Prof. Dr. Melina Schuh

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  • Fachbereich Genetik/Molekularbiologie und Zellbiologie
  • Ort Göttingen, Deutschland
  • Wahljahr 2019

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Entwicklung menschlicher Eizellen, Zellbiologie, Meiose, Chromosomentrennung, Spindelapparat

Melina Schuh ist eine deutsche Biochemikerin, deren Forschung wesentlich zum Verständnis der Entwicklung und Teilung von Säugetier-Eizellen beigetragen hat. Im Zentrum ihrer Arbeiten steht die Frage, weshalb es bei der Entstehung von Oozyten so häufig zu Fehlern in der Chromosomentrennung kommt, die zu den Hauptursachen für Fehlgeburten, einer Störung der Chromosenzahl und der altersabhängigen Abnahme weiblicher Fruchtbarkeit zählen.

Bereits früh etablierte Melina Schuh hochauflösende Lebendzellmikroskopie-Verfahren, mit denen sich die meiotische Teilung erstmals direkt in lebenden Maus-Oozyten verfolgen ließ. Diese Arbeiten ermöglichten detaillierte Einblicke in die Bildung und Organisation des Spindelapparats, eines dynamischen Protein-Filament-Systems, das für die korrekte Trennung der Chromosomen verantwortlich ist. Dabei konnte Melina Schuh zeigen, dass sich Säugetier-Eizellen asymmetrisch teilen: Nahezu das gesamte zytoplasmatische Material verbleibt in der später befruchtungsfähigen Eizelle, während überschüssige Chromosomen in einem kleinen Polkörper ausgeschleust werden.

Melina Schuhs Labor entwickelte zudem systematische Verfahren zur Analyse der Meiose, darunter den ersten High-Content-Screen für meiotische Gene in Maus-Oozyten. Aufbauend auf diesen Arbeiten gelang es dem Team, Methoden zu etablieren, mit denen sich die Meiose erstmals auch in lebenden menschlichen Eizellen untersuchen ließ. Diese Studien zeigten, dass die Entwicklung menschlicher Eizellen langsamer, komplexer und deutlich störungsanfälliger verläuft als bislang angenommen wurde. Insbesondere der Spindelapparat erwies sich als ungewöhnlich instabil und häufig fehlerhaft mit den Chromosomen assoziiert, was das korrekte Ausschleusen von Chromosomen vor der Befruchtung erheblich erschwert.

Die Untersuchungen lieferten auch Hinweise darauf, dass Chromosomen in menschlichen Oozyten mit zunehmendem Alter strukturell destabilisiert werden. Diese Veränderungen begünstigen fehlerhafte Anlagerungen an die Spindel und erhöhen damit das Risiko falscher Chromosomentrennungen. Melina Schuhs Team entwickelte mit Trim-Away eine neuartige, breit einsetzbare Methode zum gezielten Abbau endogener Proteine. Diese Technik eröffnete erstmals die Möglichkeit, Proteinfunktionen auch in unbefruchteten menschlichen Eizellen direkt zu untersuchen.

Neben der meiotischen Teilung widmet sich Melina Schuh dem bislang wenig verstandenen Prozess des Eisprungs. Mithilfe von Lebendzellmikroskopie gelang es ihrem Labor, den gesamten Eisprung in isolierten Mausfollikeln mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung in Echtzeit sichtbar zu machen. Dabei zeigte sich, dass der Eisprung in drei klar unterscheidbare Phasen gegliedert ist: eine durch Hyaluronsäure initiierte Follikel-Ausdehnung, eine aktive Kontraktion durch glatte Muskelzellen und schließlich die Öffnung des Follikels mit der Freisetzung von Follikelflüssigkeit, Kumuluszellen und Eizelle. Diese Arbeiten verdeutlichten, dass der Eisprung ein robuster, weitgehend autonomer Prozess ist, dessen Steuerungsinformationen im Follikel selbst enthalten sind. 

Melina Schuhs Arbeit verbindet hochentwickelte Mikroskopie, biochemische und molekularbiologische Methoden mit quantitativen und mathematischen Ansätzen. Ihre Ergebnisse liefern nicht nur grundlegende Einsichten in die Zellbiologie der Fortpflanzung, sondern eröffnen auch Perspektiven für die Verbesserung assistierter Reproduktionstechnologien. Langfristig könnten diese Erkenntnisse dazu beitragen, die Erfolgschancen der In-vitro-Fertilisation zu erhöhen und die Ursachen altersabhängiger Fruchtbarkeitsverluste besser zu verstehen.

  • seit 2025 Mitgründerin, Vorsitzende des Boards sowie Wissenschaftliche Beraterin, Ovo Labs GmbH, München, und Ovo Labs Ltd., London, UK
  • seit 2025 Geschäftsführende Direktorin, Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften (MPI-NAT)
  • seit 2023 Honorarprofessorin, Georg-August-Universität Göttingen
  • seit 2015 Direktorin, Abteilung „Meiose“, Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften (bis 2022: Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie), Göttingen
  • 2014-2015 Program Leader, MRC Laboratory of Molecular Biology, Cambridge, UK
  • 2010-2014 Program Leader „Track“, MRC Laboratory of Molecular Biology, Cambridge, UK
  • 2008-2010 Senior Investigator Scientist, MRC Laboratory of Molecular Biology, Cambridge, UK
  • 2008 Postdoktorandin, Forschungsgruppe Jan Ellenberg, European Molecular Biology Laboratory (EMBL), Heidelberg
  • 2008 Promotion, EMBL Heidelberg und Universität Heidelberg
  • 2004-2008 Doktorandin, EMBL, Heidelberg
  • 2004 Diplom in Biochemie, Universität Bayreuth

  • seit 2023 Leiterin, Task Force, Max Planck Postdoc Programm, Max-Planck-Gesellschaft (MPG), München
  • seit 2022 Mitglied, Editorial Board, Current Biology
  • seit 2022 Mitglied, Jury „Hermann-Neuhaus-Award“, MPG, München
  • seit 2020 Mitglied, Editorial Board, Current Opinion in Cell Biology
  • seit 2020 Mitglied, Advisory Board, Max Planck BioImaging
  • seit 2019 Mitglied, Advisory Council, Global Consortium for Female Reproductive Longevity and Equality
  • seit 2018 Mitglied, Editorial Board, Seminars in Cell and Developmental Biology
  • seit 2017 Mitglied, Auswahlgremium „Free-Floater Forschungsgruppenleiter“, MPG, München
  • seit 2017 Mitglied, verschiedene Stammkommissionen, MPG, München
  • seit 2016 Mitglied, Kommission für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung, MPG, München
  • seit 2014 Mitglied, Editorial Advisory Board, Journal of Cell Science
  • 2010-2015 Beteiligte, Outreach-Programm „Meeting of Minds“

  • seit 2023 Beteiligte Wissenschaftlerin, Graduiertenkolleg (GRK) 2756 „Cytoskeletal elements of active matter – from molecular interactions to cellular biophysics (CYTAC)“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • seit 2019 Beteiligte Wissenschaftlerin, Exzellenzcluster (EXC) 2067 „Multiscale Bioimaging: from Molecular Machines to Networks of Excitable Cells (MBExC)“, DFG
  • 2010-2015 Beteiligte Wissenschaftlerin, Collaborative Grant „MitoSys – Systems Biology of Mitosis“, 7. Forschungsrahmenprogramm, Europäische Kommission (EC)

  • seit 2026 Mitglied, Royal Society, UK
  • 2026 Carus-Medaille, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2026 Max-Planck-Gründungspreis des Stifterverbandes (Ovo Labs), Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und MPG
  • 2025 Science Breakthrough of the Year (Life Sciences), Falling Walls Foundation, Berlin
  • 2025 Theodor Boveri Lecture Award, Universität Würzburg
  • 2025 Mendel Lecture Award, Masaryk University, Brno, Tschechien
  • 2025 Winner, Eli Lilly Grand Challenge (Ovo Labs), Eli Lilly and Company (USA) und Nucleate (USA)
  • 2025 Finalist, Specialized Stream „Health“ (Ovo Labs), Creative Destruction Lab (CDL), Toronto, Kanada
  • 2024 Rising Star (Ovo Labs), Founders Forum Group
  • 2023 Richard D. Berlin Lecture, University of Connecticut (UConn), USA
  • 2023 Peter-Hemmerich-Vorlesung, Universität Konstanz
  • 2022 Margaret Prine Joy Lecture Award, Magee-Womens Research Institute, Pittsburgh, USA
  • 2020 Maclyn McCarty Memorial Lecture Award, Rockefeller University, New York, USA
  • seit 2019 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2019 Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • 2019 Colworth Medal, Biochemical Society, UK
  • 2018 Gold Medal, EMBO
  • 2016 BINDER Innovationspreis, Deutsche Gesellschaft für Zellbiologie (DGZ)
  • seit 2016 Mitglied, EMBO
  • 2015 John Kendrew Prize, EMBL, Heidelberg
  • 2014 Lister Institute Research Prize, London, UK
  • 2014 Early Career Award, Biochemical Society, UK
  • 2013-2015 Young Investigator Programme, EMBO
  • seit 2013 Mitglied, AcademiaNet

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