Arzt über ihre Behandlung entscheiden können. Aktuell wird aber häufig die Idee diskutiert, Computer-Algorithmen in diesen Prozess einzubeziehen. Georg Marckmann und sein Team untersuchen, wie eine solche technisch unterstützte Entscheidungsfindung aussehen sollte, um ethischen Anforderungen und den Wünschen der Behandelten zu genügen. Dafür entwickelt die Gruppe praxisbezogene Leitlinien und Empfehlungen.
Auch in anderer Hinsicht hat die Digitalisierung weitreichende Folgen für den Umgang mit Gesundheit und Krankheit. Künstliche Intelligenz lässt sich zum Beispiel zur Diagnose von Krankheiten einsetzen. Smartphone-Apps sollen die Prävention von Krankheiten verbessern, spezielle Schnittstellen eine Kommunikation zwischen Gehirn und Computer ermöglichen. All diese Anwendungen werfen ethische, philosophische und soziale Fragen auf, die Georg Marckmann und sein Team erforschen.
Zudem gibt es zahlreiche moderne Behandlungsansätze, die einerseits neue Chancen eröffnen und andererseits ethische Herausforderungen mit sich bringen. Zu den Innovationen, bei denen Georg Marckmann dieses Spannungsfeld untersucht, gehört zum Beispiel die Xenotransplantation. Dabei werden Zellen, Gewebe oder Organe von Tieren auf Menschen übertragen. So wurde am 2022 erstmals einem Menschen das Herz eines genetisch modifizierten Schweins eingepflanzt. In der Fachwelt galt das als Erfolg. Georg Marckmann gibt zu bedenken, dass das aus Sicht des Betroffenen anders aussehen könnte. Denn der Patient überlebte nur zwei Monate und konnte das Krankenbett nicht mehr verlassen. Man brauche also auch Kriterien, die den Nutzen der Behandlung für Patientinnen und Patienten erfassen können – etwa anhand der gewonnenen Lebenszeit und Lebensqualität – und nicht allein für die Effektivität und Sicherheit von Xenotransplantationen
Ebenso geht es bei neuartigen Behandlungsmethoden um Fragen der Gerechtigkeit auf, die ebenfalls zu Marckmanns Arbeitsschwerpunkten gehören. Wer soll zum Beispiel Zugang zu neuen Medikamenten bekommen, wenn diese noch vergleichsweise teuer oder nicht in ausreichendem Maße verfügbar sind? So sollte das Ziel öffentlicher Gesundheitsversorgung sein, einen allgemeinen und gleichen Zugang zu Gesundheitsleistungen zu schaffen – und so auch denen eine Chance zu geben, die bei der gesundheitlichen und sozialen „Lotterie“ schlechte Lose gezogen haben.
Es gibt allerdings auch das umgekehrte Problem: Längst nicht alle Patientinnen und Patienten wollen sich jeder medizinisch möglichen Behandlung unterziehen. Was aber, wenn sie ihre diesbezüglichen Wünsche nicht mehr äußern können? Dabei geht es Georg Marckmann um Möglichkeiten, den Patientenwillen vorausschauend zu ermitteln, zu dokumentieren und schließlich umzusetzen. Als Gründungsmitglied der Organisation „Advance Care Planning Deutschland (ACP-D)“ setzt er sich dafür ein, dass Menschen so behandelt werden, wie sie es möchten – auch dann, wenn sie selbst nicht mehr über ihre Behandlung entscheiden können.
Werdegang
- seit 2010 Professor für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin sowie Leiter, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Medizinische Fakultät, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)
- 2004-2010 Oberassistent sowie Stellvertretender Direktor, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 2004 Approbation als Arzt
- 2003 Habilitation sowie Lehrbefugnis für das Fach Ethik in der Medizin, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1999-2000 Studium, Public Health, Harvard University, Boston, USA
- 1998-2003 Wissenschaftlicher Assistent, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1997 Promotion zum Dr. med., Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1997 Staatsexamen Medizin
- 1996-1997 Praktisches Jahr (Wahlfach: Pädiatrie)
- 1995 Magister Artium (M.A.) in Philosophie, Eberhard Karls Universität Tübingen1989-1995 Studium der Philosophie (Doppelstudium), Eberhard Karls Universität Tübingen
- 1987-1992 Studium der Humanmedizin, Eberhard Karls Universität Tübingen
Funktionen
- seit 2017 Gründungsmitglied sowie Mitglied, Vorstand, Advance Care Planning (ACP) Deutschland, Nürnberg
- seit 2016 Stellvertretender Vorsitzender, Klinisches Ethikkomitee, LMU Klinikum München
- seit 2016 Mitglied, Ethikkommission, Medizinische Fakultät, LMU München
- 2016-2022 Mitglied, Vorstand, Zentrale Ethikkommission (ZEKO), Bundesärztekammer (BÄK)
- seit 2015 Vizepräsident, Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen (GRPG), München
- seit 2013 Mitglied, ZEKO, BÄK
- 2012-2022 Präsident sowie Mitglied, Vorstand, Akademie für Ethik in der Medizin (AEM), Göttingen
- 2012-2015 Mitglied, Arbeitsgruppe „Priorisierung im Gesundheitswesen“, BÄK
- 2012-2013 Mitglied, Schriftleitung, Ethik in der Medizin
- 2010-2014 Ordentliches Mitglied, Ständige Kommission Organtransplantation, BÄK
- seit 2010 Mitglied sowie Vizepräsident, Landesethikkomitee, Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Italien
- seit 2008 Mitglied, Beirat, Ethik in der Medizin
- 2007-2017 Mitglied, Wissenschaftlicher Beirat, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Berlin
- 2007-2011 Vorsitzender, Gesundheitsrat Südwest, Landesärztekammer Baden-Württemberg, Stuttgart
- 2007-2011 Mitglied, Ethik-Kommission, Landesärztekammer Baden-Württemberg, Stuttgart
- 2007-2010 Mitglied, Bioethik-Kommission, Land Rheinland-Pfalz
- 2006-2010 Mitglied, Klinisches Ethik-Komitee, Südwürttembergisches Zentrum für Psychiatrie, Bad Schussenried
- 2005-2011 Mitglied, Gesundheitsrat Südwest, Landesärztekammer Baden-Württemberg, Stuttgart
- 2004-2010 Mitglied, Klinisches Ethikkomitee, Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
Projekte
- 2023-2026 Koordinator, Verbundprojekt „EPAMeD – Ethik und Praxis der Algorithmus-unterstützten Entscheidungsfindung in der Medizin“, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
- seit 2021 Leiter, Teilprojekt „Translationale Advanced Therapy Medicinal Product (ATMP) Entwicklungsplattform“, Transregio (TRR) 338, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- 2019-2023 Stellvertretender Koordinator, Projekt „BEVOR – Patienten-relevante Auswirkungen von Behandlung im Voraus planen“, Innovationsausschuss, Gemeinsamer Bundesausschuss
- 2018-2024 Beteiligter Wissenschaftler, Grant „Solving the unsolved Rare Diseases (Solve-RD)“, Horizon 2020, Europäische Kommission (EC)
- 2018-2020 Leiter, Projekt „Partizipative Planung gesundheitlicher und sozialer Entscheidungen nach Diagnosestellung einer Alzheimer-Demenz: eine Proof-of-concept-Studie“, DFG
- 2016-2025 Beteiligter Wissenschaftler, Grant „Effect of ALlopurinol in addition to hypothermia for hypoxic-ischemic Brain Injury on Neurocognitive Outcome“, Horizon 2020, EC
- 2012-2024 Leiter, Teilprojekt „Ethische, rechte, psychosoziale und gesellschaftliche Aspekte (ELSA) der Xenotransplantation“, TRR 127, DFG
- 2010-2014 Koordinator, Verbundprojekt „Individualisierte Gesundheitsversorgung. Ethische, ökonomische und rechtliche Implikationen für das deutsche Gesundheitswesen ", BMBF
- 2008-2011 Stellvertretender Koordinator, Verbundprojekt „Respekt für vorausverfügte Entscheidungen und Präferenzen für den Fall von Krankheit und Tod (RESPEKT)“, BMBF
- 2006-2010 Koordinator, Verbundprojekt „Allokation. Ethische, ökonomische und rechtliche Aspekte der Allokation kostspieliger biomedizinischer Innovationen: Exemplarische Untersuchungen zur expliziten und impliziten Rationierung in der interventionellen Kardiologie und der Intensivmedizin“, BMBF
- 1992-1995 Stipendiat, Graduiertenkolleg (GRK) „Ethik in den Wissenschaften“, DFG
Auszeichungen und Mitgliedschaften
- seit 2024 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
- 2004 Förderpreis, Eberhard Karls Universität Tübingen