Europa verfügt über exzellente Wissenschaft. Aber Exzellenz allein entscheidet nicht darüber, ob aus Erkenntnis technologischer, gesellschaftlicher Fortschritt und wirtschaftliche Wertschöpfung entstehen. Entscheidend ist, ob wir Strukturen schaffen, die Kooperation, Tempo, unternehmerisches Handeln und Verantwortung ermöglichen. Zu oft bleibt Transfer abhängig von Einzelpersonen, Zufällen und Projektförderlogiken. Wer Innovation ernst nimmt, muss Transfer als Kernaufgabe des Wissenschaftsystems verstehen – nicht als Zusatzleistung.
Die Landeshochschulgesetze formulieren klar: Transfer gehört zu den Kernaufgaben der Hochschulen und auch für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen gilt: Transfer muss dauerhaft institutionell und mit förderlichen Rahmenbedingungen verankert werden. Dazu gehört ein innovationsfreundlicher Umgang mit geistigem Eigentum. Dazu gehört, Förderinitiativen besser zu verzahnen und Bürokratie abzubauen, wo sie Kooperation verhindert, Ausgründungen verzögert oder Investitionen ausbremst. Wir brauchen wissenschaftliche Qualität. Wir brauchen aber gleichzeitig mehr Strukturen, die aus Qualität Wirkung machen.
Der Blick über die eigenen Grenzen hilft: zum Beispiel nach Eindhoven, wo Universität, Industrie und Region ein produktives Innovationsökosystem geschaffen haben; nach Schweden, wo Kooperation zwischen öffentlicher und privater Hand Innovationskraft stärkt; oder in die USA, wo Kapital, Unternehmertum und Spitzenforschung enger ineinandergreifen.
Zugleich dürfen wir Innovationsförderung nicht länger nur als Aufgabe „der anderen“ beschreiben. Bessere Rahmenbedingungen sind notwendig auf vielen Ebenen: Kapitalzugänge für erfolgreiche Scale-ups, Ausbau der digitalen Infrastruktur, Förderung von Schlüsseltechnologien, schnellere Verfahren und innovationsfreundlichere Regulierung. Die Bundesregierung hat mit der Hightech Agenda eine wichtige Grundlage geschaffen, hier voranzukommen. Aber ein innovationsstärkeres Deutschland entsteht nicht allein durch Strategiepapiere. Es entsteht durch Menschen und Institutionen, die Verantwortung übernehmen und Pläne tatsächlich umsetzen: in Hochschulen, Unternehmen, Stiftungen, Verwaltungen, Regionen und europäischen Netzwerken.
Innovation braucht Gründerinnen und Gründer. Aber sie braucht ebenso Menschen, die Ökosysteme aufbauen, Kooperationen ermöglichen, Verwaltung modernisieren oder gute Ansätze in die Breite bringen. Wer Wissenschaft und Wirtschaft an einen Tisch bringt, handelt ebenso unternehmerisch – auch ohne selbst ein Unternehmen zu gründen. Entscheidend ist daher auch, nicht nur auf perfekte Rahmenbedingungen zu warten, sondern Spielräume zu nutzen.
Nicht zuletzt deshalb freue ich mich auf meine neue Präsidentschaft des Stifterverbandes. Der Stifterverband ist seit mehr als 100 Jahren eine Gemeinschaftsinitiative aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Eine seiner zentralen Aufgaben liegt heute an der Schnittstelle von wissenschaftlicher Exzellenz und wirtschaftlicher wie gesellschaftlicher Wertschöpfung. Er ist gemeinnützig, gemeinwohlorientiert, unabhängig von Brancheninteressen und nah an den Akteuren, die Veränderung möglich machen.
Damit Umsetzung gelingt, brauchen wir ein anderes Verständnis von Strategie. Roadmaps können helfen, die Lücke zwischen Strategie und Umsetzung zu schließen. Das Instrument der Hightech Agenda Deutschland ist ein wichtiger Schritt. Roadmaps müssen dabei den Blick aber konsequent auf Ergebnisse richten: auf technologische Meilensteine, Investitionen, Demonstratoren, Markterfolge und klare Verantwortlichkeiten. Wir brauchen Ownership: Akteure, die Fortschritt orchestrieren und an konkreten Etappen gemessen werden können.
Der Gipfel ist deshalb mehr als ein Ort der Analyse. Hier kann gemeinsame Verantwortung sichtbar werden. Mehr wagen und schneller werden heißt nicht, Sorgfalt aufzugeben. Es heißt, aus Erkenntnis entschlossener Handlung zu machen. Wenn uns das gelingt, kann Deutschland wieder zu einem Land werden, in dem nicht nur Wissen entsteht, sondern Zukunft gestaltet wird.