Prof. Dr. Marileen Dogterom

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  • Fachbereich Physik
  • Ort Delft, Niederlande
  • Wahljahr 2025

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Biophysik, Zellstrukturen, Zytoskelett, biomechanische Kräfte, synthetische Zelle

Marileen Dogterom ist eine niederländische Biophysikerin, deren Forschungsschwerpunkt auf der Selbstorganisation und den mechanischen Eigenschaften des Zytoskeletts liegt. Ihr Ziel ist es, die physikalischen Prinzipien, die der inneren Organisation von Zellen zugrunde liegen, auch quantitativ zu verstehen, und dieses Wissen für das langfristige Ziel des bottom-up-Aufbaus synthetischer Zellen zu nutzen.

Ein besonderer Fokus ihrer Arbeiten liegt auf den Mikrotubuli, dynamischen Proteinfilamenten, die als Teil des Zytoskeletts essenzielle Funktionen bei der Zellteilung und der Formgebung sowie beim intrazellulären Transport übernehmen. Während die Organisation des mitotischen Spindelapparats, der bei der Zellteilung die Chromosomen gleichmäßig auf die Tochterzellen verteilt, gut beschrieben ist, sind die molekularen Mechanismen, die zur Ausbildung stabiler Mikrotubuli führen, bislang nur lückenhaft verstanden. Genau hier setzt Marileen Dogteroms Forschung an.

Bereits in den 1990er Jahren entwickelte sie in vitro-Modelle, mit denen sich die Polymerisation von Mikrotubuli unter definierten Bedingungen beobachten ließ. Durch die Kombination von hochauflösender Fluoreszenzmikroskopie, physikalischer Modellierung und Kraftmessungen mittels optischer Pinzetten konnte sie die mechanischen Eigenschaften wachsender Mikrotubuli präzise quantifizieren. Dabei zeigte sich, dass Mikrotubuli nicht nur als strukturelle Elemente fungieren, sondern auch als mechanosensorische Komponenten: Sie erzeugen Rückstoßkräfte an Zellgrenzen, beeinflussen die Ausrichtung ihres eigenen Wachstums und tragen so entscheidend zur Selbstorganisation des Zytoskeletts bei.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Rekonstruktion zellulärer Strukturen aus definierten molekularen Bausteinen. Ihrer Arbeitsgruppe gelang es, in künstlichen Kompartimenten auf kleinstem Raum mitotische Spindeln nachzubilden. Diese sogenannten Rekonstitutionsexperimente lieferten neue Einsichten darüber, wie die Geometrie des Zellraums die Selbstorganisation dynamischer Mikrotubuli-Strukturen beeinflusst. Sie bilden zugleich die Grundlage für die aktuellen Arbeiten von Marileen Dogterom an minimalen Systemen zur DNA-Segregation in synthetischen Zellen, also zur gezielten Verteilung genetischen Materials auf künstlich erzeugte Tochtereinheiten.

Darüber hinaus erforscht ihr Team das Zusammenspiel von Mikrotubuli mit Aktinfilamenten, einem weiteren zentralen Bestandteil des Zytoskeletts, der unter anderem an Zellbewegung, -form und 
-teilung beteiligt ist. Ihr besonderes Interesse gilt der Topologie und Dynamik zellulärer Netzwerke sowie deren struktureller Organisation, etwa in Epithelzellen, Neuronen oder während der Embryonalentwicklung. Ein spezieller Fokus liegt auf der Zellpolarität und der Frage, wie sie durch zytoskelettäre Prozesse, auch unter minimalen Bedingungen, entsteht.

Seit einigen Jahren engagiert sich die Biophysikerin im niederländischen Konsortium BaSyC (Building a Synthetic Cell) für die Entwicklung künstlicher Zellen, die grundlegende biologische Funktionen wie Zellteilung, DNA-Replikation, Energiehaushalt und Informationsverarbeitung nachbilden. Im Mittelpunkt stehen dabei lichtkontrollierbare Systeme zur DNA-Segregation, die auf Komponenten des Zytoskeletts beruhen. Diese Arbeiten eröffnen nicht nur neue Perspektiven für materialwissenschaftliche Anwendungen, sondern liefern auch tiefgreifende Einsichten in die physikalischen Grundlagen lebender Systeme.

Marileen Dogterom kombiniert in ihrer Forschung einen experimentellen Ansatz mit theoretischen Modellen aus der statistischen Physik und der Systembiologie. Ihre Arbeiten an der Schnittstelle von Physik, Biologie und Nanotechnologie haben wesentlich zum heutigen Verständnis der Frage beigetragen, wie mechanische Kräfte zelluläre Prozesse regulieren und Zellen ihre innere Architektur dynamisch anpassen.

  • seit 2016 Medical Delta Professorin, Leiden Institute of Physics (LION), University of Leiden, Leiden, Niederlande
  • 2014-2021 Leiterin, Department of Bionanoscience, Kavli Institute of Nanoscience, Faculty of Applied Sciences, TU Delft, Delft, Niederlande
  • seit 2014 Professorin für Bionanowissenschaften, Department of Bionanoscience, Kavli Institute of Nanoscience, Delft University of Technology (TU Delft), Delft, Niederlande
  • 2000-2013 Leiterin, Forschungsgruppe „Bio-assembly and organization“, Department „Systems Biophysics“, Institute for Atomic and Molecular Physics (AMOLF), Amsterdam, Dutch Foundation for Fundamental Research on Matter (FOM), Niederlande
  • 2000-2016 Professorin, LION, University of Leiden, Leiden, Niederlande
  • 1997-2003 Leiterin, Group „Bio-assembly and organization“, AMOLF, Amsterdam, FOM, Niederlande
  • 1994-1997 Postdoktorandin, Bell Laboratories, Murray Hill, USA
  • 1994 Promotion in Physik, Université Paris-Sud, Paris, Frankreich
  • 1992-1994 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Departments of Physics and Molecular Biology, Princeton University, Princeton, USA
  • 1990 Diplom in Theoretischer Physik, University of Groningen, Groningen, Niederlande

  • seit 2022 Präsidentin, Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences (KNAW), Niederlande
  • 2020-2022 Vizepräsidentin, KNAW, Niederlande
  • seit 2017 Leiterin, Steering Committee, BaySyC (Buiding a Synthetic Cell), Delft, Niederlande

  • 2024-2034 Mit-Antragstellerin, Summit Grant „Evolving life from non-life (EVOLF)”, Dutch Research Council (NWO), Niederlande
  • 2022-2027 Mit-Antragstellerin, Open Competition Domain Science (ENW)-XL Grant „On form and growth: Correlative Molecular Imaging of Microtubule Structure and Dynamics“, NWO, Niederlande
  • seit 2018 Mit-Initiatorin, European Synthetic Cell Initiative
  • 2017-2027 Antragstellerin sowie Koordinatorin, Gravitation Consortium „Building a Synthetic Cell“, NWO, Niederlande
  • 2015-2020 Beteiligte Wissenschaftlerin, Advanced Grant „A nanophysics approach to synthetic cell division (SynDiv)“, European Research Council (ERC)
  • 2014-2020 Principal Investigator, Synergy Grant „MODELCELL: Building a Model Cell to Achieve Control of Cellular Organization“, ERC
  • 2007-2011 VICI Award, Talent Programme, NWO, Niederlande

  • seit 2025 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2023 Knight, Order of the Netherlands Lion, Willem-Alexander, Koning der Nederlanden, Niederlande
  • 2019 Fellow, Biophysical Society, USA
  • 2018 Spinoza Preis, NWO, Niederlande
  • 2017 Suffrage Science Award for Women in Engineering and Physical Sciences, MRC (Medical Research Council) London Institute of Medical Sciences (LMS), London, UK
  • 2016 Gewähltes Mitglied, KNAW, Niederlande
  • 2015 Gewähltes Mitglied, Academia Europaea
  • 2015 Physicaprijs van de NNV en de Stichting Physica, Netherlands‘ Physical Society (NNV), Amsterdam, Niederlande
  • 2013 Gewähltes Mitglied, European Molecular Biology Organization (EMBO)

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