Matthias H. Tschöp erforscht die molekularen Grundlagen von Stoffwechselkrankheiten und entwickelte verschiedene Wirkstoffkandidaten zur Behandlung von Diabetes und Fettleibigkeit, die bereits klinisch erprobt werden. Er erkannte, dass das Peptid Ghrelin als „Hungerhormon“ fungiert, indem es bestimmte Bereiche des Gehirns über die Verfügbarkeit von Nährstoffen informiert. Basierend auf diesen Erkenntnissen untersuchte Tschöp eine Reihe weiterer Mechanismen, die an der Kommunikation zwischen Bauch und Gehirn, an der Regulierung von Nahrungsaufnahme, am Energie- und Glukose-Metabolismus sowie an der Kontrolle von Körpergewicht und -fettmasse beteiligt sind. Dadurch gelang es ihm, neuartige Hormonchimären zu entwickeln, die unter anderem gezielt auf neuronale Netzwerke im Hypothalamus wirken. Mit diesen sogenannten Polyagonisten lassen sich Adipositas, Hypercholesterinämie und Insulinintoleranz im präklinischen Modell komplett beseitigen. Mit dem als „Abnehmspritze“ bekannten Medikament Tirzepatid ist 2022 der erste dieser Polyagonisten in den USA zugelassen worden und aktuell versprechen verschiedene klinische Studien, dass weitere Stoffe folgen werden.
Nach seinem Studium der Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München wurde Matthias H. Tschöp ebendort 1998 promoviert. Nach Forschungsaufenthalten in den USA und Deutschland arbeitete er ab 2003 als Associate Professor und ab 2009 als Professor und Forschungsdirektor des Cincinnati Diabetes & Obesity Centre an der University of Cincinnati/USA. 2012 wurde er als erster Mediziner mit einer Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet, mit der er an die Technische Universität München berufen wurde. Tschöp ist Gründungsdirektor für Biomedizin am Helmholtz Pionier Campus in München und Adjunct Professor an der Yale University/USA. 2016 sprach ihm der Europäische Forschungsrat einen Advanced Grant zu. Seit 2018 ist Matthias H. Tschöp wissenschaftlicher Geschäftsführer sowie Sprecher der Geschäftsführung am Helmholtz Zentrum München und seit 2023 außerdem Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Seine Leistungen wurden mit zahlreichen Ehrungen gewürdigt – unter anderem mit der Paul-Langerhans-Medaille der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (2019), der Banting Medaille der American Diabetes Association (2023), dem Ernst Schering Preis der Schering Stiftung (2023) sowie dem Heinrich-Wieland-Preis der Boehringer Ingelheim Stiftung (2023). Die Leopoldina verlieh ihm schon 2017 die Carus-Medaille. 2013 nahm die Leopoldina Matthias H. Tschöp in die Sektion Agrar- und Ernährungswissenschaften auf.
Der Hector Wissenschaftspreis wird seit 2009 jährlich von der Weinheimer Hector Stiftung vergeben und ist mit 150.000 Euro dotiert. Er würdigt Professorinnen und Professoren deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen für ihre herausragenden Forschungsleistungen und ihr besonderes Engagement in der Lehre und in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Mit u. a. Magdalena Götz, Klaus-Robert Müller (beide 2023), Christian Haass (2022), Patrick Cramer (2020), Ralf Bartenschlager (2016) und Peter Hegemann (2015) waren in der Vergangenheit bereits mehrere Leopoldina-Mitglieder unter den Preisträgerinnen und Preisträgern. 2024 erhält neben Matthias H. Tschöp auch Leopoldina-Mitglied Stefanie Dehnen den Hector Wissenschaftspreis.
Mitglied im Fokus Hector-Wissenschaftspreis 2024 für Matthias H. Tschöp
Der Mediziner Matthias H. Tschöp erhält den mit 150.000 Euro dotierten Hector Wissenschaftspreis 2024. Damit würdigt die Weinheimer Hector Stiftung den Wissenschaftlichen Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums München für seine außergewöhnlichen Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Diabetes- und Adipositas-Forschung. Hierin gilt Tschöp als einer der international führenden Experten. Er entschlüsselte die zentralen Mechanismen der Gewichtsregulierung und entwickelte Medikamente gegen Übergewicht. Das Medikament Tirzepatid – besser bekannt als „Abnehmspritze“ – geht darauf zurück. Seit 2013 ist Matthias H. Tschöp Mitglied der Leopoldina.