In seiner Forschung beschäftigt sich Wolfgang Lutz schwerpunktmäßig mit der empirischen Analyse von Geburtenraten, der Modellierung von Voraussagen zur Entwicklung des Bevölkerungswachstums und des Humankapitals sowie der Beziehungen von Bevölkerungs- und Umweltentwicklung. Er konnte zeigen, dass Bildung ein entscheidender Faktor für das Wohlergehen der Bevölkerung sowohl in Ländern des Globalen Südens als auch in Europa ist. Auch die Analyse von Humankapital und ökonomischer Entwicklung ist ein Schwerpunkt seiner Forschung. In einer empirischen Studie verglich er Daten aus 120 Ländern und wies nach, dass weniger die Bildung von Eliten als die breite Ausbildung großer Teile der Bevölkerung ein zentrales Element für die positive Entwicklung des Wohlstands in einer Gesellschaft ist. Von ihm entwickelte Methoden, etwa zur Verknüpfung von Einschulungsraten mit dem Humankapital von erwachsenen Personen, wurden zur Grundlage für das Verständnis der Vorteile von Bildung in Bereichen wie Gesundheit, Wirtschaftswachstum und Geschlechtergerechtigkeit. Seine Arbeit macht Bildung zu einem Schlüsselfaktor in der Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und beeinflusst auch globale wissenschaftliche Bewertungen wie die des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC).
Wolfgang Lutz studierte Theologie, Mathematik und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sowie Statistik an der Universität Wien/Österreich. Nach dem Master und einem Ph.D. in Demografie an der University of Pennsylvania/USA wurde er 1988 in Demografie und Sozialstatistik an der Universität Wien habilitiert. Nach Stationen u. a. als Forschungsdirektor am Österreichischen Institut für Familienforschung in Wien (1995–1998) und als Generalsekretär der International Union for the Scientific Study Population (1998–2001) ist Lutz seit 2002 Direktor am Vienna Institute of Demography (VID) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2008 erhielt er einen Ruf auf die Professur für Sozialstatistik an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien), die er bis zu seinem Wechsel auf Professur für Demografie an der Universität Wien im Jahr 2019 innehatte. Parallel gründete Lutz 2010 das Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital und wurde dessen Direktor. Seit seinem Ruhestand 2024 ist Lutz Distinguished Emeritus Scholar und Sherpa for Asia am International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg/Österreich. Neben der Leopoldina, die ihn 2012 in die Sektion Ökonomik und Empirische Sozialwissenschaften aufnahm, gehört Wolfgang Lutz einer Reihe wissenschaftlicher Gesellschaften an – etwa der US-amerikanischen National Academy of Sciences (seit 2016) und der Academia Europaea (seit 2019). Zudem wurde er bereits mehrfach mit wissenschaftlichen Preisen wie dem Wittgenstein-Preis des Österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung (2010) oder dem Mindel C. Sheps Award der Population Association of America (2016) geehrt.
Der Yidan Prize wird von der gleichnamigen Yidan Foundation vergeben und ist nach dem Unternehmer und Philanthropen Charles Chen Yidan benannt. Er soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler würdigen, die Beiträge zur Verbesserung der Bildungsqualität und zur Erweiterung des Zugangs zum Lernen geleistet haben. Jährlich werden Teams oder Einzelpersonen im Bereich der Bildungsentwicklung und der Bildungsforschung geehrt. Dabei erhalten die Preistragenden über einen Zeitraum von drei Jahren einen nicht zweckgebundenen Projektfonds in Höhe von 15 Millionen Hongkong-Dollar (ca. 1,7 Millionen Euro) sowie eine Goldmedaille und ein Preisgeld in Höhe von weiteren 15 Millionen Hongkong-Dollar. Der Yidan Prize gilt damit als weltweit wichtigster Bildungspreis und als einer der höchstdotierten wissenschaftlichen Auszeichnungen überhaupt.