Prof. Dr. Leopold Ružička (✝︎)
Nobelpreis für Chemie 1939
- Fachbereich Chemie
- Ort Zürich, Schweiz
- Wahljahr 1932
Forschung
Leopold Ružička war ein Schweizer Chemiker mit kroatisch-slowenischen Wurzeln. Zu seinen wissenschaftlichen Leistungen gehörte unter anderem die Erforschung wirksamer Bestandteile von Insektiziden, die Strukuraufklärung und Synthese von Duftstoffen, die Synthese des Androsterons und des Cholesterins sowie die Teilsynthese des Testosterons. Für seine Forschungen an Polymethylenen und höheren Terpenen wurde er 1939 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.
Werdegang
Leopold Ružička wollte eigentlich am polytechnischen Institut in Zürich studieren. Da dort eine Aufnahmeprüfung unter anderem in darstellender Geometrie verlangt wurde, entschloss er sich, nach Deutschland zu gehen, und begann 1906 an der Technischen Hochschule in Karlsruhe Chemie zu studieren. 1910 wurde er promoviert beim späteren Nobelpreisträger für Chemie (1953) Hermann Staudinger, dessen Assistent er im Anschluss wurde. Mit ihm untersuchte er die bisher unerforschte Struktur und Wirkung von Insektiziden. 1912 folgte Ružička seinem Doktorvater, als dieser einen Ruf an die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich erhielt.
1916 begann er seine Habilitation, wobei es zu Streitigkeiten mit Staudinger kam, was die Wahl des Themas anging. Ružička setzte sich durch und beschäftigte sich fortan mit der Strukturaufklärung und Synthese von Duftstoffen. Staudinger strich ihm daraufhin seine Assistentenstelle und schränkte seine Forschungsmöglichkeiten ein. Aus dieser Notlage heraus suchte Ružička Kontakte zu Partnern in der Industrie. Er fand sie unter anderem in den Parfümfabrikanten Haarmann und Reimer im niedersächsischen Holzminden. Zwei Jahre später legte Ružička seine Habilitation vor. Ab 1921 arbeitete er mit dem Duftstoffunternehmen Chuit, Naef & Firmenich in Genf zusammen, für dessen Parfümerien er Duftstoffe untersuchte.
1923 wurde er Honorarprofessor an der ETH Zürich. 1926 wechselte er nach Genf, wo er ursprünglich eine Zusammenarbeit mit der Industrie anstrebte. Im gleichen Jahr nahm er das Angebot der Universität Utrecht an und übernahm eine Professur für organische Chemie. 1929 kehrte er an die ETH nach Zürich zurück. Dort ließ er sich endgültig nieder und baute in der Folgezeit das 0Chemielaboratorium aus. Zu seinen Mitarbeitern zählte unter anderem der Nobelpreisträger für Physiologie des Jahres 1950, Tadeus Reichstein. 1930 bahnte sich erneut eine Zusammenarbeit mit der Industrie an: Für die Firma CIBA untersuchte Ružička in der Folgezeit männliche Geschlechtshormone. Ab 1937 erhielt er von der Rockefeller Foundation finanzielle Mittel zur Erforschung natürlicher Hormone, insbesondere der Steroide.
Ružička blieb in Zürich bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1957.
Auszeichungen und Mitgliedschaften
Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Ružička zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter den Marcel-Benoist-Preis der Schweizer Marcel-Benoist-Stiftung (1938) und den Faraday Lectureship Prize (1958). Er war Mitglied in vielen Akademien und wissenschaftlichen Vereinigungen, darunter der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1932) sowie der American Academy of Arts and Sciences (1938).
Nobelpreis
Leopold Ružička untersuchte Polyterpene. Aufgrund seiner experimentellen Fähigkeiten gelangen ihm schwierige Strukturbestimmungen. So konnte eine große Anzahl wichtiger Polyterpene charakterisiert werden. Er fand heraus, dass Polyterpene aus Isopren-Bausteinen aufgebaut sind und stellte die so genannte Isopren-Regel auf.
Außerdem untersuchte er natürliche Duftstoffe, über die bis dato kaum geforscht worden war. Er konnte zudem zeigen, dass zwischen den von ihm untersuchten Polyterpenen und anderen physiologisch wichtigen Verbindungen, z.B. Gallensäure, Sterinen oder Sexualhormonen, Verbindungen bestehen. Die Analyse verwandter Substanzen brachte einen enormen Wissenszuwachs über physiologisch bedeutsame Sexualhormone.
Für seine Forschungen an Polymethylenen und höheren Terpenen wurde er 1939 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Die Verleihung konnte aufgrund der politischen Verhältnisse jener Zeit nicht wie üblich in Stockholm stattfinden, sondern erfolgte im Januar 1940 in Zürich durch den schwedischen Botschafter.