Den hohen Wert der Wissenschaftsfreiheit betont auch Altbundespräsident Joachim Gauck in einem Videobeitrag, jedoch stehe diese unter Druck: „Wir bewegen uns, auf der einen Seite in Zeiten einer Moderne, die alles an Forschung ermöglicht. Und gleichzeitig gibt es Kräfte, und leider auch in der Demokratie, die Angst haben vor Freiheit in der Forschung und auch in der Lehre.“ Aus diesem Grund brauche es wachsame Forscherinnen und Forscher, die sich als Debattenteilnehmer im öffentlichen Raum einbringen. „Dabei kann die Leopoldina als Nationalakademie wichtige Funktionen übernehmen“, so Gauck weiter.
Wissenschaftliche Erkenntnis sei in Zeiten von Desinformation unverzichtbar, sagt Gauck. „Gerade in unserer Zeit, in der es so viele Fake News in den öffentlichen Debatten gibt, ist die Bedeutung wirklicher engagierter Forscherinnen und Forscher so groß“, erklärt der Bürgerrechtler und Theologe die wichtige Rolle wissenschaftsbasierter Beratung für Politik und Gesellschaft. „Wir müssen neu kämpfen um die Geltung von Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Und das heißt, dass wir dieses mühsame Aufsuchen von Fakten und die Debatten über Faktentreue nicht nur in engen Zirkeln des akademischen Austauschs führen“, so Gauck. Die Politik sei auf die Beratung der Wissenden angewiesen.
Das Video entstand anlässlich des Frühjahrsempfangs von Leopoldina und Leopoldina Akademie Freundeskreis am 14. April 2026 in Halle (Saale). Gauck hielt dort den Festvortrag „Zeiten des geopolitischen Wandels: Eine neue Verantwortung für Europa“.