Gerd Faltings arbeitet an der Schnittstelle von Zahlentheorie und algebraischer Geometrie. Darüber hinaus befasst er sich mit algebraischen Kurven. Besondere Aufmerksamkeit erlangte er bereits 1983, als er im Alter von 29 Jahren die Vermutung von Mordell bewies – ein zu dieser Zeit 60 Jahre bestehendes Problem der Mathematik. Dabei konnte Faltings zeigen, dass auf bestimmten algebraischen Kurven nur eine endliche Zahl von Punkten mit rationalen Koordinaten liegen kann. Die Mordellsche Vermutung wird seitdem als Faltings’ Satz bezeichnet. Der Beweis galt als bahnbrechend und war Ausgangspunkt für neue Methoden und Rahmenkonzepte, welche die Forschung in der Geometrie in den darauffolgenden Jahrzehnten maßgeblich prägten. Gleichzeitig gelang es Faltings, Methoden der komplexen Geometrie auf arithmetische Versionen zu übertragen und so geometrische und arithmetische Ansätze in der Mathematik zu vereinen.
Seine akademische Laufbahn begann Gerd Faltings an der Universität Münster, an der er 1978 sein Diplom im Fach Mathematik abschloss und im gleichen Jahr promovierte. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Harvard University/USA kehrte er nach Münster zurück und habilitierte sich 1981 ebendort. Es folgten Professuren an der Universität Wuppertal (1982-1984) und an der Princeton University/USA (1984-1994). Von 1994 bis zu seiner Emeritierung 2023 war er Direktor am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn und Professor an der Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Im Jahr 2025 erhielt Gerd Faltings das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und 2009 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde er 1996 geehrt.
Der Abelpreis gilt als „Nobelpreis der Mathematik“ und ist mit 7,5 Millionen Norwegischen Kronen dotiert, umgerechnet etwa 670.000 Euro. Gerd Faltings ist der erste Deutsche, der diesen Preis erhält und einer der wenigen Mathematiker, welche die beiden bedeutendsten Auszeichnungen der Mathematik erhalten haben: Den Abelpreis und die Fields-Medaille, die Faltings bereits 1986 erhielt – damals ebenfalls als erster Deutscher. Der Abelpreis ist nach dem norwegischen Mathematiker Niels Henrik Abel benannt und wird von der norwegischen Regierung gestiftet. Faltings erhält die Auszeichnung am 26. Mai 2026 im Rahmen eines Festakts in Oslo.