Prof. Dr. Simon Alberti
- Fachbereich Biochemie und Biophysik
- Ort Dresden, Deutschland
- Wahljahr 2026
Forschung
Forschungsschwerpunkte: Zellphysiologie, biomolekulare Kondensate, Protein-Aggregation, Proteinqualitätskontrolle, Stressantworten, molekulare Chaperone, Prione, Demenz
Simon Alberti ist ein deutscher Biologe. Er erforscht, wie Zellen unter Stress und im Alter ihre molekularen Netzwerke reorganisieren, um funktionsfähig zu bleiben. Im Mittelpunkt stehen dynamische, membranlose Zellstrukturen, deren versagende Kontrollmechanismen zu Proteinablagerungen und Erkrankungen wie Demenz beitragen können. Um grundlegende Mechanismen von Gesundheit, Alterung und Krankheit zu entschlüsseln, nutzt seine Arbeitsgruppe zellbiologische, biochemische, biophysikalische und genetische Ansätze.
Viele wichtige biochemische Reaktionen finden im Zytoplasma statt. Über die Organisation des Zytoplasmas ist noch sehr wenig bekannt. Das Team um Simon Alberti hat sich zum Ziel gesetzt, aufzuklären, wie Zellen ihre innere Organisation dynamisch an wechselnde Bedingungen anpassen und welche Mechanismen dabei im Alter versagen. Im Mittelpunkt stehen sogenannte biomolekulare Kondensate – membranlose Zellkompartimente, die durch viele schwache Wechselwirkungen zwischen Proteinen und Nukleinsäuren entstehen. Diese Strukturen ermöglichen es Zellen, biochemische Prozesse räumlich und zeitlich flexibel zu organisieren, insbesondere unter Stressbedingungen.
Die Arbeitsgruppe von Simon Alberti untersucht die molekularen Prinzipien, die die Bildung, Dynamik und Auflösung solcher Kondensate steuern. Insbesondere möchte sie Erkenntnisse gewinnen, wie multivalente Interaktionsnetzwerke, also Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Zellbestandteilen, im gesunden Zustand funktionieren – und wie diese Balance durch Alterung gestört wird. Mit ihren Arbeiten konnte die Gruppe nachweisen, dass Zellen aktiv Energie, Qualitätskontrolle und kontinuierlichen molekularen Umsatz nutzen, um eine schädliche Veränderung von Proteinkomplexen zu verhindern. Versagt diese Kontrolle, können Fehlfaltung, Aggregation und toxische Ablagerungen entstehen, wie sie für neurodegenerative Erkrankungen charakteristisch sind.
Methodisch verbindet die Forschung von Simon Alberti biochemische Rekonstitution mit quantitativer Zellbiologie, Biophysik und modernen mikroskopischen Verfahren. Ziel ist es, allgemeine physikalisch-biologische Prinzipien der Zellorganisation zu entschlüsseln und zu verstehen, wie deren Zusammenbruch zu Alterungsprozessen und Erkrankungen beiträgt. Langfristig sollen diese Erkenntnisse neue Ansatzpunkte für therapeutische Strategien gegen altersassoziierte neurodegenerative Erkrankungen liefern.
Werdegang
- 2022-2024 Direktor, Biotechnologisches Zentrum (BIOTEC), Center for Molecular and Cellular Bioengineering (CMCB), Technische Universität (TU) Dresden
- 2019-2022 Stellvertretender Direktor, CMCB, TU Dresden
- seit 2018 Professor für zelluläre Biochemie, BIOTEC, CMCB, TU Dresden
- 2016-2018 Honorarprofessor, BIOTEC, CMCB, TU Dresden
- 2016-2018 Leiter, Forschungsgruppe, Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI), Dresden
- 2010-2015 Leiter, Junior-Forschungsgruppe, Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI), Dresden
- 2005-2010 Postdoktorand, Whitehead Institute for Biomedical Research, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA
- 2004 Promotion in Biologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Funktionen
- seit 2026 Co-Sprecher, Graduiertenkolleg 3120 (GRK) „Biomolekulare Kondensate: Von der Physik zu Biologischen Funktionen“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
- seit 2020 Mitglied, Fachkollegium „Sektion 201“, DFG
- seit 2019 Scientific Advisor, Dewpoint Therapeutics, Boston, USA
Projekte
- seit 2026 Beteiligter Wissenschaftler, GRK 3142 „Die Entstehung biologischer Materialien“, DFG
- seit 2025 Co-Sprecher, Forschungsgruppe (FOR) 5872 „Chaperon-vermittelte Regulation von krankheitsverursachenden amyloiden Proteinkonformationen in biomolekularen Kondensaten“, DFG
- seit 2025 Leiter, Teilprojekt „Die Rolle molekularer Chaperone bei der Gestaltung der Assemblierungslandschaft von TDP-43“, FOR 5872, DFG
- seit 2023 Leiter, Teilprojekt „Biomolekulare Kondensate als Sensoren von Nukleinsäuren“, Transregio (TRR) 237, DFG
- seit 2022 Leiter, Sachbeihilfe „Phasentrennung als Überlebensstrategie: Stressschutz durch Translationsfaktor-Kondensate“, DFG
- seit 2019 Leiter, Teilprojekt „Molekulare Mechanismen und physiologische Funktionen von DNA-Schadenskondensaten“, Schwerpunktprogramm (SPP) 2191, DFG
- seit 2019 Beteiligter Wissenschaftler, Exzellenzcluster (EXC) 2068 „Physik des Lebens – Die dynamische Organisation lebender Materie“, DFG
- 2019-2023 Leiter, Teilprojekt „Entwicklung eines kombinierten Fluoreszenz, Optische Beugungstomographie und Brillouin (FOB) Mikroskops für die quantitative Untersuchung von Phasenübergängen in Zellen“, SPP 2191, DFG
- 2017-2024 Principal Investigator, Consolidator Grant „PhaseAge: The chemistry and physics of RNP granules: how they form, age and cause disease“, European Research Council (ERC)
- 2017-2020 HFSP Program Grant Award „Elucidating the molecular logic of membrane-free compartment function and assembly“, Human Frontier Science Program (HFSP), HFSP Organization
- 2017-2020 Koordinator, Forschungsverbund „PDdementia – klinisch-korrelierte iPS-Zellmodelle zur Identifizierung von Wirkstoffen gegen den kognitiven Verfall im Endstadium der Parkinsonkrankheit“, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
- 2016-2019 Koordinator, Research Grant „Stress granules and proteostasis in motor neurons: towards a mechanistic understanding of ALS“, Joint Programme – Neurodegenerative Disease Research (JPND), Europäische Union (EU)
- 2005-2008 Leiter, Forschungsstipendium „Assessing the functional multiplicity of prion-based epigenetic inheritance in the yeast Saccharomyces cerevisiae and elucidating the impact of prions on the biology and the evolution of yeast“, DFG
Auszeichungen und Mitgliedschaften
- seit 2026 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
- seit 2023 Mitglied, European Molecular Biology Organization (EMBO)
- 2021-2025 Highly Cited Researcher Cross-Field, Clarivate Analytics, London, UK
- 2016 Gibco Emerging Leader Award Finalist, American Society for Cell Biology (ASCB), Denver, USA
- 2009 Margaret and Herman Sokol Postdoctoral Award, The Sokol Institute, Montclair State University, Montclair, USA
- 2006 Forschungsstipendium, DFG