Interview „Aquakultur ist viel besser als früher“

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Fische wandeln Futtermittel effizienter in Fleisch um als Tiere in konventioneller Haltung. So hat sich Aquakultur zur Alternative für die Versorgung mit tierischen Proteinen entwickelt. Damit befasst sich ein Science Policy Report von Academia Brasileira de Ciências (ABC) und Leopoldina. Adalberto Val und Klement Tockner ML haben die Zusammenarbeit wissenschaftlich koordiniert.

Wer im Supermarkt Fisch kauft, denkt oft, Fisch aus Wildfang sei besser als Zuchtfisch. Der Report sagt nun, dass Aquakultur tatsächlich die bessere Alternative ist.
Adalberto Val: Wild gefangener Fisch kann die heutige Weltbevölkerung nicht ernähren. Wenn wir die Aquakultur nicht ausbauen, werden wir ein Massen-Artensterben erleben. Moderne Aquakultur ist viel besser als früher. Und der Fisch ist schmackhafter.

2022 wurde weltweit erstmals mehr Zuchtfisch als gefangener Fisch konsumiert. Wie kann diese Produktion nachhaltig gestaltet werden?
Klement Tockner: Wichtig ist es, weitgehend geschlossene Kreislaufsysteme zu entwickeln. So können die Abwässer aus der Fischzucht zur Düngung von Pflanzen verwendet werden. In meinem früheren Institut, dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, haben wir den sogenannten Tomatenfisch entwickelt – mit den Fischabwässern haben wir Tomaten wachsen lassen.

Deutschland und Brasilien sind sehr unterschiedlich, nicht nur geografisch, sondern auch in Bezug auf den Fischkonsum. Deutschland importiert 98 Prozent seines Fischs, während die Menschen am Amazonas viel lokal gefangenen Fisch essen.
Val: Für das Amazonasgebiet stimmt das, aber hier leben nur zehn Prozent der brasilianischen Bevölkerung. Der Süden Brasiliens ähnelt eher Deutschland. Dort wird nicht viel Fisch gegessen.

Wie sind Sie beim Projekt der beiden Nationalakademien vorgegangen?
Tockner: Wir hatten einige vorbereitende Webinare, dann fand im Oktober 2023 der Workshop in Berlin mit Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus Brasilien und Deutschland statt. Sie haben das Strategiepapier und die konkreten Empfehlungen gemeinsam verfasst. Wir sind nur die Herausgeber, unsere Rolle war es, ihr Engagement so gut wie möglich zu fördern.

Neue Methoden zur nachhaltigen Fischproduktion zu entwickeln, ist die eine Seite. Die andere ist, Menschen davon zu überzeugen, mehr Fisch zu essen.
Tockner: Zuallererst muss sich die Aquakultur wirtschaftlich lohnen. Wir geben Empfehlungen – Künstliche Intelligenz etwa kann die Effizienz und Effektivität der Aquakultur steigern helfen.
Es geht aber auch um die öffentliche Wahrnehmung. Viele Menschen glauben immer noch, dass wild gefangener Fisch besser schmeckt als Zuchtfisch und zudem gesünder und nachhaltiger ist. Wir empfehlen, Fisch aus Aquakultur in Mensen und in Grundschulen einzuführen, um die Akzeptanz zu erhöhen.

Wie geht es nach der Veröffentlichung des Reports weiter?  
Val: Wir werden versuchen, Politik, Entscheiderinnen und Entscheider sowie die breite Öffentlichkeit zu erreichen. Die Aquakultur könnte den Druck auf den Regenwald immens verringern. In einem großen Land wie Brasilien können junge Forschende diese Informationen ins ganze Land tragen. 
Tockner: Beide Akademien haben einen hervorragenden Ruf. Das Hauptziel der Leopoldina ist es, evidenzbasierte Politikberatung zu leisten. Von unserem ersten Workshop bis zur Veröffentlichung des Policy Reports hat es weit mehr als ein Jahr gedauert. Wir werden dafür sorgen, dass die Arbeit des Nachwuchses breit anerkannt wird. Leider wird das Verfassen solcher Positionspapiere von der wissenschaftlichen Gemeinschaft noch immer nicht genügend gewürdigt.

 

Das Gespräch führte Christoph Drösser

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