Der Marshmallow-Test ist eines der bekanntesten psychologischen Experimente. Der Stanford-Forscher Walter Mischel gab ab Ende der 1960er Jahre Vorschulkindern eine Süßigkeit, versprach ihnen aber zwei, wenn sie eine Viertelstunde mit dem Verzehr warten könnten – ein Maß für die Fähigkeit, unmittelbare Bedürfnisse zurückstellen zu können. Was wenige wissen: Schon in den 1950er Jahren hatte Mischel solche Experimente auf Trinidad durchgeführt, um Unterschiede zwischen weißen und schwarzen Kindern zu erforschen. „Dazu gibt es bisher keine historischen Arbeiten“, sagt die Wissenschaftshistorikerin Susanne Schmidt von der Humboldt-Universität zu Berlin.
Susanne Schmidt bekam ein Leopoldina-Stipendium für einen 15-monatigen Aufenthalt in Stanford bei San Francisco, um Mischels Originaldokumente studieren zu können. Am Institut der renommierten Wissenschaftshistorikerin Londa Schiebinger vertiefte sie sich ins Archiv und wohnte in einer interdisziplinären Postdoc-Wohngemeinschaft. Die Zeit in Kalifornien kam ihr vor wie ein „Sommer-Forschungsretreat“, so Schmidt, die inzwischen in Berlin an einem Buch über den Marshmallow-Test arbeitet. Sie will vorerst an der Humboldt-Universität bleiben und sich auch weiter mit politischen und sozialen Zusammenhängen der humanwissenschaftlichen Forschung beschäftigen.
Nils Kurig ist seit Februar am Scripps Research Institute in San Diego in Südkalifornien. Der Chemiker hat sich an seiner Heimatuniversität in Aachen mit chemischen Verfahren zur Energiespeicherung beschäftigt – ein wichtiger Baustein für eine klimaneutrale Energiewirtschaft. Durch Zufall wurde er darauf aufmerksam, dass die Forschungsgruppe in San Diego eines der Verfahren, mit denen er arbeitete, für einen ganz anderen Zweck verwendete: Mithilfe der sogenannten Kolbe-Elektrolyse wird dort die Synthetisierung von Medikamenten-Inhaltsstoffen optimiert. Dieses Vorgehen ist dabei nur eines von vielen Methoden.
Kurig reizte es, über den Tellerrand hinauszuschauen und für zwei Jahre von der anorganischen in die organische Chemie zu wechseln. In San Diego muss er, der in Aachen eine ganze Gruppe leitete, wieder ins Labor wechseln und mit Reagenzgläsern und Lösungsmitteln hantieren. „Das war schon eine ziemliche Umstellung.“
Er hat seine Ehefrau mit in die USA gebracht; Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen zu bekommen, ist nicht einfach – was auch an der enormen Arbeitsbelastung liegt. „Sie sind alle unter extremem Stress, viele arbeiten das Wochenende durch.“ Nach seiner USA-Zeit wird er wahrscheinlich wieder zurück in die Forschung zu erneuerbaren Energien gehen und sich nach einer Stelle als Juniorprofessor oder Junior-Gruppenleiter umsehen.