Tschöp gilt als einer der international führenden Experten auf dem Gebiet der Diabetes- und Adipositasforschung. Er entwickelte verschiedene Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von Diabetes und Fettleibigkeit, die bereits klinisch erprobt werden. So entdeckte er, dass das Peptid Ghrelin als „Hungerhormon“ fungiert, indem es bestimmte Bereiche des Gehirns über die Verfügbarkeit von Nährstoffen informiert. Basierend auf diesen Erkenntnissen untersuchte Tschöp eine Reihe weiterer Mechanismen, die an der Kommunikation zwischen Bauch und Gehirn, an der Regulierung von Nahrungsaufnahme, am Energie- und Glukose-Metabolismus sowie an der Kontrolle von Körpergewicht und -fettmasse beteiligt sind. Dadurch gelang es ihm, neuartige Hormonchimären zu entwickeln, also künstlich hergestellte Moleküle, die Eigenschaften mehrerer Hormone in sich vereinen. Als Polyagonisten, also als Wirkstoffe, die mehrere Hormonrezeptoren zugleich aktivieren, wirken diese Moleküle unter anderem auf neuronale Netzwerke im Hypothalamus. Mit solchen Wirkstoffen lassen sich Adipositas, Hypercholesterinämie und Insulinintoleranz im präklinischen Modell komplett beseitigen. Mit dem als „Abnehmspritze“ bekannten Medikament Tirzepatid ist 2022 der erste dieser Polyagonisten in den USA zugelassen worden und aktuell versprechen verschiedene klinische Studien, dass weitere Stoffe folgen werden.
2012 wurde Tschöp als erster Mediziner mit einer Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet, mit der er an die Technische Universität München berufen wurde. Tschöp ist Gründungsdirektor für Biomedizin am Helmholtz Pionier Campus in München und Adjunct Professor an der Yale University/USA. Von 2018 bis 2025 war Tschöp wissenschaftlicher Geschäftsführer sowie Sprecher der Geschäftsführung am Helmholtz Zentrum München. Seit 2025 ist er Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Leistungen wurden mit zahlreichen Ehrungen gewürdigt – unter anderem dem Ernst Schering Preis der Schering Stiftung (2023) oder dem Heinrich-Wieland-Preis der Boehringer Ingelheim Stiftung (2023). Die Leopoldina verlieh ihm schon 2017 die Carus-Medaille. 2013 nahm die Leopoldina ihn in die Sektion Agrar- und Ernährungswissenschaften auf.
Der Broermann Medical Innovation Award zählt zu den höchstdotierten Medizinpreisen der Welt und wird in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen. Der mit einer Million Euro dotierte Preis wurde 2024 von Bernard große Broermann, dem Gründer der Asklepios Kliniken, ins Leben gerufen. Die Verleihung des diesjährigen Preises findet am 17. November 2026 in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden statt.
Mitglied im Fokus Broermann Medical Innovation Award 2026 für Matthias H. Tschöp
Mediziner und Leopoldina-Mitglied Matthias H. Tschöp erhält gemeinsam mit Svetlana Mojsov (The Rockefeller University, USA) und Richard DiMarchi (Indiana University, USA) den mit einer Million Euro dotierten Broermann Medical Innovation Award 2026. Ausgezeichnet wird der Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität München für seine herausragenden Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Stoffwechselforschung. Er entschlüsselte zentrale Mechanismen der Gewichtsregulation und entwickelte Medikamente zur Behandlung von Übergewicht. Auf diese Arbeiten geht auch das Medikament Tirzepatid zurück, das als „Abnehmspritze“ bekannt ist.