Prof. Dr. Gilles Laurent

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  • Fachbereich Neurowissenschaften
  • Ort Frankfurt am Main, Deutschland
  • Wahljahr 2025

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Zelluläre und systemische Neurowissenschaften, Evolution des Gehirns, Selbstorganisation dynamischer Systeme

Gilles Laurent ist ein französischer Veterinär und Neuroethologe, der das Verhalten von Tieren und die zugrunde liegenden neuronalen Prozesse untersucht. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Dynamik neuronaler Netzwerke und deren Einfluss auf Wahrnehmung, Bewegung, Schlaf und Verhalten. Die zugrundeliegenden Prinzipien untersucht er in verschiedenen Tierarten und kombiniert in seinen Studien dabei quantitative Verhaltensbeobachtungen, molekulare und anatomische Analysen, elektrophysiologische Techniken und Modellierungsansätze.

Gilles Laurent betrachtet das Gehirn als selbstorganisiertes, dynamisches System, das im Laufe der Evolution eine Vielzahl von Lösungen für übergreifende biologische Probleme gefunden hat. Um den potenziellen Grundprinzipien der Berechnungen im Hirn auf die Spur zu kommen, hat er sich mit verschiedenen Fragestellungen in unterschiedlichen Modellorganismen, wie Heuschrecken, Fruchtfliegen, Zebrafischen, Echsen oder Sepien beschäftigt.

So konnte er beispielsweise zeigen, dass Gerüche zunächst nicht durch einzelne Neuronen, sondern durch zeitabhängige Aktivitätsmuster großer Zellverbände repräsentiert werden. Informationen finden sich somit in Mustern, die sich im neuronalen Raum und der Zeit verändern. Seine Forschungsgruppe beschrieb diese Muster als Bewegungen auf niedrigdimensionalen Flächen, sogenannten Manifolds, innerhalb hochdimensionaler neuronaler Zustandsräume. Manifolds lassen sich als geometrische Flächen beschreiben, auf denen sich die Aktivität vieler Neuronen in vereinfachter Form abbilden lässt. Auch wenn das Gehirn Milliarden verschiedene Zustände annehmen kann, verlaufen die tatsächlich auftretenden Aktivitätsmuster entlang solcher niedrigdimensionalen Bahnen wie Bewegungen auf einem unsichtbaren topologischen Terrain.

Gilles Laurent interessiert sich auch für die Strukturen des Schlafs. Studien an Reptilien zeigten wechselnde Zustände, die entweder dem Tiefschlaf oder dem Rapid Eye Movement (REM)-Schlaf, einer Phase intensiver Träume, ähneln. Laurent entdeckte, dass diese Phasen von gepaarten neuronalen Netzwerken gesteuert werden, die rhythmisch wie gekoppelte interne Metronome funktionieren. Mit seiner Forschung an kleinen und evolutionär älteren Gehirnen möchte er Konzepte und Prinzipien identifizieren, die auch auf das menschliche Gehirn zutreffen.

Aus einer vergleichenden und evolutionären Perspektive suchen Neuroethologen nach universellen Prinzipien, die sich in unterschiedlichen Gehirnarchitekturen wiederfinden. Seine Forschungsgruppe konnte zeigen, dass viele Strukturen des Säugetiergehirns, inklusive des zerebralen Kortex und des Hippocampus, evolutionäre Wurzeln in der gemeinsamen Abstammungslinie von Reptilien und Säugern haben. Eine von seinem Team durchgeführte Studie nutzte die Einzelzell-Transkriptomik, um nachzuweisen, dass grundlegende Elemente des zerebralen Kortex wesentlich älter sind als bisher angenommen. Mit diesen Methoden werden die aktiven Gene einzelner Nervenzellen erkannt, so dass sich ein molekulares Profil für jedes Neuron erstellen lässt. Gilles Laurents Forschung hat die Sichtweise auf die Evolution des Gehirns verändert – von einer auf Säugetiere ausgerichteten Perspektive hin zu einer, die auf einer tief verankerten biologischen Intelligenz basiert.

Sein integrativer Ansatz zeigt sich auch in seiner Forschung an Cephalopoden. So konnte er aufzeigen, dass Sepien visuelle Texturen dynamisch und kontextabhängig verarbeiten und nicht einfach reflexartig. Pigmentzellen reagieren gruppenweise und koordiniert auf räumliche Frequenzen und repräsentieren die neuronale Verarbeitung im Gehirn.

Gilles Laurents Arbeit zeigt, dass Größe keine Voraussetzung für Komplexität ist. Selbst kleine, evolutionär alte Gehirne nutzen viele der gleichen Prinzipien wie das menschliche Gehirn, darunter Synchronisation, Rückkopplung und rhythmische Dynamik. Er hat unser Verständnis der Gehirnfunktion und -evolution grundlegend erweitert. Denken, Wahrnehmung und Verhalten sind nicht als plötzliche Innovationen entstanden. Vielmehr sind sie das Ergebnis einer langen, komplexen Geschichte der neuronalen Selbstorganisation.

  • seit 2021 Gastprofessor, Radboud University, Nijmegen, Niederlande
  • seit 2014 Gastprofessor, Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • seit 2008 Co-Gründungsdirektor sowie Direktor, Max-Planck-Institut (MPI) für Hirnforschung, Frankfurt am Main
  • 2002-2011 Lawrence A. Hanson Professor of Biology and Computation & Neural Systems, California Institute of Technology (Caltech), Pasadena, USA
  • 2000-2002 Professor für Biologie und Computerwissenschaften & Neuronale Systeme, Caltech, Pasadena, USA
  • 1996-2000 Außerordentlicher Professor für Biologie und Computerwissenschaften & Neuronale Systeme, Caltech, Pasadena, USA
  • 1990-1995 Assistenzprofessor für Biologie und Computerwissenschaften und Neuronale Systeme, Caltech, Pasadena, USA
  • 1987-1990 Royal Society Locke Research Fellow, University of Cambridge, Cambridge, UK
  • 1987-1990 Research Fellow, Downing College, University of Cambridge, Cambridge, UK
  • 1985-1987 Postdoktorand, University of Cambridge, Cambridge, UK
  • 1985 Ph.D. in Neuroethologie, Université Toulouse III – Paul Sabatier, Toulouse, Frankreich
  • 1985 Doktor der Veterinärmedizin (staatliches Diplom als Tierarzt), École Nationale Vétérinaire de Toulouse, Toulouse, Frankreich

  • 2024-2026 Mitglied, Selection Committee, Swartz Prize for Theoretical Computational Neuroscience, Society for Neuroscience (SfN), Washington D.C., sowie Swartz Foundation, Lloyd Harbor, USA
  • 2024 Mitglied, Scientific Advisory Board, Institute of Neuroscience (ION), Shanghai, Chinese Academy of Sciences (CAS), China
  • 2023 Stellvertretender Vorsitzender, Selection Committee, ALBA-Roche Research Prize for Excellence in Neuroscience, ALBA Network, Brüssel, Belgien, Federation of European Neuroscience Societies (FENS)
  • seit 2023 Mitglied, Grant Review Committee, European Research Council (ERC)
  • 2023 Mitglied, Scientific Advisory Board, Champalimaud Foundation, Lissabon, Portugal
  • 2023 Mitglied, Scientific Advisory Board, Department of Neuroscience, Institut Pasteur, Paris, Frankreich
  • 2021-2024 Mitglied, Postdoctoral Fellowship Selection Committee, European Molecular Biology Organization (EMBO)
  • 2021-2023 Geschäftsführender Direktor, Max-Planck-Institut (MPI) für Hirnforschung, Frankfurt am Main
  • 2021 Mitglied, Scientific Advisory Board, Weizmann Institute of Science, Department of Neuroscience, Rehovot, Israel
  • 2021 Mitglied, Scientific Advisory Board, Champalimaud Foundation, Lissabon, Portugal
  • 2020 Mitglied, Scientific Advisory Board, Institute of Neuroscience (ION), Shanghai, Chinese Academy of Sciences (CAS), China
  • 2019 Mitglied, Scientific Advisory Board, Institut NeuroMarseille, Aix-Marseille Université, Marseille, Frankreich
  • 2019 Mitglied, Scientific Advisory Board, Champalimaud Foundation, Lissabon, Portugal
  • 2018-2021 Mitglied, Young Investigator Award Selection Committee, SfN Tianqiao and Chrissy Chen Young Investigator Award, Society for Neuroscience (SfN), Washington D.C., USA
  • 2018 Mitglied, Scientific Advisory Board, Université Paris-Saclay, Paris, Frankreich
  • 2018-2025 Mitglied, Preiskomitee, Valentin Braitenberg Award for Computational Neuroscience, Bernstein Network Computational Neuroscience, Freiburg
  • 2017 Mitglied, Scientific Review Board, Howard Hughes Medical Institute (HHMI), Chevy Chase, USA
  • 2016-2017 Geschäftsführender Direktor, Max-Planck-Institut (MPI) für Hirnforschung, Frankfurt am Main
  • 2016 Mitglied, Scientific Advisory Board, Cambridge University Neuroscience Ten-year Review Board, Cambridge, UK
  • 2015-2025 Mitglied, Sonderausschuss des Präsidenten zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), München
  • 2015 Mitglied, Scientific Advisory Board, HHMI Janelia Ten-year Review Board, Ashburn, USA
  • 2014 Mitglied, Scientific Advisory Board, Institute of Neuroinformatics, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, Zürich, Schweiz
  • 2014 Mitglied, Scientific Advisory Board, HHMI Investigators Review Board, Chevy Chase, USA
  • 2014 Mitglied, Scientific Advisory Board, Graduate Program Review Board, Champalimaud Foundation, Lissabon, Portugal
  • 2013-2018 Mitglied, Scientific Advisory Board, Institut des Neurosciences Paris-Saclay (NeuroPSI), Centre national de la recherche scientifique (CNRS), Gif-sur-Yvette, Frankreich
  • 2013-2018 Mitglied, Berufungskommission, ETH Zürich, Zürich, Schweiz
  • 2013 Mitglied, Scientific Advisory Board, Investigators Review Board, Howard Hughes Medical Institute (HHMI), Chevy Chase, USA
  • 2012-2013 Mitglied, Comité d’Évaluation des activités Scientifiques des Personnels (COMESP), Institut Pasteur, Paris, Frankreich
  • 2011-2014 Mitglied, Preiskomitee, Ralph W. Gerard Prize in Neuroscience, Society for Neuroscience (SfN), Washington D.C., USA
  • 2009-2014 Mitglied, École des Neurosciences de Paris Île-de-France (ENP), Paris, Frankreich
  • 2009-2013 Mitglied, Scientific Advisory Board, Biozentrum – The Center for Molecular Life Sciences, Universität Basel, Basel, Schweiz
  • 2009-2013 Mitglied, Scientific Advisory Board, Neuro-Electronics Research Flanders (NERF), Vlaams Instituut voor Biotechnologie (VIB), Leuven, Belgien
  • 2009-2013 Geschäftsführender Direktor, Max-Planck-Institut (MPI) für Hirnforschung, Frankfurt am Main

  • 2024-2029 Principal Investigator, Advanced Grant „Cephalopod camouflage: neural and circuit mechanisms“, European Research Council (ERC)
  • 2019-2024 Principal Investigator, Advanced Grant „Sleep evolution: role of the claustrum and brain stem in sleep control and evolution across vertebrates“, ERC
  • 2017-2024 Leiter, Teilprojekt „Homöostatische Regulation des REM-nicht REM-Übergangs im Schlaf“, Sonderforschungsbereich (SFB) 1080, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2013-2018 Principal Investigator, Advanced Grant „Function and Computation in three-layered Cortex“, ERC

  • seit 2026 Mitglied, Royal Society, UK
  • seit 2025 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2025 Louis-Jeantet Prize for Medicine, Louis-Jeantet Foundation, Genf, Schweiz
  • 2025 Karl Spencer Lashley Award, American Philosophical Society (APS), Philadelphia, USA
  • seit 2017 Mitglied, Academia Europaea
  • seit 2014 Mitglied, EMBO
  • seit 2002 Assoziiertes Mitglied, Neurosciences Institute, Neurosciences Research Foundation, La Jolla, USA
  • seit 2001 Mitglied, American Association for the Advancement of Science (AAAS), USA
  • 2000 McKnight Neuroscience Investigator Award, McKnight Endowment Fund, Minneapolis, USA
  • 1993 Lawrence L. and Audrey W. Ferguson Prize, California Institute of Technology (Caltech), Pasadena, USA
  • 1993 National Science Foundation Presidential Faculty Fellow Award, U.S. National Science Foundation (NSF), USA
  • 1992 Lawrence L. and Audrey W. Ferguson Prize, Caltech, Pasadena, USA
  • 1991 McKnight Neuroscience Young Investigator Award, McKnight Foundation, Minneapolis, USA
  • 1991 Sloan Research Fellowship, Alfred P. Sloan Foundation, New York City, USA
  • 1990 Searle Fellow Award Grant, Searle Scholars Program, Kinship Foundation, Tulsa, USA
  • 1987 International Society for Neuroethology Prize, International Society for Neuroethology (ISN)
  • 1985 Prix de l’Académie des Sciences, Inscriptions et Belles-Lettres de Toulouse, Toulouse, Frankreich

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