Mitglied im Fokus Peter Piot erhält den Virchow-Preis 2026

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50 Jahre nach Entdeckung des Ebola-Virus wird der belgisch-britische Arzt und Mikrobiologe Peter Piot zusammen mit dem kongolesischen Mikrobiologen Jean-Jacques Muyembé-Tamfum mit dem Virchow-Preis 2026 ausgezeichnet. Piot gilt als Mitendecker des Ebola-Virus; Muyembe legte hierfür 1976 die Grundlage durch seine Felduntersuchungen als Arzt in Zaire, heute die Demokratische Republik Kongo, deren Institut National pour la Recherche Biomédicale er nun in Kinshasa als Generaldirektor leitet. Die Virchow Foundation würdigt mit der Auszeichnung die Leistungen der beiden Mediziner und Wissenschaftler für die Entdeckung und das Verständnis von Infektionskrankheiten sowie ihre Verdienste rund um die multilaterale Zusammenarbeit und Governance bei deren Bekämpfung. Der Preis ist mit 500.000 Euro dotiert. Piot ist seit 2018 Mitglied der Leopoldina und lehrt heute als Professor für Global Health an der London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Die Forschung von Peter Piot konzentriert sich vor allem auf klinische, mikrobiologische, epidemiologische und gesundheitspolitische Aspekte von Infektionskrankheiten, insbesondere sexuell übertragbaren Erkrankungen. 1976 war es Piot gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in Belgien gelungen, das hochansteckende und häufig tödlich verlaufende Ebola-Virus zu isolieren. Und zwar aus Proben, die der nun ebenfalls gewürdigte Mediziner Jean-Jacques Muyembe bei seinen Untersuchungen zum ersten dokumentierten Ausbruch des hämorrhagischen Fiebers in Zaire sammeln und auch an Labore in den USA sowie Belgien schicken ließ. Dies führte schließlich zur Entdeckung des zuvor unbekannten Erregers; das verwandte Marburg-Virus war bereits 1967 entdeckt worden, als nach der Ursache rätselhafter Krankheitsfälle in der deutschen Universitätsstadt Marburg gesucht wurde.  

Mit Isolierung des Ebola-Virus, benannt nach einem Fluss, konnten damals Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen eingeleitet werden. Durch diese ließen sich die ersten bekannten Ebola-Epidemien im Kongobecken und in Sudan schließlich eindämmen. Der bislang größte und schwerste Ausbruch begann 2014 im Südosten von Guinea, breitete sich über mehrere Staaten in Westafrika aus und hielt bis 2016 an. Mehr als 28.000 Menschen erkrankten, mehr als 11.000 davon starben. Ein neuer Impfstoff half, diese Epidemie und folgende zu beenden, doch darauf können Ärzte aktuell nicht setzen: Mitte Mai 2026 hat die Weltgesundheitsorganisation eine Epidemie in der DRK und in Uganda zur „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt. In diesem Fall ist der Ebola-Erreger die seltene Art Bundibugyo – der Impfstoff muss entsprechend angepasst werden. 

Für die Virchow Foundation steht die Arbeit der beiden Preisträger beispielhaft für länderübergreifende und inklusive Zusammenarbeit in der globalen Gesundheit. Über geografische, institutionelle und disziplinäre Grenzen hinweg hätten Piot und Muyembe dazu beigetragen, Epidemien besser zu verstehen und wirksamer zu bekämpfen. Ihr Wirken zeige, wie wichtig internationale Solidarität, geteilte Verantwortung und die Einbindung unterschiedlicher Perspektiven seien, um Gesundheitskrisen gerecht und nachhaltig zu bewältigen, heißt es in einer Mitteilung der Virchow Foundation, zu deren fünf Gründern die Berliner Verlegerin Friede Springer und Leopoldina-Altpräsident Gerald Haug zählen. 

Auch nach Entdeckung des Ebola-Erregers, mittlerweile werden fünf Virusarten unterschieden, engagierte sich Piot bei der Bewältigung globaler Gesundheitskrisen. In den 1980er-Jahren leitete er in Afrika Forschungsprojekte zu HIV/Aids und war maßgeblich am ersten internationalen HIV/Aids-Großprojekt in einem Entwicklungsland beteiligt: „SIDA“ in Zaire. Zu den wichtigen Ergebnissen gehörte die Erkenntnis, dass eine Mutter ihr Kind anstecken kann. Die Gefahr besteht während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder auch durch das Stillen, mittlerweile lässt sich die Übertragung durch eine adäquate Behandlung verhindern.  

Hervorzuheben ist außerdem Peter Piots Engagement für multilaterale Zusammenarbeit und globale Gesundheitsgovernance. Als Gründungsdirektor von UNAIDS, dem gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids, führte er UN-Organisationen zusammen, die sich mit der Bekämpfung von Aids beschäftigten. Unter seiner Führung wurde UNAIDS zu einem zentralen Akteur und Fürsprecher für weltweite Maßnahmen gegen HIV/Aids. 

Peter Piot promovierte in Medizin an der Universität Gent und in Mikrobiologie an der Universität Antwerpen. Er wirkte unter anderem an der Universität Nairobi, der Freien Universität Brüssel und war für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) tätig. Von 1995 bis 2008 leitete er die Organisation UNAIDS der Vereinten Nationen und war zudem Untergeneralsekretär. Seit 2010 ist er Professor für Global Health an der London School of Hygiene & Tropical Medicine, deren Direktor er von 2010 bis 2021 war. 2018 wurde er in die Leopoldina aufgenommen.  

Mit dem Virchow-Preis erhält Piot gemeinsam mit Muyembe eine der höchstdotierten medizinischen Auszeichnungen weltweit. Die Virchow Foundation würdigt damit außergewöhnliche Leistungen herausragender Persönlichkeiten und Organisationen, die einen nachhaltigen Beitrag zur globalen Gesundheit leisten und die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen unterstützen. Der Preis wurde 2022 erstmals verliehen, dieses Jahr findet die Preisverleihung am 10. Oktober im Roten Rathaus in Berlin statt.

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