Prof. Dr. Patrick Meybohm
- Fachbereich Chirurgie, Orthopädie und Anästhesiologie
- Ort Würzburg, Deutschland
- Wahljahr 2025
Forschung
Forschungsschwerpunkte: Anästhesiologie, Intensivmedizin, Sepsis, Blutgesundheit, Klinische Studien
Patrick Meybohm ist Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Sein Ziel ist es, Risiken bei großen chirurgischen Eingriffen und in der Intensivtherapie zu verringern und damit die Grundlage für eine moderne, evidenzbasierte perioperative Medizin zu schaffen. Ebenso widmet er sich der klinischen Forschung, um wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis zu übertragen.
Im Mittelpunkt seiner Forschung steht das Patient Blood Management (PBM), ein Konzept, das auf drei Säulen beruht: Anämien vor geplanten Eingriffen rechtzeitig erkennen und behandeln, intraoperative Blutverluste möglichst gering halten, und Bluttransfusionen ausschließlich nach klar belegten Kriterien durchführen. Auf diese Weise werden Patientinnen und Patienten optimal auf eine Operation vorbereitet, die Sicherheit des Eingriffs steigt und die Abhängigkeit von Fremdblutkonserven nimmt deutlich ab.
Einen wichtigen epidemiologischen Beitrag leistet Patrick Meybohm mit der internationalen Studie „PreoperativeAnaemia prevaLence un surgical patiEnts (ALICE)", in der erstmals Häufigkeit und Ursachen präoperativer Anämien weltweit systematisch erfasst wurden. Die Daten zeigten, dass mehr als ein Drittel der chirurgischen Patientinnen und Patienten anämisch war, jedoch mit ausgeprägten regionalen und ätiologischen Unterschieden. Darauf aufbauend formulierte er mit einem internationalen Expertengremium Grundsätze für die klinische Praxis sowie zentrale Forschungsfragen – von der medikamentösen Therapie der Anämie über blutsparende Operationstechniken bis hin zu „Transfusionsschwellen“, Hämoglobin-Grenzwerten für die Indikation zur Bluttransfusion.
Die Wirksamkeit von PBM in der Praxis konnte Patrick Meybohm durch eine Analyse des deutschen PBM-Netzwerks belegen, in der Daten von 1,2 Millionen Patientinnen und Patienten ausgewertet wurden. Das Ergebnis: In Kliniken, die PBM konsequent implementieren, gingen nicht nur die Transfusionsraten signifikant zurück, sondern auch die Zahl an Infektionen und thromboembolischen Komplikationen sowie die Gesamtsterblichkeit. Ein weiterer Schwerpunkt von Patrick Meybohm ist die Sicherheit blutsparender Verfahren bei onkologischen Eingriffen. Lange bestand die Sorge, dass bei der Rückführung von während einer Operation aufbereitetem Patientenblut Tumorzellen übertragen werden könnten. Patrick Meybohm konnte zeigen, dass sich diese Zellen mit effektiven Filtern und antikörperbasierten Methoden zuverlässig entfernen lassen. Die multizentrische REMOVE-Studie markiert hier einen entscheidenden Fortschritt und eröffnet Krebspatientinnen und -patienten den Zugang zu PBM-Strategien.
Darüber hinaus erforscht Patrick Meybohm die Funktion von Thrombozyten während einer extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO). Diese Therapieform kommt bei schwerem Lungenversagen, etwa im Rahmen von COVID-19, zum Einsatz. Seine Arbeitsgruppe konnte nachweisen, dass Veränderungen an Thrombozytenrezeptoren das Blutungsrisiko erhöhen und mit ungünstigen Verläufen assoziiert sind. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für neue Ansätze zur Verbesserung der Sicherheit der ECMO-Therapie.
Seine Arbeit verbindet Grundlagenforschung, Leitlinienarbeit und Versorgungsforschung. Patrick Meybohm zeigt, dass eine moderne Intensiv- und Perioperativmedizin nicht nur das Leben von Patientinnen und Patienten retten kann, sondern auch durch präzise, überprüfbare Prozesse Sicherheit, Qualität und Wirtschaftlichkeit miteinander vereinen kann.
Werdegang
- seit 2020 Professor und Direktor, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Würzburg, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
- 2012-2019 Oberarzt, Leitender Oberarzt, Stellvertretender Direktor, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Frankfurt, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
- 2011 Zusatzbezeichnung Intensivmedizin
- 2009 Habilitation für Anästhesiologie, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
- 2009 Facharzt für Anästhesiologie
- 2004 Approbation als Arzt
- 2004 Promotion in Humanmedizin, Georg-August-Universität Göttingen
- 2003-2012 Arzt im Praktikum, Assistenzarzt, Facharzt und Oberarzt, Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Campus Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
- 1997-2003 Studium der Humanmedizin, Georg-August-Universität Göttingen
Funktionen
- seit 2025 Gründungsmitglied und Sprecher, German Society of Anaesthesiology and Intensive Care (GSAIC) Trials Group, Deutsche GesellschaŌ für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI)
- 2025-2030 Gründungsmitglied und Sprecher, Fachnetzwerk „Intensivmedizin“, Koordinierungsstelle Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), Charité – Universitätsmedizin, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
- seit 2024 Mitglied, Vorstand, Network for the Advancement of PaƟent Blood Management, Haemostasis and Thrombosis (NATA), Brüssel, Belgien
- seit 2024 Mitglied, Vorstand, Deutsche Sepsis Gesellschaft (DSG)
- seit 2023 Mitglied, Ständiger Arbeitskreis, Wissenschaftlicher Beirat „Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten“, Bundesärztekammer
- seit 2020 Mitglied, Vorstand, Deutsches Qualitätsbündnis Sepsis (DQS)
- 2020-2024 Mitglied, Research Committee, European Society of Anaesthesiology and Intensive Care (ESAIC)
Projekte
- 2023-2025 Leiter, Klinische Studie „Die virtuelle Vorbereitung auf eine Operation (TelePeriOP) – Vermeidung verzichtbarer Vor-Ort-Besuche durch Telemedizin und Expertensysteme“, Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
- 2020-2023 Leiter, Klinische Studie „KI-augmentierte perioperative Entscheidungsunterstützung (KIPeriOP)“, BMG
- 2019-2025 Leiter, Klinische Studie „Effect of high-dose vitamin D3 on 28-day mortality in adult critically ill patients with severe vitamin D deficiency (VITDALIZE Study)“, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
- 2019-2025 Leiter, Klinische Studie „Preoperative Anaemia prevaLence In surgiCal patiEnts (ALICE)“, Patient Blood Management, Universitätsklinikum Frankfurt, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, sowie Universitätsklinikum Würzburg, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
- 2016-2026 Leiter, Klinische Studie „Liberal transfusion strategy to prevent mortality and anaemia-associated, ischaemic events in elderly non-cardiac surgical patients (LIBERAL-Trial)“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- 2010-2013 Antragsteller und Principal Investigator, Klinische Studie „Remote Ischaemic Preconditioning for Heart Surgery (RIPHeart Study)“, DFG
Auszeichungen und Mitgliedschaften
- seit 2025 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
- seit 2023 Fellow, European Society of Anaesthesiology and Intensive Care (ESAIC)
- 2018 Publikationspreis, Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)
- 2017 Julius-Springer-Award, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
- 2016 Deutscher Preis für Patientensicherheit, Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS), Bonn
- 2016 ESA Prize in Anaesthesia and Intensive Care Medicine, European Society of Anaesthesiology (ESA, heute: ESAIC)
- 2016 Franz-Koehler Inflammation Award, DGAI
- 2013 Karl-Thomas-Preis, DGAI
- 2009 Klinisch-Wissenschaftlicher Forschungspreis, DGAI