Peter R. Schreiner war an der Entdeckung einer neuen Steuerungskraft chemischer Reaktionen maßgeblich beteiligt – der „Tunnelkontrolle“, bei der Materie ungeachtet möglicher Hindernisse von A nach B transportiert wird. Bis dahin war nur bekannt, dass eine chemische Reaktion in Richtung der geringsten Barriere (kinetische Kontrolle) oder in Richtung der energetisch günstigsten Reaktion (thermodynamische Kontrolle) läuft. In seiner Forschung hat er zudem das Gebiet nanometergroßer Diamanten (Nanodiamanten, Diamantoide) erschlossen und diese Materialien für Anwendungen in der Industrie oder Pharmazie zugänglich gemacht. Weiterhin hat er als einer der Ersten das Konzept der Organokatalyse eingeführt, die Grundlage für eine nachhaltige Chemie ist. Hierbei werden metallhaltige Katalysatoren durch kleine organische Moleküle ersetzt. Solche umweltverträglichen Katalysatoren erleichtern chemische Reaktionen und sparen damit Energie.
Peter R. Schreiner studierte Organische Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg und der University of Georgia/USA und promovierte 1994 an der Universität Erlangen-Nürnberg. Ein Jahr später erwarb er zusätzlich einen Ph.D. in Computerchemie, ebenfalls in Georgia. Seine Habilitation fertigte Schreiner zwischen 1996 und 2000 an der Universität Göttingen an. Im Jahr 2002 wurde er zum Professor und Direktor des Instituts für Organische Chemie auf den Liebig-Lehrstuhl der Universität Gießen berufen. Zuvor war er zwei Jahre Associate Professor an der University of Georgia. Seine Forschung wurde vielfach gewürdigt und gefördert, etwa mit der Adolf-von-Baeyer-Denkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker (2017), dem Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2020), dem Alfred C. Cope Scholar Award der American Chemical Society (2021) und mit einem ERC Advanced Grant zu „Cold Organic Chemistry“ (2022).
Mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis erhält Peter R. Schreiner nun den wichtigsten Forschungsförderungspreis in Deutschland. Der von der DFG vergebene Preis würdigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Wissenschaftsgebiete. Das Preisgeld von je 2,5 Millionen Euro können sie bis zu sieben Jahre lang für ihre künftige Forschung verwenden. Unter den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern finden sich zahlreiche Leopoldina-Mitglieder. 2024 erhalten neben Peter R. Schreiner auch Tobias J. Erb, Rohini Kuner und Eva Viehmann einen Leibniz-Preis.