Prof. Dr. André Lwoff (✝︎)

Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1965

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  • Fachbereich Mikrobiologie und Immunologie
  • Ort Paris, Frankreich
  • Wahljahr 1970

Forschung

André Michel Lwoff war ein französischer Biologe und Virologe. Er gehört zu den Begründern der modernen Molekularbiologie. Nach ihm ist das Bakterium Acinetobacter lwoffii benannt. Für seine Entdeckungen auf dem Gebiet der genetischen Kontrolle der Synthese von Enzymen und Viren wurde er im Jahr 1965 gemeinsam mit den französischen Molekularbiologen François Jacob und Jacques Monod mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

André Lwoff studierte Naturwissenschaften und Medizin und trat bereits als 19-Jähriger ins Pariser Institut Pasteur ein. 1927 erwarb er den medizinischen Abschluss M.D. 1932 folgte die Promotion zum Dr. rer nat. Im Anschluss ging er mit einem Stipendium der US-amerikanischen Rockefeller Foundation für ein Jahr ans Kaiser-Wilhelm-Institut nach Heidelberg, wo er im Labor von Otto Meyerhof (Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1922) tätig war. Dort beschäftigte er sich mit der Entwicklung von Geißeltierchen. 1936 verbrachte er – abermals mit finanzieller Unterstützung der Rockefeller Foundation – sieben Monate an der University of Cambridge, UK.

1938 übernahm er die Leitung der Abteilung für Mikrobenphysiologie am Institut Pasteur in Paris. Dort entstanden unter anderem Arbeiten über Bakteriophagen und das Poliovirus. Zur Arbeitsgruppe gehörten auch die Genetiker und Molekularbiologen Jacques Monod und François Jacob. Gemeinsam mit ihnen forschte Lwoff an der Frage, wie der genetische Code entschlüsselt und gelesen werden kann. Wegen ihrer Lage im Haus erhielt die Forschungsgruppe nach kurzer Zeit den Beinamen „Der Dachstuhl“.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Forschungsarbeiten am Institut Pasteur von der deutschen Besatzung behindert und mussten schließlich unterbrochen werden. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jacques Monod kämpfte Lwoff in der Résistance gegen die deutsche Besetzung, wofür er als Offizier der Ehrenlegion (1982) geehrt wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm die Gruppe ihre Arbeiten wieder auf. Die Ergebnisse mündeten später in die Ehrung mit dem Nobelpreis.

1947 ging Lwoff als Dunham Lecturer an die Harvard University in Cambridge, USA. Von 1959 bis 1968 war Lwoff Professor für Mikrobiologie an der Sorbonne Université in Paris. Danach wurde er Leiter des französischen Krebsforschungsinstituts in Villejuif. Dort blieb er bis zu seiner Emeritierung 1972.

Für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt André Lwoff zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter die Leeuwenhoek-Medaille der Royal Society (1960), die Keilin Medal der British Society for Biochemistry (1964) sowie den Charles-Léopold-Mayer-Preis und den Barbier-Preis der Académie de Médicine.

Als Mitglied gehörte er der Harvey Society (1954), der American Society of Biological Chemists (1961), der Society for General Microbiology (1962) und der der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1970) an, als Ehrenmitglied der New York Academy of Sciences (1955) und der American Academy of Arts and Sciences (1958), als Associate der US-amerikanischen National Academy of Sciences (1955), als  Korrespondierendes Mitglied der Botanical Society of America (1956) sowie als Auswärtiges Mitglied der Royal Society, UK (1958).

Darüber hinaus verliehen ihm mehrere Universitäten die Ehrendoktorwürde, darunter Chicago (1959), Oxford (1959), Glasgow (1963). Leuven (1966) sowie Lüttich (1967), Brüssel und Bukarest (beide 1969).

Die genetische Forschung schritt ab Mitte des 20. Jahrhunderts immer schneller voran. Bis dato war jedoch die Frage offengeblieben, wie das Erbgut kontrolliert wird. Gemeinsam mit seinen Kollegen am Institut Pasteur in Paris fand André Lwoff heraus, dass es einen „Schalter“ für Erbinformation gibt, der es möglich macht, diese je nach Bedarf an- oder abzuschalten. Die drei Wissenschaftler haben anhand von zwei Genen herausgefunden, wie dieser Schalter konkret funktioniert und wie er reguliert wird. Für diese Arbeiten und die Entdeckungen auf dem Gebiet der genetischen Kontrolle der Synthese von Enzymen und Viren wurde Lwoff 1965 gemeinsam mit seinen Kollegen François Jacob und Jaques Monod mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

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