Matthias Hentze hat Pionierarbeit auf dem Gebiet der RNA-Biologie geleistet. Mit seiner Forschungsgruppe am EMBL erforscht er, wie RNA in Zellen kontrolliert wird und wie sie selbst andere Vorgänge in der Zelle steuert.
Die Boten-RNA, kurz mRNA, überträgt Informationen aus der DNA und liefert damit die Vorlage für die lebenswichtige Proteinbiosynthese, also die Herstellung von Proteinen. Hentze erforscht, wie eine Zelle entscheidet, welche Proteine sie herstellt. Denn Zellen müssen ständig regulieren, welche Proteine sie zu welchem Zeitpunkt und in welcher Menge produzieren. Ist diese Steuerung fehlerhaft, können Krankheiten entstehen, beispielsweise Krebs. Im Zentrum von Hentzes Forschung stehen die sogenannten RNA-bindenden Proteine. Das sind Proteine, die direkt an RNA andocken und dadurch beeinflussen, was mit der RNA passiert: ob sie genutzt, verändert, abgebaut oder in ein Protein übersetzt wird.
Hentze und seine Forschungsgruppe konnten außerdem zeigen, dass RNA nicht nur als Botenmolekül für genetische Informationen dient, sondern auch direkt die Aktivität von Proteinen beeinflussen kann. Dabei bindet sich ein RNA-Molekül an ein Protein und verändert dessen Funktion. Für dieses Prinzip prägten sie den Begriff „Riboregulation“.
Darüber hinaus hat Matthias Hentze viel zum Eisenstoffwechsel geforscht. Dabei geht es darum, wie der Körper Eisen aufnimmt, speichert und nutzt. Auch hier spielen RNA und RNA-bindende Proteine eine wichtige Rolle.
Für seine Forschung wurde Hentze bereits vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Mit dem Bundesverdienstkreuz wird ihm nun die höchste Anerkennung zuteil, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Der Verdienstorden wird in acht verschiedenen Stufen verliehen; das Verdienstkreuz am Bande stellt die zweite Ordensstufe dar. Die Auszeichnung wird vom Bundespräsidenten verliehen; überreicht wurde Hentze das Bundesverdienstkreuz von Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner am 2. Juli in Heidelberg.