Prof. Dr. Thomas Boehm

Vizepräsident der Leopoldina

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  • Fachbereich Humangenetik und Molekulare Medizin
  • Ort Freiburg (Br.), Deutschland
  • Wahljahr 2002

Forschung

Forschungsschwerpunkte: Immunsystem, Thymus, T-Zell-Entwicklung, molekulare Grundlagen des Immunsystems, neue Therapieansätze bei immunologischen Erkrankungen 
Thomas Boehm ist ein deutscher Mediziner und Immunbiologe, der die molekularen Grundlagen des Immunsystems sowie dessen evolutionäre Entwicklung erforscht. Der Wissenschaftler konnte entscheidende Mechanismen der T-Zell-Entwicklung aufklären und die molekularen Grundlagen verschiedener Immunschwächekrankheiten identifizieren. Mit seiner Forschung trägt er wesentlich dazu bei, neue Diagnoseverfahren und Behandlungsansätze für Immunerkrankungen zu finden.
Im Mittelpunkt von Boehms Forschung steht die adaptive Immunität, die den Körper vor Krankheitserregern wie Viren und Bakterien schützt. Diese spezifische Immunantwort beruht auf einem fein abgestimmten Mechanismus, bei dem spezialisierte T- und B-Lymphozyten Fremdsubstanzen gezielt erkennen und attackieren. Gleichzeitig bilden diese Zellen ein immunologisches Gedächtnis aus, um bei erneutem Kontakt schneller auf bekannte Krankheitserreger reagieren zu können.
Für die Entwicklung der T-Zellen ist bei allen Wirbeltieren der Thymus von entscheidender Bedeutung. Der Thymus fungiert als Trainingslager für T-Zellen und lehrt sie, fremde von körpereigenen Zellen zu unterscheiden. Thomas Boehm gelang es, grundlegende Mechanismen der T-Zell-Entwicklung aufzuklären und die beteiligten Gene zu identifizieren. Bereits zu Beginn seiner Forschung entdeckte er das Gen FOXN1, das die Entwicklung und Organisation der Zellen an der inneren Wand des Thymus steuert und so die Ausbildung der T-Zellen ermöglicht. Neben der Aufklärung der molekularen Grundlagen verschiedener Formen von Immundefizienz entdeckte Boehm auch die ersten Onkogene bei T-Zell-Leukämien.
Das Forschungsteam um Thomas Boehm untersucht das Immunsystem an verschiedenen Modellorganismen, um Gemeinsamkeiten zwischen urzeitlichen Kreaturen wie dem Neunauge und Säugetieren wie Mäusen und Menschen zu erkennen. Ihr besonderes Interesse gilt Arten, die sich an Schlüsselpositionen im Stammbaum der Wirbeltiere befinden, um die evolutionären Übergänge zu rekonstruieren, die im Laufe von 500 Millionen Jahren zur komplexen Palette an Immunstrukturen bei Säugetieren führten. Durch diese vergleichenden Studien konnte Thomas Boehm Eigenschaften der Immunsysteme aller Wirbeltiere ermitteln und Grundlagen der Anpassungsfähigkeit herausarbeiten.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung ist die Untersuchung des evolutionären Ursprungs des Major Histocompatibility Complexes (MHC), der eine entscheidende Rolle bei der Präsentation von Proteinfragmenten aus Zellen, Viren oder Bakterien spielt. Diese Präsentation ermöglicht es dem Immunsystem, zwischen körpereigenen und körperfremden Substanzen zu differenzieren.
Das übergeordnete Ziel von Thomas Boehms Forschung ist es, grundlegende Mechanismen des Immunsystems zu verstehen und deren Funktion, wenn notwendig, auszugleichen oder zu ersetzen. So könnten bei Autoimmunerkrankungen fehlerhafte Angriffe auf körpereigenes Gewebe korrigiert werden. Boehm arbeitet daran, künstliches Thymusgewebe im lebenden Organismus zu induzieren, um die Auswirkungen erkrankten Gewebes abzumildern.

  • seit 2024 Emeritus Forschungsgruppenleiter, Max-Planck-Institut für Biologie, Tübinge
  • 1998-2024 Direktor, Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg
  • seit 1998 Honorarprofessor, Medizinische Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • seit 1998 Wissenschaftliches Mitglied, Max-Planck-Gesellschaft, München sowie Direktor, Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg
  • 1994-1997 Professor für Experimentelle Therapie, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • 1991-1994 Professor für Molekulare Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • 1989-1991 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, MRC Laboratory of Molecular Biology, Cambridge, UK
  • 1988 Habilitation für das Fach Biologische Chemie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 1987-1988 Gastwissenschaftler, MRC Laboratory of Molecular Biology, Cambridge, UK
  • 1982-1986 Wissenschaftlicher Assistent, Zentren für Kinderheilkunde und Biologische Chemie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 1982 Promotion zum Dr. med., Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 1975-1982 Studium der Humanmedizin, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

  • seit 2025 Vizepräsident, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • seit 2018 Vorsitzender, Stiftungsrat, Paul-Ehrlich-Stiftung, Frankfurt am Main

  • 2025-2030 Leiter, Reinhart Koselleck Projekt „Das adaptive Immunsystem kieferloser Wirbeltiere“, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)  
  • 2019-2024 Principal Investigator, Advanced Grant „Towards identification of the unifying principles of vertebrate adaptive immunity“, European Research Council (ERC)seit
  • 2019 Leiter, Teilprojekt „Molekulare Voraussetzungen für die Bildung eines selbst-toleranten Repertoires an T-Zellrezeptoren“, Sonderforschungsbereich (SFB) 1160, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)  
  • 2015-2018 Leiter, Teilprojekt „Molekulare Basis der Antigenerkennung durch variable Lymphozytenrezeptoren“, SFB 746, DFG
  • 2015-2019 Leiter, Teilprojekt „Somatische Diversifikation eines transgenen T-Zellrezeptors zur Steigerung antiviraler Immunität und Verhinderung von Immunpathologie“, SFB 1160, DFG
  • 2013-2018 Principal Investigator, Advanced Grant „Thymopoiesis: From evolutionary origins to future therapies“, ERC
  • 2009-2013 Leiter, Teilprojekt „Molekulare Mechanismen der Thymusbesiedlung: Rekonstruktion der Nische im Thymus“, SFB 620, DFG
  • 2004-2012 Leiter, Teilprojekt „Signale bei der Erhaltung und Differenzierung thymischer epithelialer Progenitorzellen“, SFB 592, DFG
  • 2002-2009 Leiter, Teilprojekt, „Genetische Analyse der Thymusentwicklung bei Vertebraten“, SFB 620, DFG
  • 1993-1995 Leiter, Teilprojekt „Bedeutung der GM-CSF- und IL-3-Gene für die hämatopoetische Differenzierung in der Maus“, SFB 364, DFG
  • 1991-1994 Projekt „Genetische Grundlage der Nacktmaus-Mutation“, DFG

  • 2024 Gregor-Mendel-Medaille, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • 2021 Heinrich-Wieland-Preis, Boehringer Ingelheim Stiftung, Mainz
  • seit 2021 Mitglied, American Academy of Arts and Sciences, USA
  • 2020 Deutscher Immunologie-Preis, Deutsche Gesellschaft für Immunologie
  • 2014 Ernst Jung-Preis für Medizin, Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung, Hamburg
  • seit 2012 Mitglied, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • seit 2002 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
  • seit 2002 Mitglied, European Molecular Biology Organization (EMBO)
  • 1997 Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, DFG
  • 1992 Wilhelm Warner-Preis für Krebsforschung, Wilhelm-Warner-Stiftung, Hamburg
  • 1992 Else und Rudolf Kern-Preis für Krebsforschung
  • 1987 Forschungspreis (gemeinsam mit Dusan Drahovsky), Kind-Philipp-Stiftung für Leukämieforschung Essen
  • 1987 Fritz Acker-Preis für onkologische Forschung, Fritz-Acker-Stiftung, Bad Homburg

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