Prof. Dr. Thomas D. Seeley
- Fachbereich Organismische und Evolutionäre Biologie
- Ort Ithaca, NY, Vereinigte Staaten
- Wahljahr 2019
Forschung
Forschungsschwerpunkte: Verhaltensbiologie, Soziobiologie, Evolution, Honigbienen, Schwarmverhalten, Schwarmintelligenz
Thomas D. Seeley ist ein US-amerikanischer Verhaltensbiologe, dessen Forschung sich auf das Sozialleben, das Verhalten und die Ökologie von Honigbienen konzentriert. Vor allem interessiert er sich dafür, wie diese Insekten zusammenarbeiten, kommunizieren und Entscheidungen treffen. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Konzepts der Schwarmintelligenz. Zudem hat der Forscher, der seit seiner Jugend als Hobby-Imker tätig ist, neue Konzepte zur Bienenhaltung entwickelt.
Ein Bienenvolk ist aus Sicht von Thomas Seeley nicht nur eine Ansammlung von Einzeltieren. Vielmehr handelt es sich um einen „Superorganismus“, in dem alle Mitglieder als Einheit zusammenarbeiten, ihr Wissen teilen und so gemeinsam erfolgreich sind. Von 1980 bis 1995 hat er zum Beispiel untersucht, wie dieses kollektive Verhalten beim Sammeln von Nahrung funktioniert. Dabei ging es insbesondere darum, wie sich die Insekten über eine Landschaft verteilen. Seine Ergebnisse veröffentlichte er 1995 in dem Buch „Honigbienen: Im Mikrokosmos des Bienenstocks“.
Eine weitere Facette der Schwarmintelligenz, mit der sich Thomas Seeley befasst hat, ist die Nistplatzwahl der Honigbienen. Über einen Zeitraum von 15 Sommern untersuchte er von 1995 bis 2010, wie sich ein Schwarm für seinen künftigen Heimatstandort entscheidet. Dazu hat er die Schwänzeltänze, mit denen die Tiere Botschaften an ihre Artgenossinnen übermitteln, auf Video aufgezeichnet und „übersetzt“. Auf diese Weise hat Thomas Seeley herausgefunden, dass einige hundert Kundschafterbienen eine Art „Debatte“ führen, um aus einem Dutzend möglicher Nisthöhlen die beste auszuwählen.
Nach seinen Erkenntnissen ist diese Entscheidungsfindung im Wesentlichen ein Wettbewerb: Es geht darum, welche Option als erste ein bestimmtes Maß an Unterstützung bei den Kundschafterbienen erhält. Wenn dieses Quorum erreicht ist, spüren die Tiere dies. Dann veranlassen sie den Schwarm, den Zwischenstopp zu verlassen und steuern ihn zu der neuen Heimat. Nach Ansicht von Thomas Seeley führt das Quorum-Prinzip zu einer optimalen Entscheidung. Dabei schlagen einige wenige Kundschafterbienen durch Schwänzeltänze neue Wohnplätze vor. Diese bewertet der Schwarm dann in einem mehrstufigen Prozess, ehe am Ende ein einziger neuer Nistplatz endgültig akzeptiert wird. Diesen Vorgang legte er in seinem 2010 erschienenen Buch „Bienendemokratie“, das großes Interesse fand.
Aus seinen Erkenntnissen hat Thomas Seeley auch Schlüsse auf die Schwarmintelligenz von anderen Arten einschließlich des Menschen gezogen. Demnach zeichnen sich besonders effektive Gruppen sowohl bei Bienen als auch bei Menschen durch fünf Erfolgskriterien aus: Ein vielfältiges Wissen und ein offenes, ehrliches Teilen von Informationen sind demnach ebenso wichtig wie unabhängige Bewertungen, ein unvoreingenommenes Sammeln von Meinungen und eine Führungskultur ohne Dominanz.
Interessant ist die Arbeit von Thomas Seeley auch für die Praxis der Bienenhaltung. So hat er beobachtet, dass es wildlebende Schwärme von Honigbienen gibt, die menschliche Unterstützung Parasiten, Fressfeinden und einem wechselnden Nahrungsangebot trotzen. Daher hat er vorgeschlagen, die Tiere unter möglichst naturnahen Bedingungen zu halten, damit sie ihre im Laufe der Evolution bewährten Überlebensstrategien auch unter menschlicher Imkerei nutzen können.
Werdegang
- seit 2019 Emeritierter Horace White Professor für Biologie, Cornell University, Ithaca, USA
- 2013-2019 Horace White Professor für Biologie, Cornell University, Ithaca, USA
- 2001-2004 Gastprofessor, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
- 1993-2013 Professor für Neurobiologie und Verhalten, Cornell University, Ithaca, USA
- 1986-1993 Außerordentlicher Professor für Neurobiologie und Verhalten, Cornell University, Ithaca, USA
- 1980-1986 Assistenzprofessor für Biologie, Yale University, New Haven, USA
- 1978 Promotion, Harvard University, Cambridge, USA
- 1974 Bachelor in Chemie, Dartmouth College, Hanover, USA
Funktionen
- 2013-2014 Vorsitzender, Department of Neurobiology and Behavior, Cornell University, Ithaca, USA
- 2005-2008 Vorsitzender, Department of Neurobiology and Behavior, Cornell University, Ithaca, USA
Auszeichungen und Mitgliedschaften
- seit 2019 Mitglied, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
- seit 2017 Fellow, American Association for the Advancement of Science
- 2016 Golden Goose Award, The Golden Goose Award Steering Committee, USA
- 2008 Fellow, Animal Behavior Society, Glenview, USA
- 2001 Humboldt-Forschungspreis, Alexander von Humboldt-Stiftung, Bonn
- 2001 Mitglied, American Academy of Arts and Sciences, USA
- 1999 Gold Medal Book Award, Apimondia International Federation of Beekeepers’ Associations
- 1994 James I. Hambleton Memorial Award, Eastern Apicultural Society of North America
- 1993 Fellow, Wissenschaftskolleg zu Berlin
- 1992 Guggenheim Fellowship, John Simon Guggenheim Memorial Foundation, New York City, USA
- 1983 Morse Prize Fellowship, Yale University, New Haven, USA
- 1978-1980 Junior Fellow, Harvard University, Cambridge, USA
- 1974 Elden Bennett Hartshorn Medal, Department of Chemistry, Dartmouth College, Hanover, USA